Schillig/Hooksiel - Es ist Wind – und das ist für Kitesurfer entscheidend: Egal welches Wetter und vor allem welche Temperaturen herrschen. So tummeln sich die Kiter natürlich auch im Januar vor Hooksiel und Schillig auf der Nordsee, während andere Strandbesucher sich dick eingepackt die Mütze ins Gesicht ziehen.
Im böigen Nordwestwind ist Kiten bei solchen Temperaturen knapp über Null Grad nicht ohne Risiken zu genießen, „aber wer sich trotz Kälte und Nässe in die Fluten wagt, wird belohnt – immer!“ sagt etwa Melanie Weinzierl, Kitesport-Begeisterte aus Bayern.
Sonne und Traumstrand
Strandurlaub und Kitesurfkurse werden selten mit Bildern von bewölktem Himmel oder gar grauen Regentagen beworben. Sonne und Traumstrände mit moderatem Wellengang sollen ein wohliges Gefühl vermitteln und Urlauber locken.
„Doch wer einmal bei Sturm auf einem unserer friesischen Deiche stand, der weiß: gerade dann fühlt man sich besonders lebendig und verbunden mit der Natur.“
Ebenso besonders ist auch eine Kitesurf-Session bei diesen Temperaturen. Jedoch nicht ohne Risiko – das wissen die Kiter. Für Kitesurfer sind bei diesem Wetter neben der passenden Kleidung eine genaue Analyse der Wind- und Wetterverhältnisse und eine gesunde Einschätzung der eigenen Fähigkeiten sowie eine Anpassung des Fahrstils an die Gegebenheiten unabdingbar.
Ein dünner „3 mm-Sommer-Neoprenanzug“ reicht zum Kiten im Winter kaum aus, genauso sind natürlich Handschuhe, eine Haube oder Mütze, Schuhe sowie ein Neoprenmantel von Vorteil: Es gilt, den Körper vor dem Auskühlen zu schützen.
Auch sollte man sich bei Winter-Temperaturen in vertrauten Gefilden kiten und besser keine neuen Spots ausprobieren, deren Besonderheiten und Schwachstellen man nicht kennt. Im besten Fall steht das Heißgetränk im Thermobecher auch schon im Auto bereit.
Kälte in den Knochen
„Zwar ist man am Kite und auf dem Surfboard ständig in Bewegung und unter Spannung, muss den oft willkürlich auftauchenden Wellen und anderen Kitern ausweichen und darf auch nicht locker lassen und die Körperspannung lösen, wenn plötzlich eine Böe in den Schirm kracht.“
„Dennoch fühlt man nach einiger Zeit die Kälte in den Knochen und kann von Glück sprechen, wenn der oft eisige Wind die salzigen Tropfen vom Spritzwasser auf dem Gesicht und in den Wimpern nicht gleich gefrieren lässt“, berichtet eine Kiterin.
Für blutige Anfänger ist Kiten bei diesen Temperaturen daher natürlich nicht zu empfehlen. Erfahrene Kiter mit einer gesunden Einschätzung der vorherrschenden Bedingungen haben auch und besonders in dieser Jahreszeit mit fast hundertprozentiger Sicherheit jedes Mal ein gewaltiges Grinsen im Gesicht. Dann nämlich kann man bei so einer Kitesurf-Session wunderbar abschalten.
Kite-Surfer Hooksiel mit Containerschiff
„Im besten Fall gelingt uns Kitern ein kurzer – um die 2 Stunden dauernder – aber intensiver Urlaub aus dem Alltag, dessen Nachwirkungen sich oft noch Tage danach positiv bemerkbar machen“, sagt eine Kiterin.
Für die Wassersportler ist es schlichtweg das „Lebensgefühl“ – ein Gefühl, nach dem viele Kitesurfer ihr Leben ausrichten. „Und dazu gehört ein gewaltiger Respekt gegenüber der Natur und den Naturgewalten.“
