Hooksiel - Wenn der Seebadeverein Hooksiel die Frage in der Überschrift beantworten müsste, dann würde er dies eindeutig mit einem „Ja“ machen. Das wurde bei einem Pressegespräch am Freitag mit dem Vorstand des Vereins deutlich. „Die Wangerland Touristik ist viel zu weit weg vom Gast. Stattdessen baut sie ihre Digitalisierung immer weiter aus. Dieser Digitalisierungswahn muss aufhören“, fordert deshalb Wolf Hegemann. Angefangen mit den digitalen Parkautomaten bis hin zur digitalen Gästekarte oder der Ankündigung von Veranstaltungen nur noch über die sozialen Medien – das alles gehe am eigentlichen Gast vorbei. „Man muss doch im Blick haben, welche Gäste bei uns Urlaub machen. Und das sind immer noch viele Ältere. Die hängt man damit vollkommen ab“, so die Befürchtung des stellvertretenden Vorsitzenden.
Gästebeitrag zu hoch
Aber nicht nur die Fokussierung auf die zunehmende Digitalisierung ist dem Seebadeverein ein Dorn im Auge. Auch die geplante Erhöhung des Gästebeitrages von knapp 27 Prozent, über die der Rat am kommenden Dienstag, 26. September, ab 18 Uhr im Ratshaus Hohenkirchen endgültig abstimmen wird, sieht der Vorstand mehr als kritisch. „Da stimmt einfach die Verhältnismäßigkeit nicht mehr. Der Gast erkennt überhaupt nicht, was er an Mehrwert durch die Erhöhung hat“, bemängelt Hegemann. Der erste Vorsitzende, Erwin Abels, befürchtet gar massige Auswirkungen auf das Reiseverhalten der Urlauber. „Ich bin selbst Vermieter und wir stehen als Seebadeverein im engen Kontakt mit den Urlaubern. Da hören wir zum Teil von Stammgästen, die seit über 40 Jahren hier Urlaub machen, dass diese ihren Urlaub dann lieber woanders verbringen wollen.“ Denn nach Ansicht des Seebadevereins sei für den Gast nicht mehr ersichtlich, wofür er diese Mehrkosten tragen soll. „Seit Jahren passiert hier nichts mehr“, so Abels.
Campingplätze zu unmodern
Insbesondere die Campingplätze würden hier nach Ansicht Abels und Hegemanns bereits seit Jahren vernachlässigt. „Autos und Anhänger werden immer größer. Auch die Erwartungen und Bedürfnisse der Camper steigen. Stattdessen drosselt man auch noch die Stromleistung“, kritisiert Abels. Zwar gebe es einen „Masterplan Campingplätze“, der eine Modernisierung durch größere Parzellen und technische Standards vorsieht, aber auch der schlummere seit Jahren in den Schubladen der WTG. „Und dabei sind die Campingplätze unsere Aushängeschilder, hier verdient die WTG doch am meisten Geld mit“, sagt Hegemann. Gerade in diesem Jahr hätten die beiden einen großen Leerstand an Stellplätzen auf dem Campingplatz ausgemacht. Was aber auch am durchwachsenen Wetter gelegen haben mag, geben die beiden zu.
Angebote bieten
Wenn die WTG, wie sie immer wieder selbst betont, neues Klientel ins Wangerland locken möchte, dann müssten auch für diese Gäste mehr Angebote geschaffen werden, mehr Vergünstigungen durch die Gästekarte, so die Meinung Hegemanns und Abels. Dass der Gästebeitrag im eigentlichen Sinne für freiwillige Leistungen wie freie Eintritte gar nicht gedacht ist, wollen die beiden nicht wirklich gelten lassen.
Dass all das Geld kostet, darüber ist sich auch der Seebadeverein im Klaren. Aber eine Erhöhung des Gästebeitrages halten die Mitglieder für den falschen Weg. „Stattdessen könnte man eher mal schauen, ob der Personalaufwand bei der WTG in dem Umfang wirklich gerechtfertigt ist“, gibt Hegemann zu bedenken. Zudem könnte man schauen, ob man auch an anderen Stellen Streichungen vornehmen kann. „Aber ohne, dass der Gast es merkt“, sagt Erwin Abels. Dass sich das zum Teilen widerspricht, gibt auch er zu. Auf der einen Seite mehr Angebote fordern, auf der anderen Seite aber über Streichungen nachdenken. „Zur Not müssten sich dann mal Fachleute von außen darüber Gedanken machen.“ Was allerdings auch wieder mit Kosten verbunden wäre.
Kommunikation
Ein weiterer Kritikpunkt: die mangelnde Kommunikation zwischen Wangerland Touristik und den im Beirat vertretenen Leistungsträgern und Seebadevereinen. „Wir werden bei Projekten hier immer wieder vor vollendete Tatsachen gestellt, ohne uns vorher einzubeziehen“, so der Vorsitzende. Eine Aufzählung im Tourismusausschuss, was alles vom Gästebeitrag bezahlt wird, reiche als Transparenz nicht aus. „Warum spricht man nicht mal mit uns? Vielleicht ergeben sich hier Ideen, ob man tatsächlich alle 50 Gebäude der WTG, die vom Gästebeitrag ja auch unterhalten werden, braucht“, regt Wolf Hegemann an. Außerdem sei es für den Gast auch nur im Internet ersichtlich, welche sonstigen Vorteile er durch den Gästebeitrag hat. „Früher gab es immerhin noch einen Flyer“, erinnert sich Abels.
Alternativen schwierig
Es ist ein komplexes und schwieriges Thema, geben Hegemann und Abels zu. Daher sind sie auch nicht strickt gegen eine Anhebung des Gästebeitrages. „Aber nicht in der Höhe und vielleicht eher Schritt für Schritt.“ Zusätzlich könnten weitere Alternativen geprüft werden. Wie eine eventuelle Umlegung des Gästebeitrages auf die Vermieter oder eine neue Aufteilung der Zonen für die Erhebung des Gästebeitrages. Zudem würden Millionen an Strukturhilfen des Bundes bereit liegen, die man ebenfalls nutzen könnte. Aber das müssten natürlich die Verantwortlichen der Gemeinde und der WTG in die Wege leiten. Dann aber, sind Hegemann und Abels überzeugt, könnte das Wangerland insgesamt nur profitieren.
