Dangast - Brände, Überschwemmungen, Trockenheit – der vergangene Sommer war geprägt von Extremen und vor allem war er deutlicher Vorboten des Klimawandels. Statt Reiselust gab’s vielerorts Klimafrust. Doch was macht das mit dem Tourismus – und vor allem: Was bedeutet die globale Entwicklung für den Tourismus in Dangast, der ein großer Wirtschaftsfaktor für Varel ist?
Für Kurdirektor Johann Taddigs ist die Sache klar: Stand jetzt, so erklärte er im Gespräch mit der Redaktion, ist die Lage für eine Region wie Dangast nicht bedrohlich. Im Gegenteil: „Der Klimawandel mit seinen derzeitigen Auswirkungen macht uns eher zu Profiteuren als umgekehrt.“
Abwechslungsreiches Wetter
Dangast als Gewinner der Klimakrise? Nun ja, nicht ganz, aber Taddigs weiß: „Abwechslungsreiches Wetter hatten wir schon immer, aber die großen Extreme gehen hier weitgehend an uns vorbei, das ist ein Vorteil.“ Dies sei der Nordsee als große ausgleichende Masse zu verdanken.
„Als touristische Region sind wir damit eher der sichere Ort, bei dem die Wetterlagen gut eingeschätzt werden können.“ Schließlich habe es in Dangast seit jeher Strandtage und verregnete oder auch stürmische Tage gegeben. Das könnte sich nun auszahlen.
Mehr Nachhaltigkeit
Für ihn sind die Regionen an der Nordsee ein Zukunftsmarkt, dennoch muss auch Dangast, so Taddigs, noch mehr auf Nachhaltigkeit setzen. Einen nachhaltigen Tourismus im Einklang mit der Region, der Landschaft und Natur gepaart mit nachhaltigem Wirtschaften, Ressourceneffizienz und Klimaschutz.
Lesen Sie auch: Kippen-Kampf in Dangast dauert an
Doch gerade das Thema Nachhaltigkeit, so wird im Gespräch mit Taddigs deutlich, geht mit Abstrichen einher. Beispiel Tagestouristen: Sie verursachen einen großen ökologischen Fußabdruck, doch ohne Tagestouristen geht es nicht, stellt Taddigs klar und erklärt es am Beispiel einer Eisdiele: „Wenn Sie den Tagestourismus ausschließen, aber nicht genug Übernachtungsgäste haben, die täglich Eis essen, so dass sich die Eisdiele auch halten kann, haben Sie irgendwann keine Eisdiele mehr, die dann die Übernachtungsgäste vermissen werden.“
Wirtschaftlicher Aspekt
Schlussendlich geht es um den wirtschaftlichen Vorteil: „Tourismus hat schließlich keinen Selbstzweck, Tourismus hat einen Strukturzweck, er ernährt die Bevölkerung – und in dem Moment, wo das nicht mehr so ist, machen wir was falsch“, betont der Kurdirektor. „In einer strukturschwachen Region wie dieser, ist es wichtig, genügend Arbeitsplätze zu schaffen – und die finden sich eben auch im Tourismus. Wir sollten uns immer wieder fragen: Wofür machen wir das alles? Machen wir es für uns oder für andere? Und hier muss die Antwort lauten: Wir machen das für uns.“
Lesen Sie auch: Hier gibt’s kostenfreies Trinkwasser für alle
Gästezahl halten
Und doch ist dieses „für uns“ mit einer Begrenzung belegt, die eben mit jener Nachhaltigkeit, die immer wichtiger wird, einhergehen muss – und dem Blick auf die Ressourcen. Mit ein Grund, warum er in dem Wunsch nach steigenden Gästezahlen ein Problem sieht. „Wir sollten das Level halten und die Wertschöpfung auf dem Level optimieren, aber nicht immer mehr fordern.“ Gutes Geld verdienen, Perspektiven bieten, keine Jobs streichen – das wäre ideal. „Es muss ein sich selbst ernährendes System sein.“
