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Tischtennis In Corona-Zeiten So läuft in Jever das Training unter strengen Auflagen

Andreas Lehmkuhl

Jever - Seit dem 8. Juni dürfen die landkreiseigenen Sporthallen in Friesland wieder genutzt werden – unter strengen coronabedingten Auflagen. Eine Sportart, in der gerade die Abstandsregelungen kein großes Problem darstellen, ist das Tischtennis. Und so fliegt in der Halle des MTV Jever die kleine Plastikkugel auch seit einem Monat schon wieder regelmäßig. Doch was ist anders als vor der Corona-Pause, was ist alles zu bedenken?

Gleich in dreifacher Hinsicht – als Organisator, Jugendtrainer und aktiver Spieler – ist Thorsten Hinrichs betroffen. Der Abteilungsleiter nimmt uns mit zu einem Trainingsabend unter den aktuellen Bedingungen der vielzitierten „neuen Normalität“.

„Das Spielen an sich ist das Gleiche. Natürlich gibt es Dinge, an die man sich gewöhnen muss, aber so wahnsinnig einschneidend ist das meiste nicht“, findet Hinrichs: „Zum Beispiel kann man nicht mehr mit zehn oder zwölf Bällen trainieren. Das mache ich zum Beispiel aber ohnehin nie.“

Etwas früher als sonst muss er freitags aufbrechen zum Jugendtraining. Vor dem offiziellen Beginn um 17 Uhr waren die MTV-Trainer zwar schon vor Corona immer in der Halle. Da aber nun der Großteil des Aufbaus von den Trainern erledigt wird – sonst konnten auch die älteren Jugendlichen mit anpacken –, ist Hinrichs als einer von fünf Übungsleitern sogar schon um 16.20 Uhr in der Salomon-Mendelssohn-Sporthalle am Mariengymnasium in Jever.

Mit Abstand am besten

Der Abstand ist im Tischtennis kein großes Problem. Sechs Tische sind pro Hallendrittel aufgebaut, jede Box kommt so auf fünf mal zehn Meter. Die beiden Spieler werden durch den 2,74 Meter langen Tisch getrennt. Aufbau der Tische und der Umrandungen sind erledigt, zwei Türen sind für eine gute Durchlüftung geöffnet, als ab 16.45 Uhr die ersten der fünf bis 17 Jahre alten Nachwuchsspieler in die Halle kommen.


Desinfektion der Hände, Einbahnstraßenverkehr in der Halle – das alles ist schon schnell zur Routine geworden. Einige der Jüngsten werden noch von ihren Eltern begleitet, die dann aber direkt wieder durch den Notausgang verschwinden. Die Umkleidekabinen sind noch geschlossen, auch wenn die niedersächsische Corona-Verordnung die Benutzung schon erlauben würde. In die Halle geht es schon in Sportsachen.

Training für alle

Wer noch die Schuhe wechseln möchte, kann das auf der weitläufigen Tribüne erledigen. „Die Kinder kennen vieles ja schon aus der Schule und haben sich ganz schnell an die Regelungen gewöhnt. Ich muss als Trainer nur noch ganz selten an das eine oder andere erinnern“, lobt Hinrichs. Er sieht sich in seiner Meinung bestätigt, die er in den ersten Diskussionen über die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs geäußert hatte. „Ich habe gleich gesagt, dass wir das Training entweder für alle, also auch für den Nachwuchs, oder für keinen anbieten sollten“, erklärt er.

Der Nachwuchs nimmt das Angebot gut an. 29 Kinder und Jugendliche sind es an diesem Tag. „Dass wir aktuell noch die einzige aktive Abteilung sind und so ausnahmsweise alle Drittel nutzen können, macht es für uns deutlich unkomplizierter“, freut sich Hinrichs. An diesem Abend kümmert er sich wie immer um die Jüngsten. Die Begrüßungs- und Besprechungs-Runde in der Hallenmitte fällt aus, dafür müssen die Trainer nun alle Teilnehmer dokumentieren.

Die daneben wohl einschneidendste Änderung: Rundlauf oder Staffel-Übungen, in der viele Kinder gemeinsam an einem Tisch beschäftigt werden können, sind nicht möglich, nur zwei pro Tisch sind erlaubt. Bei den Älteren, die spielnahe Übungen machen können, kein Problem. Bei den Jüngsten, wo Koordination und Ballgewöhnung auf dem Programm stehen, muss Hinrichs sich Neues ausdenken. Doch auch hier haben sich neue Routinen gebildet, alle Kinder können gut beschäftigt werden.

Immer unter Strom

Nach knapp 25 Minuten wird einmal gewechselt. Gegen 18.15 Uhr beendet Hinrichs das Kinder-Training, die Älteren spielen noch etwas länger. So müssen nicht alle gleichzeitig die Halle verlassen, und die Abstände werden gewahrt. Alles unter den wachsamen Augen der Trainer. „Man muss sich immer um irgendetwas kümmern, man steht dadurch die ganze Zeit unter Strom. Das war zwar auch vor Corona meist so, aktuell aber doch noch intensiver“, erklärt Hinrichs.

