WANGEROOGE - Gegen 20.30 Uhr gab die Kurdirektion Wangerooge am 16. Februar Katastrophenalarm: Die Orkanflut zerschlug im Westen der Insel das gemauerte Befestigungswerk sie durchbrach vom Süden her den schwachen Deichschutz und brachte für viele Insulaner, die um ihr Leben in der eisigen Flut schwammen, Vernichtung ihrer Häuser und aller Habe.
So berichteteNWZ
-Sonderberichterstatter Willy Hinck am 8. März 1962 rückblickend über die Sturmflut am Abend des 16. Februar, bei der der Gemeindedeich brach und die Westmauer zertrümmert wurde.Der Wangerooger Rudolf Albrecht erlebte die Sturmflut auf der Insel nicht er war Lehrling in Leiners Autowerkstatt in Hohenkirchen. Doch als am nächsten Tag seine Eltern Bescheid gaben, bekam er eine Woche frei und kam zum Helfen auf die Insel.
Für mich als damals 17-Jähriger war die Sturmflut mehr ein Abenteuer, erinnert er sich: Seine Familie wohnte im flachen Gebäude Siedlerstraße 39. Das Wasser stand dort bis unter die Decke, weiß er: Mein Vater hatte meinen damals zehn Jahre alten Bruder gerade noch aus den Fluten herausziehen können er wäre sonst ertrunken, erzählt er.
Die Wohnung war unbewohnbar: Rund 30 Zentimeter hoch lag der Schlamm auf dem Boden, schnell seien die Ratten gekommen. Die Familie Albrecht zog mit dem Wenigen, das durch das Wasser unbeschädigt geblieben war, ins Haus der Tante am Strand. Wir waren für längere Zeit ausquartiert, sagt Albrecht.
Auch der damals sechsjährige Axel Ponath erlebte die Sturmflut nicht auf Wangerooge. Wir wohnten damals schon in Hooksiel aber meine Großeltern Maaß und weitere Verwandte lebten auf Wangerooge. Die Großeltern wohnten im letzten Siedlerhäuschen vor dem flachen Bau der Albrechts. Ich weiß noch, dass die große alte Bibel meiner Großmutter mit viel Golddruck im Wasser gelegen hatte sie war schwer beschädigt, erzählt er.
Er selbst erlebte die Sturmflut auf gepackten Koffern im Obergeschoss seines Elternhauses in Hooksiel: Mein Vater war bei der Feuerwehr und die ganze Nacht unterwegs das Wasser stand in Hooksiel nur eine Handbreit unter der Hafenmauer.
Ich fand das toll ich war ja ein Kind, sagt Ponath. Er erinnert sich gut an den Lederball, den ihm zwei Männer in der Wangerooger Pumpstation bei seinem nächsten Besuch bei den Großeltern geschenkt haben. Der war von der Sturmflut angeschwemmt worden, erfuhr der Sechsjährige. Den Ball habe er lange gehegt und gepflegt
