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Trauer um Heinrich Gerdes Er gestaltete das Nachkriegs-Varel

Hans Begerow
Heinrich Gerdes aus Varel war zu Lebzeiten ein gefragter Architekt und auch Zeitzeuge vom Ende des Zweiten Weltkriegs.

Heinrich Gerdes aus Varel war zu Lebzeiten ein gefragter Architekt und auch Zeitzeuge vom Ende des Zweiten Weltkriegs.

Olaf Ulbrich/NWZ-Archiv

Varel - Mit ihm hat die Stadt einen kreativen Kopf verloren, der das Varel der Nachkriegszeit maßgeblich mitgeprägt hat: Im 96. Lebensjahr ist Heinrich Gerdes verstorben, der als Architekt von den 60er- bis in die 90er Jahre zahlreiche öffentliche und private Bauwerke gestaltet hat. Varel verliert mit ihm aber auch einen einzigartigen Zeitzeugen der Nazi-Zeit und der Kriegsjahre, denn Heinrich Gerdes wurde als 17-Jähriger zum Kriegsende noch zur Wehrmacht eingezogen.

1927 in Varel geboren

Am 24. November 1927 in Varel geboren, wuchs Heinrich in der Lohstraße in Varel auf, besuchte das Gymnasium, wurde als Hitlerjunge von der nationalsozialistischen Ideologie geprägt, wurde schließlich Flakhelfer und noch in den letzten Kriegswochen als 17-Jähriger eingezogen. Durch seine Kreativität vermied er die Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion: Er setzte sich im wahrsten Sinne Läuse in den Pelz, weshalb er wegen der Fleckfiebergefahr nicht nach Russland transportiert wurde. Stattdessen stellte er sich einen Passierschein selbst aus und gab ihm mit einem selbstgeschnitzten Kartoffelstempel ein amtliches Aussehen. So kam Heinrich Gerdes zurück nach Varel, absolvierte eine Bautischlerlehre und studierte Architektur.

Etliche Bauten errichtet

Im Varel der Nachkriegsjahre und überall in der Region erlangte Heinrich Gerdes zahlreiche Aufträge. Er zeichnete für das damalige Postamt der Bürgermeister-Heidenreich-Straße (abgerissen) und gleich gegenüber für den Neubau der Raiffeisen-Volksbank verantwortlich. Das Gebäude wurde 1974 errichtet (und erhielt später eine Fassade mit Verblenderstruktur). Schulen, Sporthallen, das Hallenbad in Varel, das Gebäude der Landessparkasse zu Oldenburg (bekam später ebenfalls ein „face-lifting“), zahlreiche Gewerbebauten und Wohnhäuser hat Heinrich Gerdes entworfen. Nicht wenige davon im damals akzeptierten und weit verbreiteten Stil der Sichtbetonbauweise, auch als Brutalismus bezeichnet (aus dem Französischen béton brut: roher Beton). Auch die Kuranlage Deichhörn in Dangast (verkauft und größtenteils abgerissen) sowie das ursprünglich als Freibad konzipierte Meerwasserquellbad in Dangast (in den 90ern zum Ganzjahresbad umgebaut) stammen von Heinrich Gerdes.

Ein gefragter Zeitzeuge

Dass das Postamt in Varel abgerissen wurde (die daneben errichtete „Fernmeldezentrale“ steht noch) und einem Parkplatz wich, hat Heinrich Gerdes noch erlebt. Bis ins hohe Alter fuhr er täglich mit dem Fahrrad durch seine Heimatstadt, eine imposante Gestalt, die man von Weitem erkannte. Übrigens hat Heinrich Gerdes bis ins hohe Alter seine Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus und der Kriegszeit Jüngeren zugänglich zu machen. Er war in den weiterführenden Schulen ein gefragter Zeitzeuge. Schließlich gehörte Heinrich Gerdes auch zur legendären Freitagsrunde, einem Stammtisch im Museumsrestaurant „Schienfatt“ am Neumarktplatz.

Abschied nehmen

Heinrich Gerdes starb am 12. September. Die Trauerandacht für ihn findet an diesem Montag, 18. September, statt (11 Uhr, Auferstehungskirche, Oldenburger Straße), wo die Familienangehörigen, Freunde und Weggefährten ihm ein letztes Geleit geben.

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