Friesland - Dank einer großzügigen Spende in Höhe von 12.000 Euro von der Windpark Bassens GmbH und Co. KG aus dem Wangerland konnte die Organisation „Friesen helfen grenzenlos“ einen umfangreichen Hilfstransport in die Ukraine ermöglichen. Die Route führte die Helferinnen Renate Brunken und Anke Heller von Friesland zunächst nach Zolochiv und von dort aus weiter in die Städte Lohvitsa und Pereyaslav in der Poltava-Region und schließlich in die ukrainische Hauptstadt Kiew sowie die umliegenden Städte Bucha, Irpin und Borodyanka. Die beiden Frauen legten in fünf Tagen insgesamt mehr als 4500 Kilometer zurück, um die Hilfsgüter zu verteilen.
Spenden für zwei Kliniken
Diese brachten sie unter anderem zu zwei kleinen Kliniken in der Poltava-Region nahe der Frontlinie zur Kharkiv-Region, die verletzte Soldaten und zivile Patienten behandeln. Renate Brunken und Anke Heller verteilten mit ukrainischen Helfern an die beiden Kliniken wichtige medizinische Geräte, Medikamente, Hygieneprodukte, Lebensmittel und andere dringend benötigte Dinge.
Der nächste Hilfstransport in die Ukraine ist für Freitag, 26. Mai, geplant. Die freiwilligen Helfer rufen daher wieder zu Spenden auf und bitten jeden, dem es möglich ist, Geld oder Gegenstände zu spenden. Dringend benötigt werden insbesondere Tee, Kaffee, Instant-Suppen, Instant-Nudelgerichte, Müsliriegel, Haferflocken, Babynahrung, Feuchttücher und Tierfutter. Wer die Helfer mit Geld- oder Sachspenden unterstützen möchte, kann das wie folgt tun:
Sachspenden können direkt bei Bettina Schild im Wangerland (Elisabethgroden 3c) oder bei Renate Brunken in Roffhausen (Roffhausener Landstraße 22) abgegeben werden. Kontakt: Renate Brunken (0170/2146062) und Bettina Schild (01520/4629431)
Geldspenden können auf folgendes Spendenkonto bei der Volksbank Jever überwiesen werden:
Empfänger: Friesen helfen grenzenlos e. V. i. Gr.
IBAN: DE 2528 2622 5411 0643 8000
Verwendungszweck: Ukraine-Hilfe
Für die Ausstellung einer Spendenquittung die Adresse angeben.
„Wir konnten einige wichtige Spenden in Form von medizinischen Instrumenten und Ausrüstungen sammeln. Wir haben hauptsächlich Medikamente sowie sehr wichtige Tourniquets (Anm. d. Red.: ein Abbindesystem, durch das der Blutfluss in den Venen und Arterien gestaut oder vollständig unterbrochen werden kann) gekauft, die Blutungen sofort stoppen. Das kostet viel Geld“, berichtet Renate Brunken. „Ohne die großzügige 12.000-Euro-Spende hätten wir den Kliniken in diesem Umfang nicht helfen können. Die Mitarbeiter waren sehr überrascht und dankbar.“
Hilfe für Krankenhäuser bedeutet, dass Dutzenden von Ukrainern geholfen werden kann und oft sogar Leben gerettet werden können. Daher planen die Helfer von „Friesen helfen grenzenlos“, diese Kliniken nach Möglichkeit weiter zu unterstützen.
Hilfe für bedürftige Menschen und ausgesetzte Tiere
Mit dabei hatten Renate Brunken und Anke Heller auch Kindernahrung und Windeln, schnell zubereitete und lang haltbare Lebensmittel, Tee, Kaffee und Energieriegel – eben all das, was immer und in unbegrenzter Menge benötigt wird. Dazu zählt auch Futter für Katzen und Hunde. Mit dem Futter versorgen die Helfer insbesondere die verlassenen Tiere, die in der Ukraine zurückgeblieben sind.
