Varel - Grau-schwarz mit zwei Griffen und einem Kabel: Sie sieht sehr unspektakulär aus, die Box, in der die momentan begehrteste Fracht des Landkreises Friesland transportiert wird. Am Mittwochmittag war es für die Bewohner des Seniorenheimes „To Huus“ in Büppel dann endlich soweit: Das mobile Impfteam Friesland der Johanniter um Leiter Jonathan Fischer, dem ehrenamtlichen Helfer Patrick Korzuschnik und der Ärztin Daja Heckmann brachte den Corona-Impfstoff.
Die Schutzimpfungen haben in Friesland am Montag im Wohnpark Bockhorn der Unternehmensgruppe „Pflegebutler“ begonnen. „31 von 32 Bewohner haben sich impfen lassen, so wie gut 60 Prozent der Mitarbeiter“, sagte Heiko Friedrich, Geschäftsführender Gesellschafter. Er selbst hat sich impfen lassen: „Zum einen, um das Risiko für unsere Bewohner und Mitarbeiter schnellstens auf ein Minimum zu reduzieren. Zum anderen um zu zeigen, dass ich die Impfung für sicher und in unserer Branche für den einzigen Ausweg halte.“
30 Personen der Einrichtung erhielten die Schutzimpfung. „Wir sind sehr froh, dass wir so früh dabei sind“, sagt der Heimleiter von „To Huus“, Helmuth Will. Er zog am Donnerstag ein positives Fazit: „Auch alle Mitarbeiter haben das Angebot bekommen, sich gegen das Virus impfen zulassen. Wir haben bei insgesamt 70 Seniorinnen und Senioren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine sehr gute Impfquote von über 85 Prozent erreicht“. Dabei bedankte Will sich vor allem bei den Vareler Johannitern vom Impfteam des Landkreises Friesland. „Sie haben uns sehr professionell beraten und betreut“, sagte er.
Wie verlief der Impfstart in Friesland ?
Seit Montag sind zwei mobile Teams in Frieslands Pflegeheimen unterwegs. „Die Impfbereitschaft ist sehr hoch, unter den Bewohnern ganz besonders“, spricht Jonathan Fischer von einer sehr guten Resonanz. Auch Mitarbeiter lassen sich impfen. Zunächst waren die beiden Teams gemeinsam unterwegs. „Es lief aber so gut, dass wir sie getrennt haben“, sagt Fischer.
Wer gehört zu einem Impfteam ?
Mit dabei ist ein Arzt oder eine Ärztin. In Büppel war das am Mittwoch Daja Heckmann. Die Zahnärztin im Ruhestand hat sich freiwillig zum Einsatz gemeldet. Zudem eine so genannte impfbefähigte Person. Das kann ein Krankenpfleger sein, ein Notfallsanitäter oder Altenpfleger.
Voraussetzung: „Man muss in der Ausbildung die intramuskuläre Gabe gelernt haben“, erläutert Fischer. Als dritte Person gehört ein ehrenamtlicher Verwaltungshelfer zum Team. „Es ist toll, dass sie uns unterstützen“, bedankte sich der Team-Leiter für deren unentgeltlichen Einsatz.
Wie verläuft der Transport des Impfstoffes ?
Die Teams übernehmen den Impfstoff des Tages aus dem Lager, wo dieser ultratiefgekühlt bei minus 75 Grad Celsius zwischengelagert ist. Dort wird er im Kühlschrank drei Stunden aufgetaut, bis die Dosen verimpfbar sind, erklärt Jonathan Fischer. Danach kommen sie in eine Transportbox.
Diese ist mit einem Datenlogger ausgestattet, der sicherstellt, dass die Kühlkette eingehalten wird. Die Kühl-Kiste wird im Auto sowie in den Einrichtungen an den Strom angeschlossen, zudem verfügt sie über einen Akku. Dieser stellt sicher, dass die ganz besondere Kühlbox mehrere Stunden die Temperatur aufrechterhalten kann.
Wer wird geimpft und gibt es eine Impfpflicht ?
Es gibt keine Impfpflicht. „Die freie Entscheidung ist eine Voraussetzung für eine Impfung“, betont Jonathan Fischer. Schon vor Wochen wurden die Bewohner gefragt. Eine Impfung erhält nur, wer ein Formular ausgefüllt hat. Dabei darf das Einverständnis auch die Betreuungsperson geben. Nach der Aufklärung des Arztes werden die zu impfenden Personen dann noch einmal gefragt. „Zudem werden die Angehörigen laufend informiert“, sagt Helmuth Will. Die Einrichtungen erhalten den Termin spätestens 24 Stunden vorher.
Sind die Impf-Mitarbeiter der Teams geimpft ?
Die meisten ja. „Wir wollen das Problem ja lösen und nicht mitbringen“, sagt Jonathan Fischer.
