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Aktualisiert vor 9 Minuten.

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NWZonline.de Region Friesland

Sechs Tage lang nackt in der Kälte

23.12.2017

Wangerland „Unbeschreiblich ist der Jammer und das Elend den die so plötzlich und unerwartet hereinbrechende See über die Bewohner brachte“, hält Friedrich Arens fest. Die Situation ist heute nicht vorstellbar.

Weihnachtsflut 1717

In der Christnacht 1717 wurden die Menschen im Nordwesten von der Sturmflut überrascht. 1649 Menschen kamen im Jeverland und Kniphausen ums Leben. Theo Kruse hat sich für die NWZ auf Spurensuche begeben. Bis Samstag, 23. Dezember, berichtet der Jeverland-Bote über die Weihnachtsflut.

Johann Fridrich Janssen, der Pastor aus Neuende, zuvor auch in Pakens, gilt als Zeitzeuge. „Der Zustand vieler Menschen, welche in der Noth sassen, war unbeschreiblich elend. Der größte Hauffe ist fast nackend gewesen und haben auch einige keine Hemde angehabt und haben dennoch 3,4, ja wol 6 Tage ohne Essen und Trinken aushalten müssen. Dass demnach einige die offt eine ziemliche Zeit fast nackend sitzen müssen, von Hunger, Frost, Durst und anderem Elende halb todt, etliche auch in einem Klumpen todt bey einander gefunden wurden.“

In der Herrlichkeit Kniphausen will ein Vater seine zwei kleinen Kindern auf dem Hausboden in Sicherheit bringen. Die hereinrausche Flut reißt die Leiter weg und die Kinder stürzen ins Wasser. „Darauf hin klettert er zwar selber den Boden auf, allein die Frau ist mit noch einem Kinde in der Stuben, um welcher zu helfen, er den Boden suchet aufzubrechen, kann aber nicht, und müssen jene auch ersaufen.“

Gottesdienste zur Weihnachtsflut

Die Wanderausstellung „300 Jahre Weihnachtsflut 1717“ wird bis zum 14. Januar im Weltnaturerbeportal Dangast gezeigt. Anschließend ist sie u.a. vom 17. Januar bis 4. Februar in Cäciliengroden, Gemeindezentrum „Die Brücke“ zu sehen. Es folgen: 7. bis 18. Februar Horumersiel, Paul-Gerhardt-Haus; 21. Februar bis 4. März Wilhelmshaven-Neuende St. Jakobi-Kirche; 7. bis 18. März Wilhelmshaven-Heppens, Kirche.

Mit einer Reihe von Gedenkgottesdiensten erinnert der Ev.-luth. Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven an die Weihnachtsflut vor 300 Jahren. Gedenkgottesdienste
 25. Dezember, 17.17 Uhr, Naturerbeportal Dangast.
 25. Dezember, 10 Uhr, St. Magnus-Kirche Sande
 26. Dezember, 17.17 Uhr, Heppenser Kirche
 29. Dezember, 20 Uhr. Sillenstede, St. Florian
 10. Januar 2018, 19 Uhr, Kirche St. Joost
 28. Januar 2018, 10 Uhr, Kirche Cäciliengroden
 28. Januar 2018, 17 Uhr, Neuende, St. Jakobi-Kirche
 18. Februar 2018, 9.00 Uhr, Horumersiel, Paul-Gerhardt-Haus

„Ein Mann in Oldorffer Kirchspiel, benennt Johann Gerdes, hat sich, nachdem sein gantzes Hauß nebst Weib und Kind verloren, auf einem Baum retiriret, auf welchem er bis in den dritten Tag gesessen, an welchem er endlich vor Kälte erstarret, herunter gefallen und seinen Geist aufgegeben.“

Aus Minsen berichtet Jansen: „Der Mülller Onne Johanssen brachte mit seiner Frau und 5 Kindern ... fünf Tage meist nackend ohne das geringste Essen auf dem Boden zu ... fast unter blauem Himmel, indem die meiste Dachziegel vom Sturm-Wind herunter gerissen waren... und nichts bey sich gehabt als ein Bouteille Brand-Wein und eine Bouteille Regen-Wasser.“

Eine Tragödie ist aus Oldorf überliefert, wo die Ehefrau des Claus Itzken in der Christnacht Zwillinge zur Welt bringt. „Es fehlte diesem armen Leute an allem, was so hoch nöthig war, sonderlich auch an Windeln und Leinwand, die neugeborenen Kinder anzukleiden und zu erwärmen.“ Beide Neugeborenen sterben an Unterkühlung, obwohl der Vater versucht, sie mit seiner Unterhose vor der beißenden Kälte zu schützen.

Aus Kniphausen berichtet Jansen, dass einer Mutter „vor Schröcken und Kälte die Milch ausgeblieben. Die Eltern haben das zarte Kind mit ihrem Speichel geträncket, wie aber auch der nicht häufig genug gewesen, haben die Eltern mit ihrem Urin das Kind erhalten.“

Spurensuche in Minsen, jenem Kirchspiel, das im Wangerland die meisten Toten zu beklagen hat. Chroniken jener Jahre gibt es im Pastorat nicht, wohl aber Sterberegister. Am Tag nach Neujahr 1718 finden sich allein 12 Namen. „Da werde ich noch einmal tief eintauchen. Der Gedenkgottesdienst in Horumersiel will gut vorbereitet sein,“ sagt Pastorin Sabine Kullik.

Wangerooge 1717

Inselchronist Hans-Jürgen Jürgens berichtet in seiner „Wangerooger Weihnachts-Chronik“ im „Inselboten“ 1974:

Zwei Tage vor der „jämmerlichen Wasser-Fluth, welche am 25. Dec. Anno 1717 in der heiligen Christnacht große Teile von Nieder-Teutschland überschwemmte“, war den Wangeroogern ihr Pastor Köppen gestorben. Aber jemand schrieb ins Kirchenbuch: „Anno 1717 ist leyder abermal in der Christnacht um 2 Uhr hier ein sehr hohes Wasser mit schrecklichem Nordwest-Sturmwind gewesen. Er riß die Mauern an der Pastorey, wie auch andere Mauern an hiesigen Häusern nieder. Alles in den Häusern wurde weggetrieben. Um 4 Uhr stand das Wasser an der Schulhauswarf.“

Die Insel blieb wegen ihrer hohen Lage weitgehend von der Sturmflut verschont. In dieser Nacht ertranken jedoch 30 Schafe und vertrieben vier Wangerooger Schiffe.

Die Kirchenbücher jener Jahre sind Zeugnisse des Grauens. Eintragungen über angeschwemmte Leichen finden sich bis weit ins Jahr 1718. Das Kirchenbuch von Berdum im Harlingerland listet bis zum 16. Mai 1718 insgesamt 55 angeschwemmte Leichname auf. In den Sturmflut-Gebieten sollte lange Jahre wirtschaftliche Not herrschen, zugleich mussten unter größten körperlichen und finanziellen Anstrengungen Schäden an Deichen und Sielen behoben werden.

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Kirchengemeinde | Neujahr

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