Osterforde/Bockhorn - „Wir kommen jetzt ins ruhige Fahrwasser der schönen Entwicklungsdinge“, sagt die Erzieherin Ina Stigge. Nachdem der Waldkindergarten in Bockhorn im letzten Sommer geöffnet hatte, steht Stigge mit ihrer Kollegin Anna Reets jetzt das zweite Jahr bevor. Vieles hat in dem vergangenen Jahr routiniertere Abläufe erhalten, so berichten die Erzieherinnen. Manches ist aber nach wie vor neu: Anfang des Jahres wurde der Bauwagen rund 300 Meter weiter in das Waldinnere verschoben. Auf dem Gelände um den Bauwagen legen sich die Erzieherinnen mithilfe der Kinder Stück für Stück ihr alltäglich genutztes Gelände an: Ein Sitzkreis für das regelmäßige Zusammenkommen, eine Komposttoilette, ein Sandkasten, eine überdachte Terrasse sowie viele Spiel- und Sitzgelegenheiten. Auch die Infrastruktur wurde kräftig ausgebaut: Stromleitungen, Wege und die Einrichtung des Bauwagens.
Die beiden Erzieherinnen Ina Stigge (hinten) und Anna Reets freuen sich jeden Tag auf ihre Arbeit im Bockhorner Waldkindergarten. Bild: Josepha Zastrow
Josepha ZastrowEntspannte Kinder
„Der Waldkindergarten ist eine hervorragende Alternative zum regulären Kindergarten, das kann man gar nicht vergleichen“, betont Bürgermeister Thorsten Krettek, der sich initial für den ersten Waldkindergarten in Bockhorn eingesetzt hatte. Er kommt gerne zu Besuchen in den Wald. „Die Kinder wirken total entspannt und haben rote Wangen, wenn das Wetter kühl ist“, berichtet er.
Tatsächlich verbringen die Kinder des Waldkindergartens täglich fünf Stunden im Wald. Von morgens 8 bis mittags 13 Uhr, auch bei Regen. „Dabei lernen sie auch, mit welcher Art von Kleidung sie sich am wohlsten fühlen und was sie draußen brauchen“, berichtet die Erzieherin Anna Reets. Wenn allerdings ein gefährlicher Sturm ansteht, verbringt der Waldkindergarten den Tag im Dorfgemeinschaftshaus Osterforde.
Terrain Wald
„Viele Eltern denken zu Beginn, dass der Bauwagen der Kindergarten ist, aber nein: Der ganze Wald mit drei Hektar Fläche ist unser Kindergarten“, stellt Stigge klar. Das Besondere an dem Wald sei es, dass man ihm mit einer besonderen Offenheit begegnen, so die Erzieherinnen: „Es geht darum, sich darauf einzulassen, was die Natur einem vorgibt“, erzählt Reets und berichtet von einem Beispiel: „Heute Morgen hatte sich eine Libelle unter unser Vordach verirrt, die wurde dann erst mal mit unserem Naturkundebuch bestimmt.“
Der pädagogische Schwerpunkt des Kindergartens liegt in der Natur- und Pflanzenkunde, so Stigge. Für manche neuen Kinder gibt es dabei einiges zu lernen, erzählt sie weiter: „Die müssen lernen, den Wald erst mal als Raum wahrzunehmen und das auch ein Stock ein tolles Spielzeug sein kann.“
Beziehungen lernen
„Wir wollen aber nicht nur in der Natur sein, es geht auch darum, das Soziale und Emotionale in den Kindern zu stärken“, sagt Stigge. Die Kinder sind gemischten Alters von drei bis sechs Jahren und haben verschiedene religiöse Hintergründe. Damit die Kinder bei den täglichen Wanderungen in Seh- und Hörweite bleiben können, gibt es sogenannte „Haltepunkte“. Die roten Wollkordeln werden sichtbar an die Bäume geknotet. „Dann können wir manchen Kindern sagen, dass sie vor rennen können, aber nur bis zur nächsten Kordel“, sagt Stigge. Das habe neben der Übersichtlichkeit für die Erzieherinnen noch den weiteren Vorteil, dass auch das Gemeinschaftsgefühl unter den Kindern gestärkt wird: „Es ist wichtig, dass die schnellen Kinder auch Mal rennen können und andere dabei nicht verloren gehen“, betont die Erzieherin.
