Jever - Schade, es hat nicht sollen sein. Fern von jeglicher entspannter Sommerstimmung um die Musikstätten am Kirchplatz und umzu durch den Regen zu wandeln, das hinderte die Musikenthusiasten nicht. Spontan verlegte Kreiskantor Klaus Wedel die Konzerteröffnung in der Kirche. Ein Novum in der Jeverschen Kirchengeschichte, dass der Spielmannszug Jever mit klingendem Spiel in die Stadtkirche einzog.
Das mehr als dreistündige Wandelkonzert ist eine musikalische Bereicherung für die Stadt. Es sprach viele Zuhörer an und bot für fünf Euro Eintritt vielleicht mehr, als so manches wenig frequentiertes und subventioniertes Konzert. Kritiker aus dem Rat, die in Jever Veranstaltungen vermissen, hätten sich an diesem Abend eines Besseren belehren lassen können.
Jever habe mit dem Wandelkonzert „Jever klingt“ einen weiteren Höhepunkt in der musikalischen Stadtkultur gesetzt, so Bürgermeister Jan Edo Albers. Er dankte den zehn jeverschen Musikgruppen für das Mitmachen und forderte dazu auf, dieses Musikerlebnis langfristig in der Stadt zu bewahren. Albers bezeichnete den Besuch als die Gelegenheit, an nur einem Abend ein großes Spektrum der Musik- und Gesangsgruppen zu erleben.
Der Spielmannszug Jever gab ein Ständchen. Dietmar Reck
Musik der ganzen Welt zu hören, das ging beim Wandelkonzert ohne Reiseanstrengungen. Kurz waren die Wege zu den einzelnen Spielstätten. „Hut ab“ war nicht nur der Titel eines Liedes des Schulchors der Paul-Sillus-Schule Jever im Gemeindehaus der evangelischen Kirche. „Hut ab“ auch vor den sangesfreudigen Kindern, die ein energiegeladenes und mutmachendes Konzert boten. Das Jagdhornbläsercorps Jeverland war mit seinen Jagdhornsignalen im Graf-Anton-Günther-Saal nicht zu überhören. Der Posaunenchor Jever, mit Leiter Kreiskantor Klaus Wedel an der Orgel, spielte Bearbeitungen barocker und romantischer Werke für Bläser und Orgel.
Die selten zu hörende Kombination von Blechbläser und Orgel wurde in dem großen Kirchenraum zum facettenreichen klanglichen Hochgenuss. Musik von André Campra und Georg Friedrich Händel bot einen raumfüllenden und festlichen Barockklang. Antonin Dvorak, Hubert Parry und Henry Monk waren die Komponisten der zart schmelzenden, farbenreichen Romantik. Die Mitglieder des modernen Blasorchesters Jever kommen aus mehreren Generationen – von 12 bis 74 Jahren, sagte ihr Leiter Jörg Weißenfels.
Das Jagdhornbläsercorps Jeverland trat mit seinen Jagdhornsignalen im Graf-Anton-Günther-Saal auf. Dietmar Reck
Ein Medlay von den Beatles eröffnete die für alle 20 Minuten vorgegebene Spielzeit von Rock bis Klassik in der Katholischen Kirche.
Das Ensemble Collegium Vocale Jever stellte im Steinsaal seine erstklassigen Stimmen mit bekannten Chorwerken vor. „Blattgold“ mit Frauke, Harland, Dagmar Stephan, Elke Ortmann ließen im „de Mood“ jazzige Töne auf Saxophonen erklingen.
Begleitet wurden sie von Phillip Dehrendoif am Schlagzeug. Frieslands Rock-Pop-Jazz-Chor Chorus LokEmotion, das Gospel-Projekt Jever und der Stadtchor Jever trugen mit ihrer gesanglichen Bandbreite zum musikalischen Genuss bei.