„Wir bringen auch fast immer zubereitete Suppen und Fleisch von der ,Fleischerei Schlimgen‘ mit“, erzählt Renate Brunken. In der Ukraine wird das zubereitete Essen dann in Schalen verteilt, vakuumverpackt und an bedürftige Menschen verteilt. „Dazu bringen wir oft auch frisch gebackenes Brot von der ,Bäckerei & Konditorei Ulfers Eden‘ mit. Die Ukrainer freuen sich sehr darüber. Sogar ein Laib Brot ist für einige ein Fest.“
Reise nach Bucha, Borodianka und Irpin
Der Besuch von Kiewer Gebieten, die im vergangenen Frühjahr unter dem Angriff der Russen gelitten haben, stand schon lange auf der Liste der freiwilligen Helfer aus Friesland. Von Zolochiv aus, wo sie regelmäßig Hilfsgüter hinbringen, sind es noch sechs Stunden Fahrt, etwa 500 Kilometer. Wegen Zeitmangel wurde diese Reise bei vergangenen Hilfstransporten immer wieder verschoben.
Dieses Mal entschieden sich die ukrainischen und deutschen Freiwilligen, nach ihrem Besuch in der Region Poltava auch nach Kiew und in die Gebiete umzu zu fahren. „Zerstörte Kindergärten, zerbombte Schulen, Museen, Sportplätze und zivile Gebäude. Keine Anzeichen von militärischen Einrichtungen“, schilderte Renate Brunken ihre Eindrücke nach ihrem Besuch in den Städten Bucha, Borodianka und Irpin. „Wir sahen nicht nur massive Zerstörungen, sondern auch massive Wiederaufbauarbeiten. Die Ukrainer sind sehr stolz darauf. Sie hauchen den halb zerstörten Städten wieder Leben ein, weil sie zu Hause leben wollen.“
Renate Brunken betrachtet die zerstörte Stadt Borodyanka. (Foto: Privat)
Die Freiwilligen aus Friesland besuchten Orte, die weltweit durch traurige und erschütternde Fotos, die durch die Medien gingen, bekannt geworden sind – darunter die halb zerstörte Brücke in Irpin, über die die örtlichen Bewohner evakuiert wurden, und die Straße mit verbrannten Autos in Borodianka, auf denen die Ukrainer zu fliehen versuchten.
Es muss weiterhin geholfen werden
Die Helfer „Friesen helfen grenzenlos“ ziehen nach jedem Hilfstransport in die Ukraine dasselbe Resümee: „Es muss weiterhin geholfen werden.“ Die letzte Reise war für die Helfer besonders bedeutsam und eindrucksvoll, da sie fast durch das gesamte Land gereist sind und mit eigenen Augen das Ausmaß der Zerstörung und des Leids der Ukrainer gesehen haben.
„Das, was man im Fernsehen sieht, ist schon bedrückend, aber das Gesehene vor Ort brennt sich einfach für immer ins Gedächtnis ein. Tausende zerstörte Häuser und Wohnungen und damit Millionen von Schicksalen von Ukrainern. Tausende Menschen leben in Containern, viele andere leben weiterhin in halb zerstörten Gebäuden. Verzweiflung, Erschöpfung und oft verlorene Hoffnungen sind in den Augen der Ukrainer zu lesen. Denn die Welt wird müde von Krieg und schlechten Nachrichten – und Hilfe wird immer knapper. Und der Krieg geht weiter, jeden Tag sterben Dutzende Ukrainer“, fasst Renate Brunken zusammen und appelliert: „Wir sind für sie wichtig, wir müssen weiterhin helfen. Die Ukrainer zählen auf unsere Unterstützung.“
Anke Heller (Vierte von links) und Renate Brunken (Fünfte von links) mit freiwilligen Helfern aus der Ukraine. (Foto: Privat)
