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Schülerbeförderung Im Wangerland Und Wittmund Wenn der Bus voll ist, bleiben Kinder einfach stehen

Chihuahua Schombel

Wangerland/Wittmund - Marika und Maartje besuchen die Alexander-von-Humboldt-Gesamtschule in Wittmund, sie sind elf und 13 Jahre alt. Die Mädchen fahren zusammen vom Wangerland zur Schule und zurück. Dafür nehmen sie jeden Morgen bis Jever ein Taxi, um dort in den Bus nach Wittmund umzusteigen – auf dem Heimweg genauso.

32 Kinder müssen warten

Doch immer wieder klappt das nicht: So stand die elfjährige Marika schon am ersten Schultag mit 31 weiteren Kindern allein an der Bushaltestelle in Wittmund: Ihre Schwester Maartje hatte es noch in den Bus geschafft, die anderen mussten eine Stunde warten, bis der nächste Bus kam. Der Bus war bis zum letzten Sitz- und Stehplatz besetzt, erzählen sie. „Eine Katastrophe“, findet ihr Vater Timo Ostermann.

Eine seiner Töchter rief ihn an, er war auf dem Weg nach Hamburg. Auch seine Frau Meike Sdunzig, die in Varel arbeitet, konnte Maartje nicht abholen.

Fahrtkosten

Der Landkreis Friesland weist auf seiner Homepage darauf hin, dass in der Schülerbeförderung auch weiterhin die Pflicht zum Tragen einer Maske gilt und das durch das Gesundheitsamt kontrolliert wird. Er empfiehlt, nach Möglichkeit den Schulweg mit dem Fahrrad zu bestreiten, und bietet Erziehungsberechtigten, die ihre (Bus-)Kinder selbst befördern möchten, eine entsprechende Erstattung der Fahrtkosten an:

Der Landkreis Friesland sei verpflichtet, eine sichere Schülerbeförderung zu gewährleisten, meint Ostermann. Marika und Maartje hätten beobachtet, wie einmal ein Lehrer und ein anderes Mal die Polizei die Schüler nach Alter sortiert in den Bus gebracht hätten. Das sei aber nicht Aufgabe von Lehrern oder Polizisten, betont Meike Sdunzig.

Und das Problem mit den überfüllten Bussen bestehe auch nicht erst seit diesem Schuljahr, sondern von Anfang an. „Der Landkreis ist zwar immer sehr bemüht, wenn wir oder andere Familien Unterstützung in der Schülerbeförderung wünschen, aber man weiß nie, was dabei herumkommt“, sagt Sdunzig. Außerdem sei die Kreisverwaltung schlecht für Anfragen zu erreichen.

Mehr Schüler als sonst?

Auf Anfrage bestätigt der Landkreis, was die Töchter von Timo Ostermann und Meike Sdunzig beobachtet und erlebt haben: So seien am ersten Schultag „mehr Schülerinnen und Schüler der KGS Wittmund als sonst“ nach der vierten Stunde aus dem Unterricht entlassen worden – also zu einer Zeit, zu der sonst kaum Schülerinnen und Schüler befördert werden müssen.


„Dieses Mehraufkommen war weder dem Landkreis Friesland noch dem Busunternehmen bekannt. Zur Sicherheit aller musste deshalb ein Teil der Kinder an der Schule auf den nächsten Bus warten“, so der Landkreis.

Das Problem war vor Corona schon einmal Thema in der Klasse: „Da haben sich die Lehrer mit den Kindern zusammengesetzt und ihnen gesagt, ihre Eltern sollten eine E-Mail ans Busunternehmen schreiben – das ist aber auch schon über ein Jahr her“, bedauert Sdunzig.

In Corona-Zeiten beobachten die Eltern mit großer Sorge, dass im Schulbus Abstände gar nicht eingehalten werden können. „Die Busfahrer schauen schon, ob die Kinder eine Maske tragen, können aber nicht ständig kontrollieren. Unsere Töchter erzählten von größeren Jugendlichen, die sich einen Spaß daraus machen, die Masken herunterzunehmen, sobald sie sich unbeobachtet fühlen. Einer von ihnen saß sogar mit einer Zigarette im Mund da, die war natürlich nicht angezündet, aber das war schon ein provokantes Verhalten“, erzählt Sdunzig.

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