Varel/Dangast - Schon vor Beginn des mobilen Impftermins der Johanniter am Freitag hatte sich vor dem Lothar-Meyer-Gymnasium eine lange Schlange gebildet. Ganz vorne mit dabei waren Lines und seine Mutter Jessica Halter aus Bockhorn.
Lines ist vor einer Woche zwölf geworden und möchte sich jetzt impfen lassen. „Das hat viele Vorteile“, sagt er, „ich möchte mich auch endlich wieder sicher fühlen“. Seine Mutter begleitete ihn und ließ sich eine Booster-Impfung verpassen. „Es sollte viel mehr solcher Impftermine geben“, sagt die Bockhornerin. In dieser Woche nutzten viele Friesländer die mobilen Impftermine, nächste Woche werden allein in Varel fünf weitere Termine angeboten (siehe Infobox).
Großer Andrang
Auch beim Impftermin vor dem Weltnaturerbeportal in Dangast war der Andrang groß. Neben denen, die ihre Erstimpfung abholen wollten, kamen die meisten wegen einer Boosterimpfung. „Ich hoffe, dass das hier schneller geht“, sagt Uwe Cordes, der mit seinem Vater Günter extra aus Wilhelmshaven an den Dangaster Strand gekommen ist. Beim Hausarzt hätte er ewig warten müssen, sagt er: „Die Warteschlangen sind da picke packe voll.“
Rennen um Plätze
Dass die Wartelisten der Ärzte voll sind, kann Jens Wagenknecht bestätigen. Der Facharzt für Allgemeinmedizin hat in seiner Gemeinschaftspraxis Jadebusen knapp 180 Menschen auf der Warteliste, die wegen der großen Nachfrage noch ohne Termin sind. „Die Anmeldezahlen sind in den letzten Tagen extrem gestiegen. Das ist förmlich ein Windhundrennen um Impfplätze“, sagt er. Während sich vor kurzem noch knapp 20 Personen pro Woche für Impfungen angemeldet hätten, habe sich dieser Wert nun fast verfünffacht. „Jetzt haben wir pro Woche teilweise 100 Anmeldungen.
Impfpraxis
Jens Wagenknecht plant derweil eigene Impfzeiten für Corona-Impfungen. „Wir haben uns außerdem beim Land als Impfpraxis beworben“, sagt er. Das läuft über die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN), die von den Bewerbern 180 Praxen auswählt. Diese stellen anschließend wochenweise ein zusätzliches Impfangebot für jeden Bürger bereit. Denn in einer normalen Arztpraxis dürfen eigentlich nur eigene Patienten geimpft werden.
Unter den Menschen, die bei den Johannitern in der Schlange standen, waren auch Betroffene des Impf-Skandals aus dem Frühjahr 2021. „Wenn es jetzt empfohlen wird, sich boostern zu lassen, dann mache ich das“, sagt einer von ihnen. Eher bedeckt hielten sich diejenigen, die zur Erstimpfung gekommen waren.
Solidarität zeigen
Stephan Höpken, Teamleiter des mobilen Impfteams der Johanniter, findet, dass jeder zwar selbst entscheiden sollte, ob er sich impfen lässt, „aber je mehr sich schützen lassen, desto eher kriegen wir das alles wieder in den Griff. Wir sollten Solidarität zeigen“. Jeder sollte sich seiner Verantwortung den Mitmenschen gegenüber bewusst sein.

