Sande - Tiny Häuser oder Kleinsthäuser haben viele Befürworter. Seit einiger Zeit kursiert die Idee, diese Wohnform auch in Sande zu etablieren. Nun befasste sich der Bau-Ausschuss mit der Idee. Dort stieß das Wohnen auf engstem Raum jedoch auf geteiltes Echo.
Tiny bedeutet „winzig“: Ein Tiny House ist daher ein sehr kleines Wohngebäude, meist aus Holz. Feste Größenbegriffe sind nicht klar definiert, aber da solche Kleinsthäuser oftmals keine fest im Boden verankerte Immobilie sind, sondern meist auf Rädern stehen und über Straßen transportiert werden, ist der Grundriss begrenzt. Von der Größe vergleichbar vielleicht mit einer Gartenlaube, einem Wohnwagen oder Bauwagen. Das Aufstellen solcher Häuser richtet sich nach den örtlichen Bauvorschriften.
Der Vorschlag
Den Antrag, in Sande die Möglichkeiten für eine Tiny-House-Siedlung auszuloten, hatte die Gruppe Grüne/FDP/Linke gestellt und damit einen CDU-Vorschlag aus dem Wahlkampf aufgegriffen. „Vor allem junge Leute, Studenten, Auszubildende oder ledige Mitarbeiter des Krankenhauses suchen in Sande vergeblich nach einer passenden und bezahlbaren Wohnung“, so Madeleine Zaage (Grüne).
Viele würden daher gar nicht erst nach Sande ziehen oder notgedrungen in zu großen und zu teuren Drei- oder Vier-Zimmer-Wohnungen.
Die Kritik
Vor allem die SPD hat Vorbehalte: „Wir sehen wegen der geringen Größe den Bedarf in Sande nicht“, sagte Ruth Bohlke. Hinzu komme, dass man auch für Tiny Häuser Flächen erschließen und Infrastruktur schaffen muss. Und damit wäre kein Platz für Einfamilienhausbebauung.
Tiny Häuser seien „eher so eine Lebensabschnitts- oder Ferienhausgeschichte“, meinte Bohlke. Sie hält auch nichts davon, dass man die Verwaltung prüfen lässt, wo es Flächen gibt. Besser sei, wenn ein Investor eine Fläche anfragt und die Bauverwaltung dann entsprechend tätig wird. Ihr Fraktionskollege Frank Behrens hält Tiny Häuser gar für einen „klimapolitischen Irrweg“.
Madeleine Zaage konterte: Tatsächlich sei aus ökologischer Sicht das klassische Einfamilienhaus ein „Auslaufmodell“.
Der Kompromiss
Tiny Häuser haben in urbanen Gebieten für die hippe junge Bevölkerung sicher einen Reiz, sagte Bürgermeister Stephan Eiklenborg. „Aber spätestens, wenn die Familienplanung einsetzt und Kinder dazukommen, ist das Tiny House nicht die erste Wahl.“ Auch Tiny Häuser müssten angeschlossen werden, das bedeute viel Buddelei für wenig Wohnraum. Die Gemeinde sei eifrig dabei, Alternativen für „richtigen“ Wohnungs- und Hausbau zu finden, so Eiklenborg. Sollte es bei neuen Bauflächen Möglichkeiten geben, das Thema Tiny House einfließen zu lassen, dann sollte man das prüfen, schlug er vor.
Manuela Mohr und Reemt Borchers (CDU) sehen durchaus Möglichkeiten für Minihäuser in Sande. Allerdings nicht als geschlossene Siedlung, aber als moderne Wohnform, die man je nach Nachfrage „hier und da“ anbieten könnte.
Mit diesem Kompromiss, bei der Suche nach Bauflächen auch Tiny Häuser mit ins Spiel zu bringen, konnte sich letztlich der Ausschuss anfreunden – der Beschluss erfolgte einstimmig.
