Wangerland/Wilhelmshaven - Wenn Eike Eilers auf das Thema LNG-Terminal angesprochen wird, schlagen zwei Herzen in seiner Brust. „Als Einwohner des Wangerlandes freue ich mich über die wirtschaftliche Entwicklung und die Chancen, die sich für unsere strukturschwache Region ergeben. Allerdings kann ich noch nicht richtig greifen, was das auch für unseren Tourismusstandort bedeutet. Das darf sich natürlich nicht negativ auswirken, da der Tourismus wichtig für das Wangerland ist. Als Feuerwehrmann sage ich aber auch, wir stehen vor einigen Herausforderungen.“
Eilers ist Gemeindebrandmeister im Wangerland. Und da das LNG-Terminal bei Hooksiel und damit in direkter Nähe zur Gemeinde entstanden ist, sind die Feuerwehren im Wangerland von einer möglichen Gefahrenlage am Terminal direkt betroffen.
Ohne Zusammenarbeit geht es nicht
Begegnen müssen die Feuerwehren diesen Gefahrenlagen allerdings nicht allein. Die Berufsfeuerwehr Wilhelmshaven ist hier gemeinsam mit der Werksfeuerwehr von Vynova federführend. „Uns kommt allenfalls eine unterstützende Rolle zu“, sagt Eilers. Allerdings gilt grundsätzlich, dass keine Wehr allein einem möglichen Vorfall am LNG-Terminal begegnen kann. „Das kann eine Feuerwehr gar nicht leisten“, betont Josef Schun, Chef der Berufsfeuerwehr Wilhelmshaven.
Gefährdungslage nicht großartig verändert
Für den Branddirektor hat sich die Gefährdungslage durch das LNG-Terminal dabei gar nicht großartig verändert. „Wir haben ja den Öl- und Chemiehafen schon länger. Insofern war es nur eine Frage, wie sich das LNG-Terminal in der gesamten Hafeninfrastruktur mit anderen ankommenden Tankern einordnet.“ Für die Feuerwehren bedeute das nicht unbedingt mehr beziehungsweise größere, aber dafür andere Gefahren, so der Feuerwehrchef. So kann sich beispielsweise ausströmendes Flüssigerdgas mit seinen minus 162 Grad als Nebelwand auf dem Wasser schwimmend ausbreiten.
Kaum möglich, einen LNG-Brand zu löschen
Auch die Rohre, durch die das Gas mit rund 100 Bar Hochdruck bis zur Verteilerstelle oberirdisch fließt, bilden ein erhöhtes Risiko. „Da können bei einem Gasaustritt Flammen von bis zu 40 Meter Höhe entstehen, begleitet von einem ziemlich lauten Knall“, sagt Eike Eilers. Er weiß, wovon er spricht, hat er doch erst vor Kurzem mit Kameraden und Kameradinnen der Wilhelmshavener und und der Wangerländer Feuerwehren an einer Übung auf einem Industriegelände in Rotterdam teilgenommen. „Wenn sich LNG entzündet, ist es so gut wie kaum zu löschen“, so Eilers.
Information der Bürger hat Priorität
Eine weitere Herausforderung für die Feuerwehren ist das benötigte Wasser. „Wir bräuchten ungefähr 12 000 Liter Wasser pro Minute, und dieses Wasser muss über lange Strecken an den Einsatzort gepumpt werden“, sagt Eike Eilers. Das kontrollierte Abbrennen sowie der Schutz umliegender Gebäude steht dann im Fokus der Feuerwehren. Höchste Priorität hat für Josef Schun allerdings die Information der Bevölkerung. „Die Leute wissen in einem solchen Fall nicht, was dort passiert. Hier müssen wir gemeinsam mit den Katastrophenschutzbehörden und der Einsatzleitung über Warn-Apps, Sirenen und weitere Kommunikationswege die Bevölkerung informieren.“
Dringend dafür erforderlich sei eine gemeinsame Einsatzleitung mit allen Beteiligen Behörden und Feuerwehren, betont Schun. Denn auch wenn die eigentliche Einsatzleitung bei der Berufsfeuerwehr Wilhelmshaven liegt, müssen sich die unterschiedlichen Akteure in einem Einsatzfall eng abstimmen. Denn sollte es zu einem Vorfall kommen, sehen sich die Feuerwehren aus Wilhelmshaven, dem Wangerland und die Vynova-Werksfeuerwehr gleich mit drei verschiedenen Szenarien konfrontiert. „Zum einen geht es um die Brandbekämpfung direkt an Bord. Da ist natürlich gerade die Besatzung der Schiffe gefordert und dementsprechend auch ausgebildet“, erklärt Schun. Ein weiterer Einsatzort wäre dann direkt am Anleger im Hafen und ein dritter entlang der Rohre.
