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NWZonline.de Region Friesland

Geschichte in Varel: Staatshilfe allein reichte nicht

27.11.2020

Varel Unter den zwanzig Namen, die auf den Gedenktafeln der Vareler „Germania“ verzeichnet sind, findet sich auch der von „Meyer, Hinr. Gerh.“ Eine Todes-Anzeige im „Gemeinnützigen“ vom 29. Oktober 1870 wirft ein Schlaglicht auf das damit verbundene Schicksal: „Nach langem Forschen erhielten wir endlich die traurige Nachricht, daß unser innigstgeliebter Neffe Hinrich Meyer schon am 18. Aug. im Lazareth zu Mars La Tour an seinen erhaltenen Wunden gestorben ist“. „Langes Forschen“ über fast sechs Wochen hat es also gebraucht, bis die Familie über den Verlust Gewissheit erhielt! Die Kritik ist unüberhörbar.

Staat überfordert

Das Beispiel illustriert, genauso wie die darüber stehende Anzeige des „Vareler Vereins für Pflege verwundeter Krieger“ einen wenig thematisierten Aspekt des Krieges von 1870/71: Die Überforderung der damals vorhandenen staatlichen Einrichtungen durch die Folgen, die die Kämpfe in Frankreich mit sich brachten. Von Anfang an gab es deshalb, wie wir ja schon für Varel gesehen haben, immer wieder Aufforderungen zur Gründung von Hilfs-Vereinen, zum Sammeln von Spenden für die Kriegsverwundeten und ihre Familien, zur Unterstützung der Hinterbliebenen.

Als sich abzeichnet, dass der Krieg trotz des Sieges von Sedan noch nicht zu Ende ist, proklamiert Friedrich Wilhelm, Kronprinz von Preußen, in einem Aufruf, veröffentlicht im „Gemeinnützigen“ am 20. September: „Die Staatshülfe allein, selbst wenn sie verhältnismäßig reichlich bemessen werden kann, ist außer Stande, die große Zahl der Invaliden und Hinterbliebenen zu unterhalten. Diese Hülfe gewährt nur das Nothwendigste […] Große Anstrengungen freiwilliger Hülfe werden diesmal nöthig sein, denn gewaltig wie der Erfolg, waren auch die Verluste des Krieges.“

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Die Vereine sollen sich um die Erfrischung und „Erquickung“ der vorbeiziehenden Truppen, etwa auf den Bahnhöfen, sorgen, Lazarette in der Heimat errichten und finanziell die in Frankreich unterstützen. Sie kümmern sich sogar um den Transport und die Pflege von Verwundeten.

Streit um Versorgung

Weil darunter auch französische Gefangene im Sinne der erst wenige Jahre alten Genfer Konvention sind, gibt es immer wieder politische Auseinandersetzungen in den Spalten der deutschen und internationalen Presse um die Angemessenheit von deren Versorgung, Streitereien, die bis in die Endphase der Weimarer Republik reichen werden.

Die Organisation in den Vereinen übernehmen die ortsbekannten Honoratioren, einen großen Teil der praktischen Arbeit, etwa die Bereitstellung von Kleidung und Decken oder die Pflege der Verwundeten, die Frauen.

Die Vereine bleiben dabei nicht sich selbst überlassen, sondern werden, beispielsweise von der schon 1866 gegründeten „Victoria-National-Invalidenstiftung“, angeleitet und überwacht. Dazu gehört für Kronprinz Friedrich Wilhelm die „Vorsorge, daß die Unterstützung nicht die noch vorhandene Erwerbskraft schwäche, anstatt sie zu stärken und daß sie wahrhaft heilsam für das Leben der Unterstützten wirke.“ Im Klartext: Die „örtlichen und landschaftlichen Vereine“ sollen mit ihrem Wissen und durch „liebevolles Eingehen auf die persönlichen Verhältnisse“ Simulanten enttarnen. Von einem Sozialstaat waren wir vor 150 Jahren noch weit entfernt!

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