Varel - Es ist eine Reise in die Vergangenheit: Wer die alte Familienvilla von Frank Walther in Varel betritt, hat das Gefühl, in einer anderen Epoche zu landen. In dem Gebäude sieht es aus wie vor 121 Jahren. Fast alles ist noch original. Seit 2012 steht es leer. Nun, acht Jahre nach dem Tod seines Vaters, will Frank Walther dem historischen Schätzchen, das im Jahr 1899 erbaut wurde, wieder neues Leben einhauchen und alles komplett restaurieren.
Das NDR Fernsehen zeigt am Freitag, 17. Juli, in der Sendung „die Nordstory“ die Arbeit des Monumentendienstes in Niedersachsen. Beginn ist um 20.15 Uhr. Der Beitrag zeigt, wie neues Leben in alten Gemäuern entsteht. Eines der drei Beispiele, wie die Sanierung mithilfe der Experten voranschreitet, ist die Villa von Frank Walther aus Varel.
Unterstützt wird der Vareler, der später selbst in der Villa wohnen möchte, vom Monumentendienst in Niedersachsen. Dieser ist für viele Besitzer alter Häuser oftmals die einzige Rettung. Bundesweit einmalig, werden dort historische Baustoffe gehortet, die bei Abrissarbeiten baufälliger Häuser gesichert wurden: Steine und Balken, Türen und Fenster, gusseiserne Teile und Dachziegel.
Eigentümer von alten und denkmalgeschützten Gemäuern werden bei der Restaurierung ihres Besitzes von den Experten beraten. Und jeder, der sein historisches Haus fachgerecht renovieren will, wird beim Monumentendienst fündig. Die Lager sind eine unglaubliche Schatzkiste an Bau-Überresten. So auch für Frank Walther.
Das Gebäude gehört zur Maschinenfabrik Winicker & Lieber, in der Schneidemaschinen für Tabak und Kräuter gebaut werden. Der Urgroßvater hat es zwölf Jahre nach Gründung erbaut. „In diesem Haus bin ich aufgewachsen. Alle Generationen vor mir bis zu meinem Urgroßvater haben hier auch gewohnt“, sagt Frank Walther und betont: „Hier ist alles original erhalten“ – das Treppenhaus, die Türen mit den Türverzierungen, die Deckenhöhe. „Alles ist unverändert seit dem Bau der Villa.“
Das sagt der Eigentümer und Firmenchef stolz beim Rundgang durch die Räume. Im so genannten „Herrenzimmer“ steht immer noch der funktionstüchtige Ofen. „Er ist original erhalten und wohl nie baulich verändert worden“, sagt Frank Walther. Die Tapete wurde 1927 an die Wand geklebt – das dokumentiert eine darunterliegende Zeitung.
Eine Tür weiter befindet sich der Salon in dem seit 1899 ebenfalls nichts verändert worden ist. Neben dem originalen dunkle Kachelofen ist vor allem die imposante handbemalte Decke eine Rarität. „Sie ist sehr aufwendig gemacht und gut erhalten“, sagt Frank Walther und beeindruckt damit selbst die Experten Martin Schiebe und Sven Rathjen vom Monumentendienst: „Sehr beeindruckend“, sagen sie, „vor allem in der Farbigkeit.“
Die beiden Techniker für Baudenkmalpflege haben die Villa begutachtet. Das Hauptproblem war zunächst das Schieferdach die Schornsteine und Regenrinnen. Der Monumentendienst arbeitet auf Grundlage des Denkmalschutzes. Denn bei der Sanierung eines so alten Objektes muss dieser in enger Abstimmung mit der Behörde laufen. Einiges der Vareler Villa muss dennoch nachgebaut werden.
Andere Dinge sind noch vorhanden. So zum Beispiel die originale Wetterfahne der Villa. Diese wurde in den 70er Jahren ebenso wie die dazugehörigen Schmuckelemente vom Dach abgenommen. „Meine Mutter hatte diese Elemente gerettet und im Garten in die Ecke gestellt – unter anderem die, die auf den Firsten der Villa aufgebaut waren“, sagt Frank Walther. Aufgearbeitet hat sie Kunstschlosser Volker Pape aus Varel.
Frank Walther ist froh, den Monumentendienst, der 2004 von der Stiftung Kulturschatz Bauernhof in der Region Weser-Ems gegründet wurde, dabei zu haben. Denn er will möglichst alles erhalten und wieder aufbauen. Sein Antrieb? „Das ist Idealismus und Wertschätzung der Vergangenheit“, sagt er – damit die Zeitreise weitergehen kann.