Immerhin wurde er zwischenzeitlich kurz von seinem Sohn Janek aus der Oberliga-Mannschaft abgelöst und konnte sich um Organisatorisches kümmern. Ein paar Tische können abgebaut werden bevor um 19 Uhr das Erwachsenen-Training für insgesamt 16 Spieler beginnt.

Hinrichs selber spielt mit Wilhelm Rieken aus der dritten Mannschaft. Etwa eine Stunde trainieren die beiden zusammen. Im Spiel zum Abschluss siegt Noppenspieler Hinrichs aus der Vierten, obwohl er 115 TTR-Punkte weniger hat. „Das passiert normalerweise nicht“, wundert er sich: „Ich habe wohl davon profitiert, dass das erst Wilhelms zweites Training war.“

Zwar ist es auch für Hinrichs erst das dritte Mal. „Aber für mich ist das ja nicht ungewohnt, sonst trainiere ich ja auch nicht allzu regelmäßig“, erklärt er lachend – und verrät außerdem: „Während der Corona-Pause habe ich wahrscheinlich mehr gespielt als in einer normalen Saison.“

In der Tischtennis-Familie Hinrichs gibt es natürlich einen eigenen Tisch im Obergeschoss, der nun fast jeden zweiten Tag genutzt wurde. „Ich habe zwar nur meinem Sohn den Ball zugespielt, um ihn zu trainieren, und muss mich wieder etwas ans tischferne Spiel und das Spiel mit der Noppe gewöhnen. Aber so bin ich in der Pause nicht eingerostet“, meint der 52-Jährige.

Nach einer Stunde wechseln viele Aktive den Trainingspartner. Hinrichs dagegen ist wieder für Organisatorisches gefordert. „Wie immer geht viel Zeit dafür drauf. Das Training an sich ist immer überschaubar“, weiß er. Immer auf Abstand bespricht Hinrichs sich mit den anderen Trainern. Das große Thema: Kann der MTV in den Ferien Training anbieten? Das Interesse scheint groß.

Hungrig auf Tischtennis

In der ersten Trainingswoche konnte der MTV an drei Tagen 118 Teilnehmer verzeichnen. „Gleich am ersten Tag waren bei den Erwachsenen 32 Spieler da. Ich hätte gedacht, dass viele erstmal abwarten würden, aber die Leute sind in der Pause anscheinend richtig hungrig auf Tischtennis geworden“, hat Hinrichs beobachtet. Danach habe sich die Beteiligung mit etwa 90 Teilnehmern pro Woche auf hohem Niveau eingependelt.

Auch für die Sommerferien glaubt er an große Nachfrage, gerade weil sicherlich weniger Leute in den Urlaub fahren würden. Darum hoffen die Tischtennisspieler, dass die Halle auch im Sommer genutzt werden kann. Bei der Wiederaufnahme des Trainings habe der Kreis auf jeden Fall schon sehr schnell im Interesse der Sportler reagiert, lobt Hinrichs: „Ich hatte ursprünglich eigentlich befürchtet, dass wir vor den Ferien gar nicht mehr anfangen würden. In vielen Kreisen und Gemeinden sind die Hallen ja noch geschlossen. Nur weil das Land das erlaubt, heißt das ja nicht, das die Träger die Hallen wirklich öffnen.“ In Jever sei das Ganze aber sehr flott und reibungslos gelaufen.

Auch die Erstellung des Hygienekonzeptes unter Zuhilfenahme eines Rahmenkonzeptes des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) durch den Abteilungs-Hygiene-Beauftragten Michael Bucher und die Genehmigung durch den Gesamtverein sei unkompliziert vonstatten gegangen.

Um 21.15 Uhr ist der Trainingsabend beendet, die letzten Spieler verlassen die Halle. Für Hinrichs steht noch ein letzter Rundgang durch die Räumlichkeiten an, bevor auch für ihn Feierabend ist. „Das Duschen und danach noch mit den anderen Spielern einen Plausch zu halten – insgesamt das Gesellige –, das fehlt schon“, sagt Hinrichs: „Aber auf jeden Fall ist das alles besser, als gar nicht trainieren zu können.“

Sorgen wegen der Minis

Was der Abteilungsleiter wirklich bedauert, ist das Ausfall der Mini-Meisterschaften: „Die sind für uns ganz wichtig, um neue Kinder zu begeistern. Genauso, wie Kooperationen mit den Schulen.“ Schon jetzt würden die Kinder fehlen, die sonst jedes Jahr über Mini-Meisterschaften gewonnen werden. „Zehn bis 15 sind das bestimmt, das tut uns richtig weh. Vor allem weiß man ja nicht, wie das in Zukunft weitergeht“, befürchtet er. So hat auch die Tischtennis-Abteilung des MTV ihre Sorgen – wenn auch die Sportart Tischtennis gerade gegenüber Kontakt- und Mannschaftssportarten doch einige Vorteile hat.

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