Friesland/Wilhelmshaven - Auf Reisen gehen, in den Urlaub fliegen – das war während der Pandemie lange nicht möglich. Mit den Lockerungen standen vor allem Ferienziele in Deutschland hoch im Kurs, unter anderem auch die Küstenregion. Aber dieser Trend ist jetzt gebrochen. Mehr noch, eine Umfrage unserer Redaktion in Reisebüros in Sande, Wilhelmshaven und Hooksiel hat ergeben, dass das Buchungsverhalten inzwischen wieder das Niveau von 2019, vor der Pandemie, erreicht hat.
„Das Buchungsverhalten der Kunden ist in diesem Jahr nicht wesentlich anders als in den Jahren vor Corona“, berichtet Lara Moormann, Tourismus-Kauffrau im TUI Reisecenter in Wilhelmshaven. Sabine Hoffmann aus dem Hooksieler Reisebüro nimmt das ebenfalls so wahr: „Corona ist unheimlich schnell vergessen worden. Es scheint, als wäre alles wie vorher.“
Lara Moormann merkt allerdings an, die Kunden seien häufig verdutzt angesichts der gestiegenen Preise, die sie mittlerweile für eine Reise ausgeben müssten. Das ist auch in Hooksiel aufgefallen. Und Tanja Klaassen vom Reisebüro „Reisen mit Service Klaassen“ in Sande stimmt zu: „Dieses Jahr sind die Preise sehr hoch, oft auch zu hoch.“
Auslandsreisen
Die Gründe für die gestiegenen Preise sind bekannt, und sie betreffen den Tourismussektor ebenso wie andere Branchen: hohe Inflation und Personalmangel in der Hotellerie. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat zudem die weltweiten Lebensmittel- und Energiepreise in die Höhe schnellen. Ein wesentlicher Preistreiber sind die Flüge.
Das Reisen ins Ausland nehme allerdings ungeachtet der Preissteigerungen wieder deutlich Fahrt auf. Da sind sich die drei Reiseprofis einig. Während der Corona-Lockerungen hatten ja noch Urlaubsziele in Deutschland besondere Bedeutung in der Reisebranche erfahren.
„Auslandsreisen sind in diesem Jahr deutlich beliebter“, berichtet Lara Moormann. Am beliebtesten seien die Reiseziele Ägypten und Türkei, da hier der Preis meistens stimme. Thailand gehöre ebenfalls dazu sowie die Kapverden, da dort karibisches Flair gegeben sei, die Flugstrecke aber keine zwölf Stunden betrage. Klassiker seien weiter Griechenland und Spanien.
Reiseziele, die alles in den Schatten stellen, gibt es nach den Erfahrungen des Reisebüros in Hooksiel bisher nicht. Interessant sei allerdings, dass Thailand nicht so gut angelaufen sei wie erwartet, sagt Sabine Hoffmann.
Das Reiseziel Deutschland werde eher von Familien ins Auge genommen, sagt Sabine Hoffmann. Tanja Klaassen aus Sande hatte hingegen eher weniger Deutschland-Urlauber zu verbuchen.
Günstige Angebote
In jedem Fall muss das Preis-Leistungs-Verhältnis bei den Angeboten stimmen, da sind sich die drei Expertinnen einig. Gebucht werde meist das Ziel mit dem günstigeren Angebot, erklärt Lara Moormann. „Last Minute“ gibt es eigentlich nicht mehr, sagt Sabine Hoffmann. Das Geld sitze nicht mehr so locker: In Deutschland jeden Abend essen zu gehen, sei einfach günstiger als eine Reise in den Süden mit „All Inclusive“.
Pauschalreisen
Die Kundschaft ist in der zweiten Saison nach Corona wieder eher bereit zu buchen, da offenbar alle weg wollen. Das bestätigen alle drei Reisebüros. Das Bedürfnis, Freiheit zu genießen, sei immens.
Während und direkt nach Corona war der Tourismussektor am Boden und es gab Flugausfälle. Nun würden nahezu Zahlen wie vor der Pandemie erreicht, sagt Lara Moormann. Gebucht werde nach dem Motto: Ich mache meinen Urlaub jetzt, bevor es die kommenden Jahre wieder nicht geht.
Laut Tanja Klaassen aus Sande werden überwiegend Pauschalreisen gewählt. Da es teurer werde, wenn Hotel und Flug einzeln gebucht würden, seien Kunden dankbar, wenn es die Möglichkeit der Pauschalreise gebe. Eine hohe Nachfrage gebe es auch bei Kreuzfahrten, zum Beispiel in den Norden, fügt Klaassen hinzu.
Fazit der drei Fachfrauen: Inflation und der Ukraine-Krieg haben überall die Preise gehoben. Doch nach dem ersten Schock sei für viele klar: Der tiefe Griff in das Portemonnaie hält viele Kunden nicht davon ab, doch wieder in die Sonne zu fliegen.
