Jeverland/Wittmund - Es ist Teil von Mythen und Sagen, umgibt Geheimnisse, hat in der Literatur und Kunst einen festen Platz und ist auch biologisch enorm wichtig für unsere Umwelt: das Moor. Es ist sogar so wichtig, dass der Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen jetzt einen neuen Leitfaden für die Sanierung der Moorgebiete entwickelt hat. Das Bundesland ist das moorreichste in ganz Deutschland, etwa 38 Prozent der deutschen Moorfläche liegen in Niedersachsen, davon fallen 250 000 Hektar auf die sogenannten Hochmoore. Einige dieser Hochmoore finden sich auch in den Landkreisen Friesland und Wittmund.
Intakte Moore sind bedeutende Lebensräume und beherbergen eine einzigartige Artenvielfalt. Sie filtern das Grundwasser und dienen mit ihrer enormen Wasserspeicherkapazität dem natürlichen Hochwasserschutz. Bei starkem Regen oder Überflutungen saugen sie durch ihre enorme Speicherfähigkeit das Wasser auf und geben es erst langsam wieder an ihre Umgebung ab.
Im natürlichen Zustand sind Moore sogenannte Kohlenstoffsenken und tragen damit aktiv zum Klimaschutz bei. Doch der größte Teil der niedersächsischen Hochmoore wurde für die landwirtschaftliche Nutzung entwässert und damit zerstört. Der über Jahrtausende festgelegte Kohlenstoff wurde dadurch als klimaschädliches Kohlenstoffdioxid freigesetzt. Auch als Lebensraum für eine Vielzahl spezialisierter Arten geht das Moor damit verloren.
Viele kleinere Moore
Eines davon ist das sogenannte „Ewige Meer“, der größte Hochmoorsee in Deutschland, das sich in den Landkreisen Wittmund und Aurich über knapp 89 Hektar (890 000 Quadratmeter) Wasserfläche erstreckt. Dieser Hochmoorsee ist Teil des Naturschutzgebietes „Ewiges Meer, Großes Moor bei Aurich“, das ganze 1290 Hektar (12,9 Mio. Quadratmeter) fasst. Im Jeverland findet sich zwar kein derart großes Gebiet, dafür aber viele kleinere Moore. Zu diesen insgesamt fünf Mooren gehören das Wiedeler, Moorwarfener, Feldhausener, Rahrdumer und Lopsumer Moor, die als Jeversches Moorland Landschaftsschutzgebiet sind. Die drei erstgenannten zählen zu den Hochmooren, das Rahrdumer und Lopsumer zu den sogenannten Niedermooren.
Der Nabu Niedersachsen hat jetzt im Sinne der Erhaltung der Moore ein neues Sanierungskonzept und einen neuen Leitfaden erarbeitet. „Eine Sanierung von Hochmooren ist aus Klima- und Naturschutzgründen notwendig“, sagt Holger Buschmann, Landesvorsitzender des Nabu. Denn die Gesamtheit der für Landwirtschaft genutzten Moorböden setze jährlich etwa 53 Millionen Tonnen an Treibhausgasen frei. „Dies macht ungefähr ein Drittel der jährlichen Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft in Deutschland aus“, heißt es im Leitfaden. Deshalb will der Nabu eben jene Moorgebiete renaturieren und zu einer Kohlenstoffsenke entwickeln, die mehr Kohlenstoff aufnimmt und speichert, als abgibt.
Bei einer Hochmoorsanierung spricht man von der Renaturierung von zuvor entwässerten und landwirtschaftlich genutzten Hochmooren. „Und nicht die Wiedervernässung von bisher trocken gelegten Mooren“, erklärt der Nabu-Landesvorsitzende. Als Renaturierung wird die aktive Wiederherstellung eines möglichst natürlichen Zustands bezeichnet. Diese kann allerdings auch Komplikationen mit sich bringen. „Bei bestimmten landwirtschaftlichen Vornutzungen sind zu viele schädliche Rückstände im Boden“, erklärt Janina Voskuhl, Landwirtschaftsökologin der staatlichen Moorverwaltung. Das können zum Beispiel bestimmte Pflanzenschutzmittel oder Dünger sein.
Langer Prozess
Aber wie lange dauert es, bis so eine Renaturierung erfolgreich abgeschlossen ist? „Sichtbare Erfolge können sich je nach Begebenheiten bereits innerhalb weniger Jahre zeigen“, heißt es seitens des Landkreises Friesland. Aber: „Man muss auf jeden Fall viel Geduld mitbringen“, sagt Voskuhl. „Wir müssen uns klar machen, dass einige der Moore teilweise über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende gewachsen sind.“ Eine echte Wiederherstellung sei deshalb nicht mal eben in ein paar Jahren möglich. „Für ein richtig gewachsenes Hochmoor, mit allen Arten und allem was dazu gehört, brauchen wir mehrere Generationen. Das kann mehrere Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte dauern, gerade bei landwirtschaftlicher Vornutzung.“
