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Wenn Der Schal Als Corona-Schutz Dienen Muss Fenna Weller sammelt Spenden für Bolivien

Chihuahua Schombel

Wangerooge/Bolivien/Hamburg - Bolivien – ein Land mit einer vielfältigen Landschaft aus Bergen und Regenwäldern. Aber auch mit Korruption, viel Kriminalität und einem desolaten Gesundheitssystem. Das lernten die Freundinnen Fenna Weller und Viktoria „Viki“ Weiler 2017 hautnah kennen – als Krankenschwestern im Hospital in La Paz.

Mundschutzspende

Love Buzz, eine Nirvana-Coverband, performt am Freitag, 26. Juni, ab 21 Uhr per Livestream für Fans und die Spendenaktion:

Masken- Spendenlink:

Geboren in Jever, aufgewachsen auf Wangerooge, machte Fenna 2011 Abitur in Esens und absolvierte eine Ausbildung zur Krankenpflegerin in Münster. Dann ergriff sie die Chance und absolvierte ein zweimonatiges Praktikum in Bolivien. Zusammen mit ihrer Freundin und Kollegin Viki wollte sie Gesundheitssysteme in anderen Ländern kennenlernen. Land, Leute, Kultur – das ist, was die jungen Frauen sofort in Bann zog.

Der Not entgegenwirken

Das Gesundheitssystem in Bolivien unterscheidet sich stark vom deutschen. Viele Menschen sind nicht krankenversichert. Fenna war zum Beispiel regelmäßig in einem von Spenden finanzierten Krankenmobil unterwegs, um Obdachlose zu behandeln. Diese und andere Erfahrungen haben beide Frauen geprägt – bis heute mögen sie das Land.

Mittlerweile studiert die 28-Jährige „Advanced Nursing Practice“ (APN) in Hamburg. Künftig sieht sie sich in Forschung und Praxis der Intensivpflege. Viki lebt und studiert in Utrecht „Public Health International“ und arbeitet berufsbegleitend als Kinderkrankenschwester. Beiden ist nachhaltige Hilfe in anderen Ländern eine Herzensangelegenheit.

Das südamerikanische Land ist ebenfalls vom Coronavirus befallen, seit 2017 hat sich das Gesundheitssystem nicht verändert. Deshalb riefen Viki und Fenna Montag die Aktion auf der Spendenplattform „betterplace“ ins Leben: „Covid-19 hat extreme Auswirkungen auf das Leben der Menschen in Bolivien. Wir wollen Geld für medizinischer Masken sammeln, um sie den Kolleginnen und Kollegen des Hospitals Arco Iris zukommen zu lassen.“


2017 arbeiteten Fenna und Viki im Hospital Arco Iris (HAI) in La Paz. Der deutsche Pfarrer Josef Neuenhofer gründete das Krankenhaus 2001 und hat noch heute ein wachsames Auge darauf. Neben dem Krankenhaus sind zahlreiche soziale Projekte mit Unterstützung des Vereins Arco Iris entstanden, die vor allem Straßenkindern helfen.

Neuenhofer und zwei Krankenschwestern halten Fenna und Viki auf dem Laufenden halten und brachten Viki auf die Idee, Spenden für Masken zu sammeln. „Ich denke, ich spreche für Viki und mich, wenn ich sage, dass es uns ein Anliegen ist, der Not entgegenzuwirken. Selbst wenn es nur eine ,Kleinigkeit’ ist, wollen wir die Leute dort so gut es geht unterstützen“, sagt Fenna. Sie wollen andere zum Nachdenken bringen und helfen. Denn in der Corona-Pandemie sollen die Pflegekräfte und Ärzte mit keinen oder nur inadäquaten Schutzmaßnahmen arbeiten. Der Vorrat an medizinischen Masken, Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung sei verbraucht, häufig müsse ein Schal als Schutz herhalten.

International helfen

Fenna kann sich Kritik an der Bundesregierung nicht verkneifen: „Die Regierung spricht in dieser Zeit von Solidarität, aber den internationalen Blick hat sie verloren.“ Dabei stehe Deutschland noch gut da trotz teils knapper Ressourcen. Mit Hilfe eines gemeinnützigen Vereins konnten Fenna und Viki zertifizierte Masken erhalten, die bereits in Deutschland gelagert wurden. Ihr Ziel ist, innerhalb eines Monats, also bis Mitte Juli, 16 000 Euro zusammenzubekommen: Damit können sie jeweils 5900 KN95-Masken und chirurgische Masken kaufen und den Transport nach La Paz finanzieren.

Bisher kam das Geld vor allem von Familie und Freunden; die sozial engagierten Freundinnen hoffen, dass sich noch mehr Menschen an der Spendenaktion beteiligen. Bolivien ist aber nun mal nicht in nächster Nähe, da kommen vielleicht Fragen nach dem Verbleib der Masken; dazu sagt 28-Jährige: „Vor Ort werden sich Pfarrer Josef Neuenhofer und der Vorsitzende der Fundacion Arco Iris, Jorge Toledo, um eine gerechte Verteilung bemühen. Wir vertrauen beiden blind.“

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