Varel/Bremen - „Ich habe natürlich ein paar Nachrichten bekommen – auch von Leuten, die ich länger nicht gesehen habe – und meine Familie war selbstverständlich absolut stolz“, berichtet der Vareler Bastian Pollul von den Reaktionen seines Umfelds, nachdem bekannt geworden war, dass er zur Saison 2022/2023 den Trainerposten der zweiten Frauen von Werder Bremen übernehmen wird.
„Ende der Saison 2021/2022 ist die Mannschaft ganz unglücklich abgestiegen. Zur neuen Saison bin ich dann Trainer geworden“, berichtet er. Durch den Abstieg seien viele Spielerinnen zu anderen Vereinen gewechselt – gleichzeitig auch neue zur Bremer Mannschaft dazugekommen. Das habe einen großen Umbruch mit sich gebracht. „So sind wir dann in der Verbandsliga gestartet“, erklärt der 28-Jährige.
Erster Trainerjob
Seine Kindheit verbinde Pollul automatisch mit dem Fußball. Früh habe er angefangen, beim TuS Dangastermoor zu kicken. Dort spielte er bis in den Herrenbereich. „Irgendwann kam eine Abfrage von unserem Vorsitzenden, ob jemand Lust hätte, sich als Jugendtrainer zu engagieren“, berichtet er. Im Alter von 14 Jahren habe er die Co-Trainerschaft einer G-Jugend-Mannschaft übernommen: „Die Kinder waren da noch in dem Alter, wo sie auf dem Feld teils lieber Blumen gepflückt haben, als Fußball zu spielen“, so der Vareler.
Der Spaß, vor einer Gruppe zu stehen, die zwischenmenschlichen Gespräche abseits des Feldes sowie die Entwicklung der einzelnen Spielerinnen und Spieler – persönlich wie auch spielerisch – brachten ihn dazu, im Laufe der Jahre weitere Trainerposten zu übernehmen. Darunter Stationen unter anderem als Co-Trainer bei den Regionalliga-Frauen des TuS Büppel sowie als Trainer des Frauenteams des FC Zetel.
Seine Trainer-C-Lizenz erwarb er in der Jugend. Während seines Bundesfreiwilligendienstes beim Buchholzer FC erwarb Pollul die Trainer-B-Lizenz. „Sie befähigt mich, Mannschaften in Richtung Leistungsebene zu trainieren“, erklärt er.
Tägliche Pendelei
Hauptberuflich arbeitet Pollul als Soldat auf Zeit. Seit er die Trainerschaft der Werder-Frauen übernommen hat, pendelt er beinahe täglich zwischen Varel, Bremen und der Kaserne in Seedorf (Landkreis Rotenburg). Dreimal in der Woche trainiert er die SVW-Mannschaft auf dem Trainingsgelände am Weserstadion. Am Wochenende stehen die Spiele an: „Ich bin ein Familienmensch, daher nutze ich jede freie Zeit, um in der Heimat zu sein. Den Fußball würde ich jedoch nicht aufgeben wollen. Es ist der perfekte Ausgleich zu meinem eigentlichen Bürojob“, so Pollul. Feste Ziele für die Zukunft habe er sich zwar nicht gesetzt, dennoch beschreibt der 28-Jährige es selbst als „persönlichen Erfolg, bei so einem Verein arbeiten zu dürfen“.
Der Wiederaufstieg
Und nun durfte Pollul einen weiteren wichtigen Erfolge feiern: Am vergangenen Wochenende schafften er und sein Team den direkten Wiederaufstieg in die Regionalliga Nord. Gegen die Frauen des Hamburger SV II siegten die Werderanerinnen mit 1:0 durch ein Tor von Jette Behrens in der 53. Minute.
„Die Saison ist durchweg positiv verlaufen. Mit dieser Entwicklung hätte im letzten Sommer niemand gerechnet – da die Mannschaft nach dem Abstieg mehr als 13 neue Spielerinnen bekommen hat. Aber unser Ehrgeiz hat sich ausgezahlt“, berichtet er. Dennoch sehe der Vareler den Hauptgrund für den Erfolg bei seiner Mannschaft: „Die Hauptleistung liegt noch immer beim Team. Ein Rezept für den Erfolg gibt es nicht. Es passt einfach in der Mannschaft.“
