Varel - Eigentlich hatte der Bauingenieur und gelernte Zimmermann Frank Glanert gar nicht vor, ein Buch zu schreiben. Die Arbeit mit dem Thema Fahrrad bearbeitet er bereits erfolgreich auf seinem Blog im Internet (Frankys.Blog). Und auch sonst ist der fast 50-Jährige gut im Geschäft, wenn es um verkehrstechnische Fahrradthemen geht oder um die Ausarbeitung menschenzentrierter Konzepte zum Thema Fahrradmobilität und Radwege.
Mehr als Freizeitvehikel
Doch die in mehr als 20 Jahren gesammelten Erfahrungen in verschiedenen Städten weltweit schrien danach, aufgeschrieben und der Allgemeinheit zugänglich gemacht zu werden. „Mein Buch handelt davon, dass Fahrradfahren total sinnvoll ist“, so Glanert, „In Deutschland fristet das Fahrrad immer noch so eine Freizeitvehikel-Dasein. Man benutzt es, wenn man Zeit hat, Sport machen will oder schlichtweg kein Auto hat. Der Denkfehler ist, dass das Fahrrad nicht in Konkurrenz mit dem Auto steht. Es steht für sich alleine.“
Blick über den Tellerrand
Der gebürtige Vareler beobachtet schon seit seiner frühsten Kindheit, was das Radfahren ausmacht, wie Menschen es im Alltag benutzen und vor allen Dingen, warum so viele in Deutschland es etwa im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nicht benutzen.
„In den Niederlanden zum Beispiel ist das Radfahren ein ganz anderes Erlebnis, weil dort die Radwege von den Autostraßen getrennt verlaufen“, erklärt Glanert, der sich mit internationalen Fahrradkonzepten sehr intensiv beschäftigt, „Man fühlt sich dort viel sicherer, und es passieren auch weniger Unfälle.“
In seinem jetzt veröffentlichen Buch „Life Cycle“ lädt der Autor Leserinnen und Leser ein, die Welt des Fahrradfahrens aus seiner Perspektive mit mehr als 20 Jahren Erfahrung und Erlebnissen zu betrachten. Er hofft am Ende, damit bei jedem Leser einen neuen Impuls zu setzen.
„Der Radverkehr als solches ist als System zu verstehen. Es geht nicht nur um gute Radwege ohne Dellen oder schöne Markierungen. Sondern es geht auch darum, von wo nach wo fährt der Mensch eigentlich, und was braucht er am Ziel?“ Glanert schildert sehr detailliert was es braucht, um ein menschenzentriertes Fahrradkonzept zu planen und umzusetzen. Ebenso wird ein kritischer Blick auf die eigene Fahrradmobilität hier bei uns im Nordwesten geworfen, wo es Glanert zufolge noch ganz viel Luft nach oben gibt.
