Wangerland/Carolinensiel - „Wi kam’t tosamen un verstaht uns“ – aver wo lang geiht dat noch mit dat Flegelbeer in`t Jeverland? Is dat bold ut mit: „Dat is de Tied dor packt us weer, denn mööt wi all na’t Flegelbeer“, dat de Mannlüü to’n 140. Mol fiern willt. Dat is vergangen Johr utfallen un van Johr ward’d ok wegen Corona weer nich wat van.
Doch es gibt ein weiteres Problem: Der Nachwuchs fehlt, die Chöre überaltern und es fällt ihnen schwer, auf der Bühne aufzutreten.
So wird es einsam um ein Traditionsfest, das im März 1880 zum ersten Mal gefeiert wurde. Lehrer Hanken, Chorleiter der Oldorfer und Westrumer Sänger, hatte den Männerchor aus Wüppels zum Absingen auf die Hofstelle Garsiens eingeladen. Daraus entwickelte sich ein Gemeinschaftsfest, das als Flegelbeer reihum an jedem zweiten Sonnabend im März von den Männerchören veranstaltet wird.
Unumstößliches „Nein“
„Flegelbeer ist Mannlüüsaak”, doch Männerchöre werden immer weniger. Der Vorstoß, diesen alten Zopf abzuschneiden und sich den Gemischten Chören oder Frauenchören zu öffnen, scheiterte am unumstößlichen „Nein“ von Obmann Bernhard Eden und Aike Brahms und einigen Gefolgstreuen. Doch die Historie beweist: Flegelbeer wurde nach dem letzten Dreschen – von Frau und Mann – auf der Diele gefeiert. Dazu gab es Bier, genannt Flegelbeer.
Ein Rezept, wie es weitergehen soll mit dem Flegelbeeer und der damit verbundenen Wahrung der plattdeutschen Sprache, haben Bernhard Eden und sein Mitstreiter Aike Brahms auch nicht. Edens Wunsch, für Nachwuchs in den Männerchören zu sorgen, erfüllte sich nicht.
Von den Chören aus dem Jeverland ist nur noch Eintracht Waddewarden singfähig. Schon vor Jahrzehnten unterstützten Shantychorsänger den Männergesangverein Horumersiel beim Flegelbeer. Als der Männerchor aufgab, übernahm der Shantychor seinen Platz.
Der Vorschlag von Flegelbaas Hermann Wilken aus Waddewarden, aus dem Flegel-beer einen Kommersabend zu machen, fand bisher noch keine Zustimmung. 1924, so hat er der Chronik entnommen, wurden schon Liedbeiträge sitzend am Tisch gesungen. Das könnte eine Lösung sein, den immer kleiner und älter werdenden Kreis der Sänger zusammenzuhalten.
Für die Flegelbeerobleute Bernhard Eden und Aike Brahms steht fest: sobald die Corona-Verordnung es zulässt, wird ein Treffen mit den Vorständen der beteiligten Chöre anberaumt. Dann soll auch über die Veranstaltungsorte beraten werden. Im Vordergrund stehen der Chorgesang und die plattdeutsche Sprache – und das Motto „Flegelbeer ist Mannlüüsaak“.
Schon 1995 gab es bei der Vorbesprechung des Flegelbeers im „Waddewarder Hof“ eine Diskussion, die Regularien des Flegelbeers der aktuellen Lage und der Zeitentwicklung anzupassen. Damals ging es auch darum, ob Dirigentinnen beim Flegelbeer dabei sein dürfen. Bernhard Eden setzte sich vehement für die traditionelle Männergesellschaft ein, doch es wurde knapp für den Kompromiss gestimmt, dass Frauen ihren Chor dirigieren dürfen, danach aber das Feld den Männern überlassen müssen.
Chorleiterin Gabriele Stolzenburg-Mühr gab dem Carolinensieler Quartettverein mit seinem neuen Liedgut Auftrieb. Trotz der musikalischen Neuausrichtung blieb der Nachwuchs aus, und die Überalterung des Chores setzte sich fort. Der Quartettverein ist mit knapp zehn Männern nicht mehr singfähig – sehr zum Leidwesen von Flegelbaas Heero Becker, der zum Erhalt des Quartettvereins schon vor einigen Jahren zum „Sterbeverbot“ aufrief.
Auch 2021 kein Fest
„Wir können künftig auch kein Flegelbeer mehr ausrichten“, beklagen Quartettvereinsvorsitzender Henry Fremy und Heero Becker. 2020 hatten sie das Traditionsfest in der Middooger Alten Pastorei vorbereitet. Zwei Tage vorher kam das „Aus“ in Form einer Landkreis-Verfügung. Auch in diesem Jahr wird das Flegelbeer ausfallen – zum 2. Mal –, signalisieren die Obleute Bernhard Eden und Aike Brahms. Damit fällt auch die Vorbesprechung mit dem Updrögt-Bohnen-Essen im Februar aus.
„Drinken laaten“, rief Flegelbaas Andreas Tapper noch 2013 recht laut und oft im Sillensteder Hof vor viel Publikum und Sängern. Er schlug dabei kräftig mit dem Flegel auf ein Bierfass. Gesetzt waren die Männerchöre aus Hohenkirchen, Waddewarden, Sillenstede, der Horumersieler Shantychor und der Quartettverein Carolinensiel. Bereits zwei Jahre später, 2015, löste sich der Männerchor „Eintracht“ Sillenstede auf.