Die Einsatzleitung und maritime Hilfeleistung läge dann im Aufgabenbereich der Berufsfeuerwehr Wilhelmshaven. „Aber dann sind wir auch schon ausgelastet und ich brauche weitere Kräfte“, erklärt Schun. Die weitere Brandbekämpfung oder der Wassertransport wären dann Aufgaben beispielsweise für die Wangerländer Wehren.
Lange Wunschliste an Ausrüstung
Um diese Aufgaben allerdings erfüllen zu können, bedarf es einer entsprechenden Ausrüstung. „Wir sind ziemlich schnell an den Punkt gekommen, an dem wir festgestellt haben, dass wir für diese Mengen an Wasser, die wir brauchen, gar nicht ausgerüstet sind“, sagt Eike Eilers.
Pumpen, neue Einsatzfahrzeuge, neue Schläuche oder Geräte zum Messen von ausgetretenem LNG stehen daher auf der Wunschliste der Feuerwehren. Zur Erklärung: Das LNG selbst ist als Flüssigkeit sichtbar, verdampft aber bei einem Austritt. Die Wolke, die dadurch entsteht, ist dann weit über die Sichtbarkeit hinaus noch zündfähig. Diese Gaskonzentration (Methan) muss gemessen werden. Festgehalten sind diese und noch weitere Ausrüstungsgegenstände in einem Anforderungskatalog. „Und wir gehen davon aus, dass diesen Forderungen entsprochen wird“, sagt Schun.
Gemeinde investiert 2,9 Millionen Euro in ihre Feuerwehren
Die Herausforderungen, die in Verbindung mit dem LNG-Terminal neu entstanden sind, haben auch Auswirkungen auf die Freiwilligen Feuerwehren der Gemeinde Wangerland.
„Der Rat, die Verwaltung und unsere Feuerwehrleute sind in einem sehr engen Austausch mit dem Landkreis und dem Land, um unsere Feuerwehr in Zukunft so aufzustellen, dass sie ausbildungs,- und ausrüstungstechnisch in der Lage ist, Einsätze an der Anlage zu bewältigen“, sagte Bürgermeister Mario Szlezak beim Neujahrsempfang der Gemeinde. Beim Thema LNG hofft man somit auch finanzielle Unterstützung. Doch auch unabhängig vom LNG-Terminal will die Gemeinde ordentlich Geld für ihre Wehren zur Verfügung stellen.
„Allein für die Feuerwehren der Gemeinde Wangerland beläuft sich das Investment in diesem Jahr auf 2,9 Millionen Euro“, sagte Szlezak. Allerdings sei der Haushalt noch nicht final verabschiedet. „Das ist sehr gut investiertes Geld, um die Sicherheit unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger zu gewährleisten und auch dem Ehrenamt die notwendige Wertschätzung entgegenzubringen“, erklärte der Bürgermeister. Das Geld soll unter anderem für neue Fahrzeuge verwendet werden. Für die Feuerwehr Hohenkirchen soll ein neuer Einsatzleitwagen her, für die Wehr in Neugarmsiel ein Tragkraftspritzenfahrzeug und für die Feuerwehr in Waddewarden ein neues Löschfahrzeug. „Ich hoffe, dass die Fahrzeuge auch alle noch in diesem Jahr ausgeliefert werden“, sagte Szlezak. Zudem sollen alle Feuerwehrleute im Wangerland neue Einsatzkleidung erhalten. „Die alte Kleidung ist schlicht abgängig“, sagte Szlezak.
Zuversichtlich in die Zukunft schauen kann auch die Ortsfeuerwehr Hohenkirchen. Denn hier konnte die Gemeinde in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten einen neuen Standort für ein neues Gerätehaus finden. Das Gebäude soll nun im Gewerbegebiet auf den Flächen von Taxi Friedrichs und der ehemaligen Autowerkstatt von Scholz und Bongers entstehen. Die Planungen sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, sodass der Neubau im Frühjahr 2024 beginnen kann. „Der Einzug muss dann spätestens Ende 2024 erfolgen“, sagte Szlezak.
In den 2,9 Millionen Euro seien auch die Kosten für den Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses in Hooksiel enthalten. Hier ist der erste Spatenstich bereits im vergangenen Jahr erfolgt, die Bauarbeiten seien im vollen Gange. „Wenn alles gut läuft, dann kann die Feuerwehr im Herbst diesen Jahres das neue Gerätehaus beziehen“, sagte Szlezak.
