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Trauer um Rüdiger Schmidt Mit Geschichte eng verbunden – Pfarrer für Generationen

Wolfgang Müller
Rüdiger Schmidt mit Bildern seines Vaters Dr. Hans Schmidt, ein führender Vertreter der „Bekennenden Kirche„, die auch seinen Sohn schon früh geprägt hatte.

Rüdiger Schmidt mit Bildern seines Vaters Dr. Hans Schmidt, ein führender Vertreter der „Bekennenden Kirche„, die auch seinen Sohn schon früh geprägt hatte.

Wolfgang Müller

Varel - Vareler Christen trauern um den Pfarrer i. R. Rüdiger Schmidt, der in der vergangenen Woche im Alter von 90 Jahren starb. Er folgte seiner Frau Luise, die er 1956 geheiratet hatte, nach nur wenigen Monaten. Er hinterlässt acht Kinder und 16 Enkel- und Urenkelkinder.

Rüdiger Schmidt besuchte das Alte Gymnasium in Oldenburg, lernte dort neben Latein auch Hebräisch in Kursen, die der Direktor der Schule außerhalb des Unterrichts gab. Pfarrer zu werden wie sein Großvater in Bockhorn und sein Vater in Wiefelstede hatte mehrere Gründe. „Mein Vater und seine leidenschaftliche Art zu predigen“ war der eine, die Jugendgruppe in Varel, wo Dr. Hans Schmidt zwischenzeitlich Pastor geworden war, stärkte ihn in dem Gedanken, Theologie zu studieren, erklärte er einst in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Kritik an Ideologie

Schließlich entstand nach Ende des Zweiten Weltkrieges eine neue Weltanschauung, nämlich die des Kommunismus. Und die Antwort darauf, was hilft, nicht in neue Ideologien zu verfallen, suchte Rüdiger Schmidt im christlichen Glauben. Mit ihm und mit nicht zu widerlegenden Argumenten aus der Bibel, aus der theologischen Grundauffassung, hatten schon sein Vater und seine Mitstreiter in der „Bekennenden Kirche“ gegen die Gleichschaltung durch das NS-Regime gekämpft.

Rüdiger Schmidt konnte sich an seine Kindheit im Ammerland gut erinnern. Seinen Vater kannte er als einen fröhlichen Menschen, Angst habe die Familie eigentlich nicht gehabt: „Der damalige Gauleiter Röver war wohl so schlau, niemanden zum Märtyrer zu machen.“ Viele Menschen mögen der Pastorenfamilie kritisch, wenn nicht ablehnend gegenüber gestanden haben, „aber viele Einwohner haben zu uns gestanden, uns unterstützt, uns auch mal ‘was zugesteckt“, erinnerte sich Rüdiger Schmidt.

Historische Zeiten

Daran, dass die Nazis Gottesdienste und Konfirmandenunterrichte gestört haben, blieb in seinem Gedächtnis – und auch, dass er als Sechsjähriger machtlos daneben stand. Dass er in der Schule wiederholt drangsaliert worden ist, hat Rüdiger Schmidt damals nicht auf den Widerstand seines Vaters gegen die „Deutschen Christen“ zurückgeführt, er hatte vielmehr geglaubt, es läge an ihm selbst. Dem Jungvolk hatte er danach angehört, wie alle anderen Kinder und Jugendlichen auch, dort hatte er auch boxen gelernt, “ein schrecklicher Sport“; aber er stärkte sein Selbstbewusstsein und half ihm, sich zu wehren.


Als Pfarrer in Varel, der er bis zu seinem Ruhestand 1994 mehr als drei Jahrzehnte lang aktiv war, bleibt Rüdiger Schmidt unvergessen. Ganze Generationen waren es, die von ihm getauft, konfirmiert, getraut und auch zur letzten Ruhe begleitet wurden. Die Beisetzung findet an diesem Dienstag, 13. September, um 11 Uhr in der Vareler Schlosskirche statt.

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