Moorwarfen - Männer trauern anders, wie man besonders aus der Arbeit der Hospize und deren häufig angeschlossenen Trauercafés weiß. Das war der Anstoß für ein Angebot für trauernde Männer, die sich beim Kochen austauschen können. Die erfahrenen Trauerbegleiter Norbert Stieglitz vom Friedel-Orth-Hospiz in Jever und Tammo Schlieker vom Kinder- und Jugendhospiz in Wilhelmshaven fanden im Dorfgemeinschaftshaus „Old Schoolhus“ in Moorwarfen ein geeignetes Domizil.

Die Pandemie verzögerte den Start. Noch bevor es im Oktober losging, hatten sich bereits acht Männer angemeldet. Von vornherein stand fest, dass es eine geschlossene Gruppe bleiben sollte, um eine gute Vertrauensbasis aufbauen zu können.

Wenn nun beim vorletzten Treffen nur noch drei von ihnen dabei sind, hat das sehr individuelle Gründe. Missverstanden hatten anfangs gleich zwei Männer, dass es nicht ums Kochen lernen geht. Das Kochen ist nur das Mittel zum Zweck. Das Wichtigste ist der Gruppe das Miteinander, wo jeder reden darf, aber niemand reden muss. Und schon die Kennenlernrunde war da typisch und anders als Stuhlkreise zum Beispiel bei psychologischen Seminaren.

Die Männer sprachen miteinander, es gab keine Tabus – und es flossen auch mal Tränen, denn: Männer weinen nicht? Gilt hier nicht! Die Trauerbegleiter erklärten jetzt, wie angenehm überrascht sie über so viel Offenheit von Beginn an waren. Beim Kochen in der gut ausgestatteten Küche wird auch mal gelacht.

„Küchendienst“ kannte Dieter bis Oktober 2022 übrigens gar nicht. Das war seiner Frau vorbehalten, die inzwischen das von ihm Gekochte schätzt, obwohl sie selbst „sehr gut“ kocht. Der 67-Jährige ist der Einzige, der nicht verwitwet ist. Seine tiefe Trauer, die ihn in die Gruppe geführt hat, ist die um einen langjährigen engen Freund, der im vergangenen Jahr bei einem Unfall mit dem Heißluftballon umkam.


Seit etwa einem Jahr verwitwet ist dagegen Fred, 75 Jahre alt. Er hatte so eine Gruppe gesucht, denn in den ihm bekannten Trauergruppen waren fast nur Frauen. Das ging dem ein Jahr älteren Bernd ähnlich, der wie die beiden Vorgenannten aus Wilhelmshaven kommt. Er verlor seine Frau nach 52 Jahren Ehe im vergangenen Sommer und meldete sich sofort an, nachdem er von dem Angebot in der Zeitung gelesen hatte.

„Eine ganz tolle Einrichtung“, ist er sich mit den anderen einig. Er schätzt besonders den Austausch mit Gleichbetroffenen. Inzwischen treffen sich diese Drei auch privat zum Beispiel beim Sport.

Sehr dankbar sind Norbert Stieglitz und Tammo Schlieker der Dorfgemeinschaft, dass sie die Räume nutzen dürfen. Am 13. April findet die Reihe ihr Ende, doch für den Herbst ist eine Neuauflage von „Männer trauern anders“ fest eingeplant.