Varel - „Wir sind räumlich auf Distanz, aber im Geist sind wir zusammen.“ So lässt sich die Arbeit im Hospiz am Wattenmeer in Varel in der Corona-Krise zusammenfassen, sagen Birgit Seemann, Koordinatorin der Hospizbewegung Varel, und Maik Hinrichs, Leiter des Hospizes. Birgit Seemann sagt: „Die letzten Tage im Leben eines Menschen sollten wie die ersten sein: behütet und begleitet.“ Doch das ist in der Corona-Zeit sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich des Hauses eine besondere Herausforderung.
Leben und sterben gehören untrennbar zusammen, Sterbebegleitung sei somit Lebensbegleitung, erklären die beiden. Diese Grundgedanken der Hospizbewegung prägten den Umgang mit Krankheit, Sterben, Tod und Trauer. „Die meisten Menschen möchten ihre letzte Lebensphase in vertrauter und umsorgter Umgebung verbringen. Deshalb werden sie eigentlich von unseren ehrenamtlichen Helfern regelmäßig besucht“, sagt Birgit Seemann. Zuhören, Gespräche führen, einfach da sein, auch zur Entlastung der Angehörigen: Das geht jetzt nicht mehr. Stattdessen gibt es oft telefonischen Kontakt, teilweise werden die digitalen Möglichkeiten genutzt oder einfach, wie es ältere Menschen von früher her kennen, Briefe geschrieben.
Die Arbeit im Haus der Hospiz- und Palliativarbeit „Am Jadebusen“ muss in der Corona-Krise mit besonderem Augenmaß umgestellt werden, um den Bedürfnissen der Menschen weiter gerecht zu werden und gleichzeitig die Corona-Regeln zu beachten.
Mit gebotenem Abstand gibt es aber auch weiterhin eine häusliche Begleitung. Zwar sind die Trauergruppen auf Eis gelegt, doch es finden Einzelgespräche in der Natur statt. Diese Aufgaben übernehmen nun meist hauptamtliche Mitarbeiter, da viele der ehrenamtlichen Helfer wegen ihres höheren Alters zur Corona-Risikogruppe gehören.
Kim Friedrichs von der Mission-Lebenshaus-Gesellschaft, dem Träger des Hospizes am Wattenmeer, sagt: „Auch im stationären Bereich verzichten wir derzeit auf das Engagement unserer Ehrenamtlichen. Dies ist uns außerordentlich schwer gefallen, denn sie sind ein wichtiger Teil unseres Hauses.“
Im stationären Bereich geht es für die Gäste fast wie gewohnt weiter, allerdings dürfen nur die engsten Zugehörigen ins Zimmer. Besucher aus dem erweiterten Verwandtschafts- oder Bekanntenkreis können aber, einzeln und mit gebotenem Abstand, auf der Terrasse, über die jedes Zimmer verfügt, Kontakt mit den Gästen aufnehmen. Zur Wohnküche, die ein zentraler Ort des Hospizes ist, erhalten momentan nur Gäste und Mitarbeiter Zugang.
„Wir erleben jetzt eine besondere, sehr intensive Zeit“, sagt Hospizleiter Maik Hinrichs und weist darauf hin, dass jeder, der Hilfe sucht, sie auch bekommt. „Ein Ansprechpartner ist immer da.“ Er lobte die Mitarbeiter, die mit vielen Ideen die Sache bewältigen, und dankte den Varelern, die schon etliche selbstgenähte Mund- und Nasenabdeckungen vorbeigebracht haben.
Allerdings macht Corona sich auch mit einem sinkenden Spendenaufkommen bemerkbar. „Da sich das Hospiz teilweise selbst finanzieren muss, sind wir darauf angewiesen“, sagt Maik Hinrichs. Doch auch die publikumswirksamen Veranstaltungen wie das Benefizkonzert oder das Sommerfest mussten abgesagt werden.
