Varel/Hamburg - Die Drohkulisse, dass der Flugzeugbauer Airbus und sein Tochterunternehmen Premium Aerotec (PAG) Hunderte von Mitarbeitern vor die Tür setzen, ist nach wie vor da. Aber der jetzt besiegelte Sozialplan verschafft den Betriebsräten sowie der Belegschaft etwas Luft. In der Vereinbarung hat die Geschäftsführung zugesichert, dass betriebsbedingte Kündigungen bis Ende März des nächsten Jahres ausgeschlossen seien.
500 Jobs in Varel bedroht
Dies bestätigte der PAG-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Thomas Busch am Dienstag auf Nachfrage unserer Redaktion. Der Vareler ist auch Mitglied im Airbus-Konzernbetriebsrat und war bei den Verhandlungen dabei. Ins Detail ging er indes nicht. Zunächst werde die Belegschaft unterrichtet. Im Vareler Werk am Riesweg, in dem 500 Arbeitsplätze gestrichen werden könnten, fanden am Dienstag fünf Info-Veranstaltungen statt, am Mittwoch folgen zwei weitere und eine nach den Herbstferien.
In einem Pressegespräch in Hamburg hat sich indes Airbus-Direktor Marco Wagner geäußert, wie die Stellenreduktion ablaufen solle. Dafür gebe es zwei Programme. Erstens: eine Abfindungsregelungen für Beschäftigte bis 58 Jahre und ab 59 Jahre. Zweitens: der Wechsel von Mitarbeitern in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft. Beide Modelle stießen auf reges Interesse in der Belegschaft, so Wagner.
Alternativen gefordert
Thomas Busch bezeichnete das Angebot auf einen freiwilligen Abschied als „ersten Schritt, der Krise zu begegnen“. Ziel des Betriebsrates sei es aber, „einen Ausschluss von betriebsbedingten Kündigen über den März 2021 hinaus zu garantieren“, beschrieb Busch die nächsten Schritte in den Verhandlungen. Er forderte von der Konzernleitung, weitere Alternativen ins Feld zu führen – auch um zu verhindern, dass die Fachkräfte zu anderen Firmen abwandern.
Denn: Betriebsbedingte Kündigungen sind noch nicht vom Tisch. Erst Ende März 2021 wisse Airbus, ob sich ausreichend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum freiwilligen Abschied gefunden haben. Wagner sei aber zuversichtlich, dass das Abfindungsprogramm einen großen Teil zum Sparkurs beitragen könne. „Ich bin guter Hoffnung, dass wir genug Freiwillige finden“, sagte er.
Garantie für Standort
Zudem soll die Kurzarbeit bis Ende 2021 verlängert werden. Der Grund: Die Folgen der Corona-Pandemie, die die Flugzeugbranche in die Krise gestürzt hatte, seien viel schlimmer als befürchtet. „Die Situation hat sich gegenüber dem Sommer noch einmal verschlechtert“, betonte André Walter, Vorsitzender der Geschäftsführung von Airbus Commercial in Deutschland, bei dem Pressegespräch. Zwar gehe er davon aus, dass sich der Bau von kleineren Flugzeugen bis 2022 erholen könnte. Bei den Langstrecken-Jets erwarte er aber keine Normalisierung vor 2025.
Beide Airbus-Manager machten aber in Hamburg deutlich: „Es gibt keine konkreten Planungen, irgendeinen Standort zu schließen.“
