Schortens - „Ich wollte Ortsbrandmeister von Accum werden. Das war mir schon als Kind klar. Daraus ist aber nichts geworden, der Platz war besetzt“, sagt Timm Harms und schmunzelt. Seine Karriere bei der Freiwilligen Feuerwehr ist etwas anders verlaufen, als er sich das als Kind ausgemalt hatte. Aber: Genauso wie es gekommen ist, genauso ist es richtig, meint er. Am 1. März hat der 40-Jährige die Position als Stadtbrandmeister in Schortens übernommen. Worauf er sich einstellen muss, weiß er ganz genau.
Timm Harms stammt aus Accum und lebt auch heute noch dort – mit Blick direkt auf das Feuerwehrgebäude. Der heute 40-Jährige war schon als Kind vom Blaulicht fasziniert, Großvater, Vater und Bruder sind in der Feuerwehr aktiv. Wenn in Accum die Feuerwehrsirene ging, saß er als Steppke am Fenster und beobachtete genau, was da vor sich ging. Gerne war er dann auch bei der Oma, die ein altes Radio besaß, über das man den Funkverkehr der Feuerwehr mithören konnte. Das war zwar nicht erlaubt, aber viele taten das und für den kleinen Timm war das mächtig spannend.
Mit zehn Jahren trat er in die Jugendfeuerwehr in Accum ein, wurde mit 14 Jahren Gruppenführer der Jugendwehr und kam mit 18 in die Einsatzabteilung der Ortswehr. Er wurde Jugendwart in Accum, stieg dann zum stellvertretenden Stadtjugendwart auf und ist seit 2014 stellvertretender Stadtbrandmeister gewesen, eine Position, die zuvor sein Vater Karl innehatte.
Beruflich sah Timm Harms seinen Platz immer im Büro. Zunächst lernte er Bankkaufmann, ging dann für acht Jahre zur Marine, war da im Organisationsstab tätig, absolvierte ein Verwaltungsstudium und ging zur Stadt Wilhelmshaven. Seit 2020 ist er bei der Stadt Schortens im Fachbereich Innerer Service beschäftigt.
Bereits 2014 wurde Timm Harms nämlich stellvertretender Stadtbrandmeister. An der Seite von Stadtbrandmeister Egon Onken übernahm er viele Aufgaben, die beiden bildeten ein gutes Team. Als Onken nun nach zwei Amtsperioden beschlossen hat, kürzer zu treten, war rasch klar, dass Harms nachfolgen würde. Als sein Stellvertreter wurde Markus Patschull (Ortswehr Sillenstede) gewählt. Die Teamarbeit soll nach bewährtem Vorbild weiterlaufen.
Organisation liegt ihm besonders
Praktische Arbeit vor Ort mit Schreibtischarbeit kombinieren, das ist genau das, was Timm Harms mag. „Meine Einsatzklamotten habe ich immer im Auto“, sagt der neue Stadtbrandmeister. Im Büro im Schortenser Rathaus liegt der Pieper ständig parat. Wenn es Alarm gibt, greift sich Harms sein Blaulicht, für das er natürlich die erforderliche Sondergenehmigung hat, setzt es auf sein Auto und düst zum Einsatzort. „In meiner neuen Position muss ich wohl nicht mehr zu jedem Containerbrand, aber wenn es personell eng ist, bin ich natürlich zur Stelle“, sagt Harms.
Schon bisher war er mehr mit organisatorischen Fragen befasst, musste selten mit ins brennende Haus. „Aber wenn das nötig ist, kann ich das natürlich. Und unsere Einsatzkleidung wird mittlerweile ohnehin von einer Spezialfirma vor Ort abgeholt, sodass es auch kein Problem darstellt, wenn die Klamotten kontaminiert sind“, erzählt er.
Die drei Schortenser Ortswehren seien in den vergangenen Jahren sehr gut zu einer Einheit zusammen gewachsen. „Wir haben eine großartige Wehr, alle sind hoch motiviert. Dafür hat mein Vorgänger Egon Onken sehr viel getan.“ Diese Arbeit will Timm Harms fortführen.
Feuerwehrbedarfsplan hat Priorität
Seine vorrangige Aufgabe sieht er aber darin, den Feuerwehrbedarfsplan, der vor kurzem aufgestellt und vom Stadtrat beschlossen wurde, umzusetzen. „Man muss sich vor Augen halten, dass das Papier bindend ist und auch fortgeschrieben werden muss“, erklärt er. Dabei werde die Wehr eng mit der Stadtverwaltung zusammen arbeiten. „Alleingänge braucht hier niemand“, unterstreicht Harms.
Was die wichtigsten Punkte sind? „Die Baumaßnahmen an den Feuerwehrhäusern in Accum und in Schortens – am liebsten beide gleichzeitig. Aber das scheitert wohl an den Finanzen. Also ein Haus nach dem anderen – aber zügig“, sagt der Stadtbrandmeister und erklärt, dass in den kommenden Jahren auch noch etliche Fahrzeuge ersetzt werden müssen.
Neue Fahrzeuge und eine Drehleiter
Es handelt sich um sechs Fahrzeuge – vom Mannschaftswagen mit Kosten von rund 75.000 Euro nach aktuellem Stand bis hin zum Rüstwagen für rund 650.000 Euro. Von der Planung bis zum ersten Einsatz dürften jeweils rund drei Jahre vergehen – also sei es höchste Zeit, jetzt zu planen, wenn ab 2027 Jahr für Jahr eine Ersatzanschaffung vorgesehen sei. „Und wir dürfen uns nichts vormachen, wir bekommen immer mehr Gebäude, die eigentlich drehleiterpflichtig sind – das wird also auch noch auf uns zukommen“, mahnt Harms. Umso wichtiger sei es, jetzt einen Fahrplan für die Investitionen zu erarbeiten und festzulegen.
Viel Arbeit, die da auf den neuen Stadtbrandmeister zukommt. „Zum Glück habe ich mit der Stadt einen Arbeitgeber, der mir entgegenkommt. Sonst wäre das alles gar nicht machbar. Zum Beispiel kann ich tagsüber Telefonate für die Feuerwehr erledigen – abends erreicht man ja niemand mehr“, sagt der 40-Jährige.
Und was ist mit Freizeit? „Viel bleibt da nicht“, sagt Timm Harms. Die wenige Zeit aber gehört ganz und gar Partnerin Annika und den Freunden.
