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DLRG-Schwimmkurse im Lockdown Kinder zum Nichtschwimmen verdammt

Rahel Wolf

Wangerland - Es ist Sonntagabend im Hallenwellenbad Hooksiel, am Vormittag waren 50 Kinder im Schwimmkursus der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Wangerland in der Friesland-Therme. Jetzt sind gerade gut 100 Kinder und Jugendliche im Wasser in Hooksiel und verbessern ihre Schwimmtechnik.

Schwimmkurse

Bei der NWZ-Weihnachtsaktion 2020 haben Leserinnen und Leser insgesamt 183 000 Euro gespendet – mit dem Geld werden 2022 Schwimmkurse für Kinder und Jugendliche organisiert und finanziert: Die DLRG-Bezirke Oldenburg Nord – dazu gehören auch das Wangerland und Jever-Schortens – und Oldenburger Land-Diepholz tragen dafür Sorge, dass möglichst viele Kinder sicher schwimmen lernen, sobald die Bäder wieder geöffnet haben.

Marina Schmöckel vom Jugend-Einsatz-Team der DLRG Wangerland achtet auf ihre Schützlinge – ein normaler Sonntag im Winter 2019. „Es ist so schön zu sehen, wenn die Kinderaugen leuchten, wenn sie das erste Mal erfolgreich ein paar Schwimmzüge geschafft haben“, sagt Marina Schmöckel und strahlt.

Das war vor den Corona-Lockdowns.

Auf dem Trockenen

Im Winter 2020/21 ist das Wasser im Hallenwellenbad Hooksiel abgelassen, die Friesland-Therme in Horumersiel ist zugesperrt. Die DLRG Wangerland und ihre zahlreichen Schwimmschülerinnen und -Schüler sitzen auf dem Trockenen.

Das Hallenwellenbad und die Friesland-Therme sind seit März 2020 durchgehend geschlossen. „Seitdem konnten wir nur noch einen kleinen Schwimmkursus für das Bronze-Abzeichen unter den geltenden Abstands- und Hygieneregeln im Freibad Tettens durchführen“, sagt Marina Schmöckel.

Ortsgruppe der DLRG Wangerland

Marina Schmöckel ist Mitglied im Vorstand und zuständig für die Schwimmausbildung bei der DLRG Wangerland.

Die Ortsgruppe der DLRG Wangerland zählt rund 550 Mitglieder – gut die Hälfte sind Kinder und Jugendliche. Vor den Corona-Lockdowns hatte die Ortsgruppe eine sehr gute Jugendarbeit aufgebaut und wurde dann auf Null ausgebremst.

Zwar wird versucht, über Online-Konferenzen zumindest ein Minimum des Vereinslebens aufrecht zu halten – „allerdings fehlen einfach die Sozialkontakte und das Persönliche“, sagt Marina Schmöckel. Denn die Jugendarbeit in der DLRG umfasst viel mehr als das Schwimmtraining. Es gibt gemeinsame Veranstaltungen und die Versammlungen, der persönliche Kontakt ist allen wichtig.

Und während die Schulen in Niedersachsen mit Ach und Krach auf das Distanzlernen via Internet umgestellt haben, bleibt die Schwimmausbildung für Kinder und Jugendliche komplett auf der Strecke. „Das ist fatal für die Küstenkinder“, meint Marina Schmöckel.

Denn die Kinder und Jugendlichen im Wangerland leben nicht nur mit der Nordsee vor der Haustür, sondern auch mit zahlreichen Binnengewässern. Überall um sie herum gibt es Seen, Kanäle, Gräben, Hafenbecken – „wenn ich nicht wüsste, dass meine Kinder sicher schwimmen können, ich wäre sehr in Sorge“, sagt die Hooksielerin.


Das Winterhalbjahr wird traditionell für Schwimmkurse genutzt, denn im Sommer haben die DLRGler Wachdienst an den Stränden; im Winter bringen sie dann den Kindern und Jugendlichen das Schwimmen bei. Nicht so im Winter 2020/21.

Problem verschärft sich

Marina Schmöckel befürchtet, dass der Lockdown die Schwimmfähigkeit der Kinder weiter negativ beeinflusst. „Denn schon vorher hat eine Studie der DLRG von 2017 gezeigt, dass fast 60 Prozent der Zehnjährigen nicht sicher schwimmen können – als sicherer Schwimmer gelten Kinder, die mindestens das Bronze-Abzeichen haben“, sagt Schmöckel.

Jetzt, mit teils seit einem Jahr geschlossenen Schwimmbädern und ausgefallenem Schwimmunterricht – auch das Schulschwimmen liegt auf Eis –, könnte sich die Zahl der Kinder, die nicht sicher schwimmen können, noch erhöhen, schätzt sie. „Und die nächste Badesaison kommt – dann zieht es die Familien wieder ans Meer und an den Badesee.“

Sie bedauert, dass der Schwimmunterricht im Lockdown keinen höheren Stellenwert bekommen hat. „So könnte es nun eine ganze Generation Kinder geben, die nicht sicher schwimmen kann. Wir können nur hoffen, dass wir das nicht an den Zahlen der Ertrinkungstoten in den kommenden Jahren sehen werden.“

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