Varel - Bis aufs Dach ragt der Wilde Wein bei Familie Kallage in Varel. Auf ihrem 1100 Quadratmeter großen Grundstück hat sie ihren Garten naturnah angelegt. Das heißt auch mal Kompromisse mit Mutter Erde zu machen.
Zum Beispiel bei der Pflanzenwahl: Die Stangenbohnen von Annette Kallage wurden erst von Schnecken weggefressen. Nachdem die Varelerin ein Netz spannte, bedienten sich die Rehe von oben. „Dann gibt es eben keine Stangenbohnen für mich“, war für die studierte Biologin klar. Sie greift in ihrem Garten zwar in die Natur ein, aber nur bis zu einem gewissen Grad. „Ich möchte mit der Natur leben, nicht gegen sie.“ Für die 60-Jährige ist es völlig in Ordnung, Kompromisse im eigenen Garten zu machen.
Einen alten Bauerngarten mit Gemüse- und Pflanzensorten gibt es im Garten sowie hohe wilde Ecken, eine Totholzhecke, einen Steinhaufen und ein Sumpfgrabenbeet.
Sumpfgrabenbeet
Beim Sumpfgrabenbeet wird Regenwasser aus der Regenrinne zu Boden geleitet und läuft dort durch drei verschiedene Becken. Kallages Tochter hat das Beet vor Jahren als Schulprojekt angelegt.
In den ersten zwei Becken steht immer ein wenig Wasser, dort können sich Tiere bedienen. Grobkörniger Kies sorgt im ersten Becken dafür, dass das Wasser gut weitergeleitet wird. Im dritten Becken stoppt Sand das Wasser. Im Beet finden sich Sumpfschwertlilien, Sumpf-Vergissmeinnicht, Sumpfiris und andere Pflanzen, die es schön feucht mögen.
Kallage liegen besonders die Vögel am Herzen. Zahlreiche Nistkästen hängen auf dem Grundstück. Lange Zeit flogen viele Vögel gegen die Fensterscheiben des Wohnhauses. „Weil die eine Wand ja völlig bewachsen ist, dachten sie wahrscheinlich, dass sind Bäume und sie können dazwischen durchfliegen.“ Meistens fand Kallage die armen Bruchpiloten tot am Boden liegen. Zuerst hängte sie schwarze Klebefolie in Vogelform in die Fenster. Doch das half nicht. „Vom Nabu bekamen wir den Rat, weiße Folie in einem flächigen Muster anzubringen“, sagt Kallage. So kleben nun weiße Punkte auf den Fenstern. „Das sieht zwar nicht so schön aus für uns Menschen, aber es hilft“, sagt Kallage.
Stundenlang in der Natur
In ihrem Garten zu sitzen und in Naturbeobachtungen zu versinken, das ist wie Therapie für Kallage. „Ich könnte Stunden damit verbringen, eine Biene zu beobachten“, sagt sie. Manchmal verbringt sie den ganzen Tag in ihrem Garten.
