Varel/Pula - Norbert Hase ist Vizeweltmeister im Ping-Pong-Parkinson. Bei der Weltmeisterschaft in der kroatischen Stadt Pula, die vom 12. bis 16. Oktober stattfand, räumte der Vareler gleich zwei Silbermedaillien ab – sowohl im Einzel als auch im Mixed. Dabei hat er im Einzel-Finale nur knapp die Siegertrophäe verpasst.
Bis zum Schluss lieferte sich der 54-Jährige an der Tischtennisplatte mit seinem Kokurrenten, dem Amerikaner Ilya Rozenblat, einen nervenaufreibenden Schlagabtausch. Erst im letzten von insgesamt fünf Sätzen machte Hase den entscheidenen Fehler. „Ich wollte so gerne Weltmeister werden. Nächstes Jahr versuche ich es noch einmal“, sagt Hase. Er bewundert den Zusammenhalt der Tischtennisspieler und gönnt seinem Matchpartner daher auch den Titel.
besondere WM
Die Tischtennis-WM ist eine besondere. Hier spielen keine Profis, die bei Vereinen unter Vertrag stehen, sondern Menschen mit einer Parkinson-Erkrankung. Dass diese ebenfalls einen leistungssportlichen Anspruch mitbringen, steht außer Frage. Norbert Hase bekam 2008 seine Diagnose. Seine Erkrankung zeigt sich bespielsweise hinter dem Steuer seines Autos. Er verkrampfe beim Fahren. „Deshalb nutze ich das Auto nur noch selten. Höchstens für kurze Strecken.“ Doch ist er nach dem Tischtennis-Training auf dem Heimweg, sei die Krankheit wie weggepustet, an der Platte gar nicht vorhanden: „Ich bin schnell, habe kurze Reaktionszeiten, bin konzentriert und kann mich auf ein schwieriges Duell einlassen. Im Alltag bin ich langsam und muss mir für alles meine Zeit nehmen“, schildert er.
In der Wissenschaft gibt es bereits einige wenige Erkenntnisse darüber, dass Parkinson–Erscheinungen beim Tischtennisspielen unterdrückt werden. Die sogenannte neuronale Plastizität werde gefördert, was neue Verbindungen im Gehirn ermöglicht. Die Erfolge gehen sogar so weit, dass Norbert Hase aufgrund seiner sportlichen Betätigung weniger Medikamente einnehmen muss.
Zweitbester Spieler
Bei der WM in Kroatien war er einer von 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die alle einen Parkinson-Hintergrund haben und für das sportliche Ereignis aus 20 Nationen angreist waren. „Deshalb habe ich international mittlerweile einige Freundschaften geknüpft“, betont Hase. Schließlich hat er bei fast allen Turnieren im Ping-Pong-Parkinson mit deutscher Beteiligung seit 2019 mitgemacht. Dabei ist er nicht selten zum Vizemeister gekürt worden – „Der ewige Zweite, aber das ist schon okay“, sagt Norbert Hase mit einem Schmunzeln im Gesicht. So gewann er auch in Kroatien zweimal Silber und freut sich über seinen Titel als zweitbester Spieler der Welt.
Der 54-Jährige reiste im „Team Germany“ und setzte sich das ganze Turnier über souverän gegen seine Kontrahenten durch. Im Viertelfinale der Einzel-Partien traf er sogar auf seinen eigenen Doppel-Partner Holger Teppe. Der Vareler kennt seinen Spielstil und andersherum. Daher lieferten sich die beiden ein enges Spiel, woraus Hase siegreich hervorging.
Das ist sein Ziel
Ping-Pong-Parkinson, abgekürzt PPP, nimmt mittlerweile immer größere Dimensionen an. Kurz vor der aktuellen Weltmeisterschaft gründete sich der PPP-Weltverband, der nun für die Ausrichtung derartiger Turniere zuständig ist und zu einem gewissen Teil aus deutschen Mitgliedern besteht. Norbert Hase kennt die meisten Gesichter und war selbst bereits als Koordinator für deutsche Spieler aktiv. „Unser Ziel ist Olympia. Bei den Paralympics ist PPP aber nicht zugelassen“, betont er. Bei den Paralympischen Spielen würde die Parkinson-Erkrankung nicht als die Form von Behinderung akzeptiert werden, die bei den Spielen vertreten sein könne. Das findet Hase schade, „da wir bislang alle Selbstzahler sind. Die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft ist teuer – Flug, Unterbringung, Betreuung durch Pysiothearapeuten: Das kostet alles Geld. Ohne meinen Sponsor, den Edeka-Markt Driebolt in Varel, wäre meine Teilnahme in dieser Form gar nicht möglich gewesen.“
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