Varel - In der Diskussion um die Zukunft der Airbus-Tochter Premium Aerotec (PAG) stand bislang vor allem das Werk in Varel im Mittelpunkt. Denn: Nach den Plänen von Airbus soll ein neues Tochterunternehmen, die ASA, gegründet werden, in der große Teile der PAG und auch Airbus-Werke aufgehen sollen. Nicht auf der Liste steht: Varel.
Die ASA soll sich vornehmlich mit der Strukturmontage befassen. Das Werk in Varel soll – so die favorisierte Lösung von Airbus – als Einzelteilefertiger bei einem Investor außerhalb des Airbus-Konzerns untergebracht werden. Die Arbeitnehmerseite will Varel und das ebenfalls betroffene Augsburger Werk 4 aber im Konzern halten.
1000 Jobs in Gefahr?
Airbus hält dagegen: Wie Daniel Friedrich, Bezirksleiter IG Metall Küste, am Freitag in einer Online-Pressekonferenz sagte, habe der Flugzeugbauer zuletzt erklärt, dass wenn die so genannte Einzelteilfertigung nicht an einen Investor verkauft werde, sondern im Konzern verbleibe, 1000 Arbeitsplätze abgebaut werden müssten.
Dass die IG Metall jetzt über einen Sozialtarif verhandele, der den Beschäftigten bei einem Jobabbau Sicherheit geben soll, sei auch keine Akzeptanz für den Plan des Airbus-Konzerns, Teile der PAG auszugliedern, so Friedrich. Im Gegenteil: „Wenn der Arbeitgeber das durchsetzt, können wir nur noch für diesen Sozialtarifvertrag streiten.“
Aber Friedrich machte auch klar: Die Einzelteileproblematik, von der Varel besonders betroffen sei, sei nur die Spitze des Eisbergs. „Es geht aber um den ganzen Eisberg.“ Es gehe um die Frage, wie das gesamte Unternehmen für die Zukunft aufgestellt werden soll. „Alle acht Standorte stehen unter dem Druck, für die Zukunft Arbeitspakete zu bekommen“, so Friedrich. Denn um 2030 werden voraussichtlich neue Flugzeugtypen auf den Markt kommen. Ob alle Werke dann an den künftigen Produktionen so beteiligt werden, wie sie es jetzt sind, sei fraglich.
Mehr als Einzelteile
Der PAG-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Thomas Busch widersprach zudem der Darstellung, am PAG-Standort Varel würden nur Einzelteile gefertigt. „In Varel haben wir auch komplexe Montagen für den Eurofighter“, so Busch. Gehe das Vareler Werk tatsächlich an einen Investor, würde es im Bereich Montage aber keine weiteren Aufträge von Airbus geben. Wie ein Investor dann ausreichend Arbeit für die Werke mitbringen soll, sei nicht nachvollziehbar. „Wir sind daher sehr daran interessiert, dass die Zukunft von Varel und dem Augsburger Werk 4 in der ASA gesucht wird“, erklärte Busch.
Dass in der Vergangenheit Stellen abgebaut wurden, falle dem Konzern inzwischen schon auf die Füße, so Airbus-Konzernbetriebsratsvorsitzende Holger Junge. Nachdem die Produktion in der Corona-Krise heruntergefahren werden musste, steige die Nachfrage jetzt wieder. In einigen Bereichen fehle für den Hochlauf aber das Personal.
