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Landwirtschaft Im Wangerland Auch Kühe mögen Sonnenblumen gern

Melanie Hanz

Wangerland - Der Anblick war wunderbar: Auf einem Acker an der L 812 in Höhe des Abzweigers Westrum blühten die Sonnenblumen – so mancher Radfahrer hielt in der vergangenen Woche an und schnitt über den Zaun hinweg ein paar Sonnenblumen für zu Hause. Nun ist die Sonnenblumenpracht dahin – der Feldhäcksler hat den Acker abgeerntet.

„Insektenschutz? Pustekuchen!“ klagt Volker K. Prüter aus Hohenkirchen: Er bemängelt, dass die Sonnenblumen gerade erst am Anfang der Vollblüte standen und nun – so seine Vermutung – in der Biogasanlage landen. Der Vogel- und Naturschützer ging davon aus, dass es sich um eine so genannte Blühfläche für Insekten handelt, die nun dahin ist.

Tatsächlich stand auf dem Acker gar keine reine Sonnenblumen-Kultur: Landwirt Ewald Hobbie, der in Strakens 1 einen Biohof mit Milchkühen und Ackerbau bewirtschaftet, hatte dort Grundfutter für seine Tier angebaut.

Sonnenblumen dominant

„Dass sich die Sonnenblumen so dominant entwickelt haben, hat mich selbst überrascht“, sagt der 48-Jährige. Er hatte auf dem Acker eine Mischung aus 69 Prozent Hafer, 15 Prozent Felderbsen, 15 Prozent Sommerwicke und 1 Prozent Sonnenblume ausgesät. Die Sonnenblumen schossen in die Höhe – so wirkte der Acker oberflächlich betrachtet wie ein Sonnenblumenfeld.

Die besondere Saatmischung ergibt eiweißhaltiges Futter für die Kühe, erklärt Hobbie: „Wir Biobauern haben gegenüber den konventionell arbeitenden Landwirten das große Problem, dass unser Grundfutter 4 bis 5 Prozent weniger Eiweißgehalt hat“, erklärt er. Das liege daran, dass in der ökologischen Landwirtschaft kein mineralischer Dünger verwendet werden darf. Hinzu komme, dass die Biokulturen weniger auf Leistung gezüchtet sind und auch dadurch ihr Eiweißgehalt niedriger ist als in konventionellen Kulturen. Doch damit Kühe Milch geben, brauchen sie Eiweiß – und so baut Ewald Hobbie eiweißhaltiges Grundfutter an: Felderbsen, Ackerbohnen und Sonnenblumen.


Futterreserve aufstocken

Zwei Drittel seiner Fläche sind Grünland, ein Drittel Ackerland, auf denen der Landwirt sein Tierfutter anbaut. „Extensive Haltung wie bei uns bedeutet: Weniger Tiere und mehr Fläche“, erklärt er. Der Grund: Der Ökolandbau basiert noch stärker auf Kreislaufwirtschaft als ohnehin auf den Grünlandbetrieben im Wangerland üblich ist. So dürfen Biolandwirte zwar auch Futtermittel zukaufen, die Menge ist jedoch begrenzt – „und wir müssen streng kontrollieren, dass etwa zugekaufte Ackerbohnen als Eiweißlieferant tatsächlich aus ökologischem Anbau stammen“, erklärt Hobbie.

Im vergangenen Jahr, das wie 2018 viel zu trocken war, reichte die von Ewald Hobbie angebaute Fungermenge nicht – „wir konnten zum Glück Grundfutter von einem Biohof kaufen, der aufgegeben hat“, sagt er. Die beiden letzten schlechten Erntejahre sind ebenfalls ein Grund dafür, dass er in diesem Jahr diese Saatmischung mit Sonnenblumen angebaut hat: „Wir müssen die Futterreserven wieder aufstocken.“ Und deshalb ist er froh, dass die Kultur sich so gut entwickelt hat: „Obwohl anfangs der Regen fehlte – die Ernte war sehr gut.“

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