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Testprojekt in Varel Elektrobus fährt nun im Linienverkehr – vorerst aber nur testweise

Elektrobus/Batteriebus des Herstellers IVECO mit beteiligten Personen (von links): Karl Hülsmann, Rolf Neuhaus, Stefanie Pflug, Heike Gentemann, Tammo Janßen, Sandra Schellenberg, Jörg Wenske.

Elektrobus/Batteriebus des Herstellers IVECO mit beteiligten Personen (von links): Karl Hülsmann, Rolf Neuhaus, Stefanie Pflug, Heike Gentemann, Tammo Janßen, Sandra Schellenberg, Jörg Wenske.

Varel - Eine Woche lang wird ein Elektrobus von der Bruns Omnibusverkehrsgesellschaft testweise im Linienverkehr eingesetzt. In Zusammenarbeit mit dem Landkreis Friesland und dem Verkehrsverbund Ems-Jade konnte dieses Projekt realisiert werden. In einer vierwöchigen Testphase hat der Nutzfahrzeughersteller Iveco dem Landkreis nun kostenlos einen Elektrobus zur Verfügung gestellt.

Nachdem der Bus bereits eine Woche lang in Wilhelmshaven für das Unternehmen Fass im Einsatz war, wird er nun für eine Woche im Linienverkehr von Bruns eingesetzt. Anschließend wird er an das Unternehmen Edzards-Reisen in Wittmund weitergegeben. Zum Schluss kommt der elektrobetriebene Bus bei der Kreisbahn Aurich zum Einsatz.

Mehr Informationen zum Elektrobus E-Way GX 337

Die Leistung des Modells E-Way GX 337 der Marke IVECO liegt zwischen 280 und 385 Kilowattstunden (kWh). Zum Vergleich: Mit einer Kilowattstunde Strom könnte eine handelsübliche Maschine Wäsche gewaschen werden. Außerdem könnten sich mit einer kWh Strom ungefähr 2.500 Männer den Bart rasieren. Im Innenraum des rund zwölf Meter langen Busses finden ungefähr 75 bis 83 Personen Platz. Es gibt insgesamt drei Ein- bzw. Ausstiegsmöglichkeiten. Plätze für Rollatoren, Kinderwagen und Menschen mit Behinderung sowie eine Klapprampe für Rollstuhlfahrer sind vorhanden.

Der Verbrauch liegt bei diesem Modell ohne den Einsatz von Klimaanlage oder Heizung bei etwa 0,7 bis 0,8 kWh/km. Mit dem Komfort einer Elektro-Klimaanlage oder einer E-Heizung steigt der Verbrauch auf rund 1,1 bis 1,3 kWh/km. Wenn der Bus bremst, findet außerdem eine sogenannte Energierückgewinnung statt.

Die Reichweite liegt ohne den Einsatz von Klimaanlage oder Heizung bei knapp 320 Kilometern. Inklusive des Komforts von E-Klimaanlage oder E-Heizung sinkt die Reichweite auf ungefähr 280 Kilometer.

Der Elektrobus muss nach täglichem Betrieb jede Nacht aufgeladen werden. Die Reichweite der Elektrobusse mache laut Karl Hülsmann, Inhaber von Bruns, aber „so langsam Fortschritte“. „Die Reichweite des genutzten Modells liegt bei ungefähr 300 bis 350 Kilometern“, sagt Fahrdienstleiter Tammo Janßen. 16 Stunden soll es dauern, bis die komplett leeren Batterien wieder voll aufgeladen sind.

Hoher Einkaufspreis

Dass es vor allem im Landkreis Friesland nicht bereits mehr Elektrobusse gibt, liegt Rolf Neuhaus zufolge zum einen an den großen Entfernungen und andererseits auch an den immer noch sehr hohen Einkaufspreisen. Zum Vergleich: „Ein handelsüblicher, dieselbetriebener Bus kostet etwa 200 000 Euro“, erklärt Karl Hülsmann. Ein Elektrobus soll hingegen bei rund 600.000 Euro liegen.

Außerdem „gestaltet sich die Fahrzeugförderung durch Zuschüsse aktuell nicht leicht“, sagt der Inhaber der Busgesellschaft. Und auch Rolf Neuhaus, Fachleiter Planen und Bauen vom Landkreis Varel, weiß: „Die Fahrzeugförderung direkt an private Unternehmen zu vergeben, fällt dem Land bislang noch schwer.“

Auch wegen großer Entfernungen zwischen den einzelnen Gemeinden und kleinen Ortschaften würde sich eine Anschaffung eines Elektro-Fuhrparks noch nicht rentieren. Wenn man beispielsweise Varel, Zetel und Bockhorn anfahren wollen würde, „müsste man an jedem Halt 15 Minuten warten und aufladen“, erklärt Rolf Neuhaus.


Kein Druck von außen

Druck von außen, nun auf Elektromobilität umrüsten zu müssen, hat Bruns nicht. Die seit August geltenden Vorschriften der „Clean Vehicles Directive“ gelten laut Karl Hülsmann nicht für Privatunternehmen. Bis Ende 2025 sollen mindestens 22,5 Prozent der angeschafften Busse im ÖPNV emissionsfrei sein. Um das realisieren zu können, muss laut Neuhaus und Hülsmann aber auch die Infrastruktur weiter angepasst werden.

Sarom Siebenhaar
Sarom Siebenhaar Redaktion Jever
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