Schortens - Die Debatte um eine einseitige Sperrung des oberen Teils der Menkestraße für den Durchgangsverkehr nimmt an Schärfe deutlich zu: Einige der dort ansässigen Geschäftsleute haben nun rechtliche Schritte gegen das Vorhaben angekündigt, außerdem sollen Unterschriften gegen die Pläne gesammelt werden.
Umgehende Umsetzung
Allerdings: Der nicht-öffentliche Verwaltungsausschuss der Stadt Schortens hat am Mittwochabend, im Anschluss an eine lebhafte Diskussion im Ausschuss für Ordnung und Verkehr, mehrheitlich schon die Beschlüsse gefasst: Demnach ist die Abbindung der Straße im Heidmühler Ortskern und die sofortige Auftragsvergabe an das Schortenser Ingenieurbüro IST beschlossen. Ein fester Zeitpunkt, nachdem das alles schon zum 1. Mai passieren soll, habe die Mehrheitsgruppe aus CDU und Grünen aus ihrem gemeinsamen Antrag herausgenommen und stattdessen die „umgehende Umsetzung“ beschlossen. Einzige Terminvorgabe laut Beschluss ist der 15. August. Bis dahin muss alles fertiggestellt und der letzte Stein in den Wendehammer gesetzt und der letzte versenkbare Poller eingebaut sein, sonst wird’s nichts mit der Förderung der N-Bank. Die hat immerhin einen Zuschuss von 230000 Euro aus einem Fördertopf zur Innenstadtentwicklung in Aussicht gestellt. Die restliche Summe wäre der zehn-prozentige Eigenanteil der Stadt Schortens.
Wie berichtet, will die Schortenser Mehrheitsgruppe von CDU und Grünen den etwa 100 Meter langen Menkestraße-Abschnitt zwischen der Oldenburger Straße und dem weiteren Verlauf von Menkestraße und Alte Ladestraße einseitig sperren und so den Durchgangsverkehr unterbinden. Hineinfahren können soll man künftig nur noch von der Oldenburger Straße. Hinaus ginge es dann über einen Wendehammer zurück in Richtung Oldenburger Straße. Versenkbare Poller sollen das Hinein- und Herausfahren aus und in Richtung Menkestraße und Alte Ladestraße unterbinden. Ziel des Vorhabens ist eine Beruhigung des Verkehrs und mehr Aufenthaltsqualität. Janto Just (Freie Bürger) unterstützt das Vorhaben, die SPD/FDP lehnt es ab.
Ein „neuer Pylon“?
SPD-Fraktionschef Udo Borkenstein geht das erstens alles viel zu holterdipolter, zweitens ohne Bürgerbeteiligung und drittens ohne ausreichende Datengrundlage. Wieviel Verkehr hier wann durchfährt sei durch eine Zählung zwar erfasst, aber noch nicht aufgeschlüsselt, sagte Ordnungsamtsleiter Heiko Klein von der Stadt Schortens. Demnach wisse man auch nicht, wer hier nur durchfährt und den Weg von und zur alten B 210 abkürzt und wer hier wirklich das Ärztehaus, die Apotheke, den Kiosk, den Bäcker oder andere umliegende Geschäfte aufsucht. Borkenstein kritisiert die „extreme Eile“, mit der die Mehrheitsgruppe das Projekt umsetzen wolle, von dem letztlich auch niemand profitiere. Mit Blick auf den oft gescholtenen Werbeturm in der Branterei und dessen damals in die Höhe geschnellten Kosten befürchtet Borkenstein: „Wir basteln uns hier ohne Not einen neuen Pylon – nur diesmal einen horizontalen.“
Bürgermeister Gerhard Böhling warb dafür, zugunsten einer gründlichen Beratung und Bürgerbeteiligung notfalls auf die Fördergelder zu verzichten. Die Polizei hatte erklärt, dass eine solche Veränderung der Straße, auf der Tempo 20 vorgeschrieben ist, nicht erforderlich sei. Hier passieren keine Unfälle, außer mal eine Schramme beim Ein- oder Ausparken.
Wem nützt es?
Die Kernfrage ist: Wem nützt das? Wer hat etwas davon? „Wir Geschäftsleute jedenfalls haben nichts davon“, sagen Apotheker Uwe Coordes, Schuhgeschäft-Inhaber Jörg Herms oder auch Kiosk-Betreiber Ulv-Jürgen Henke. Sie befürchten nicht nur Nachteile für den Handel in ihrer Straße und dem näheren Umfeld, sondern auch Erschwernisse für die Lieferverkehre, für Rettungsdienste, für die Kunden.
Und unnötig produzierte Verkehrsprobleme, wo es bisher keine gibt. Durch Umwege, lange Rückstaus und Parkplatzsuchverkehre in den umliegenden Straßen.
Unklar ist, wie die Poller abgesenkt werden und wer dafür einen Code oder Transponder erhalte. Für den Wendehammer müsste zudem ein großer Baum weichen.
