Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Frank Walther restauriert Winicker-Villa in Varel Er bewahrt das Erbe seiner Familie

Frank Walther im Treppenhaus seiner Villa.

Frank Walther im Treppenhaus seiner Villa.

Traute Börjes-Meinardus

Varel - Er hat viele Tonnen Bauschutt bewegt, hat jede historische Holzschraube gerettet und die Farbschichten von Wänden, Türen und Beschlägen beseitigt: Zusammen mit vielen Handwerkern und Restaurateuren hat Frank Walther drei Jahre lang die Villa seiner Vorfahren an der Bahnhofstraße in Varel restauriert. Jetzt erstrahlt die prächtige historistische Villa in neuem Glanz und liefert ein Zeugnis für die Wohnsituation einer erfolgreichen Unternehmerfamilie zu Beginn des 20. Jahrhunderts – und das jetzt sogar gemäß dem Energiestandard „KfW-Effizienzhaus Denkmal“.

Führungen ausgebucht

Am Tag des offenen Denkmals am 10. September bietet Frank Walther Führungen in kleinen Gruppen durch sein Haus an. Alle drei Führungen sind mittlerweile ausgebucht, eine spontane Teilnahme ist nicht möglich.

Die Villa befindet sich auf einem parkähnlichen Grundstück der vom Erbauer der Villa im Jahre 1887 gegründeten Maschinenfabrik Winicker & Lieber, die auch heute noch als Familienbetrieb in der vierten Generation Schneidemaschinen für Heil- und Aromapflanzen sowie für Tabakprodukte herstellt und vertreibt. Die Firma agiert weltweit und ist Marktführer für derartige Guillotineschneidemaschinen. Auch die heutigen Schneidemaschinen basieren auf dem Patent des Firmengründers Rudolf Winicker.

Rudolf Winicker konnte seine Villa bereits zwölf Jahre nach der Gründung der Maschinenfabrik und Eisengießerei bauen. Sie ist ein Zeugnis des raschen wirtschaftlichen Aufschwungs damaliger Industriebetriebe und der sozialen Stellung erfolgreicher Fabrikanten um 1900.

Weiter Weg

Bis dahin war es ein weiter Weg. Mehrere Jahre war die denkmalgeschützte Villa nach dem Tod seines Vaters Gerold Walther unbewohnt, bis sich Frank Walther daran machte, sie restaurieren zu lassen. 1899 hatte sein Urgroßvater Rudolf Winicker, Gründer der Maschinenfabrik Winicker & Lieber, das prächtige Anwesen im Stil des Neubarock und Neurenaissance erbauen lassen. Dabei hat er sowohl an der Fassade als auch im Inneren nicht an Bauschmuck gespart.

Davon zeugen geschmiedete Dachverzierungen, ein repräsentatives Familienwappen an der Fassade neben der Haustür, ein großzügiger Eingangsbereich mit Zierverglasung und sowohl barocke als auch im Stil des Art decó gestaltete Deckengemälde, mehrere repräsentative Kachelöfen, Stuckelemente, Parkettfußböden, Terrazzo-Böden, Türen mit Rahmenverzierungen, ein Wintergarten als Schmiedeeisen- Glaskonstruktion und ein kleiner Springbrunnen an der Straßenfront.

Viel Eigenleistung

In den mehr als 120 Jahren wurde das Haus immer von der Familie bewohnt, in Ehren gehalten und gepflegt. Auch wurde die Raumstruktur nicht verändert und so verfügt das Haus auch heute noch über ein großes Maß an Originalsubstanz.

Diese zu erhalten, war Frank Walther sehr wichtig, als er 2020 begonnen hat, die Villa sanieren zu lassen. Und das mit enorm viel Eigenleistung, gepaart mit Perfektionismus und dem Ziel, das Erbe seiner Vorfahren zu bewahren. An sie erinnern nicht nur viele Fotos und historische Dokumente, sondern auch der Flügel im Salon, an dem seine Mutter Ilse Walther gerne bei offenem Fenster musizierte.

Wie in diesem Prunkstück des Hauses wurden in allen Räumen neue originalgetreue Fenster eingesetzt, die Böden, Wände und Decken saniert, wobei Frank Walther viel Wert darauf gelegt hat, den Originalzustand zu bewahren oder zumindest kenntlich zu machen. So gibt es an den weiß gestrichenen Türen und Wänden Aussparungen, die zeigen, wie sie Ende des 19. Jahrhunderts farblich gestaltet waren. Mühsam hat er an Türen, Wänden, Fußleisten, Fensterbänken und Fensterbeschlägen mehrere Farbschichten soweit abgeschliffen, bis nur noch die erste Originalfarbe übrig blieb.

Auch die drei prächtigen Öfen wurden aufwendig von einem Fachbetrieb instandgesetzt.


Kein Museum

Für Wärme sorgt jedoch mittlerweile moderne Haustechnik und eine innenliegende Dämmung der Außenwände. Dass sich Frank Walther, seine Partnerin Claudia Apmann und die beiden Kinder auf den 250 Quadratmetern Wohnfläche wohlfühlen und kein musealer Charakter entsteht, dafür sorgt zudem die moderne Einrichtung.

Geschickt wird Moderne mit Historie verbunden, etwa in der Küche, wo die weißen Hochglanz-Fronten auf eine dunkle Wand mit Resten vom Originalanstrich treffen, im Gäste-WC, wo alte blaue Fliesen mit neuen korrespondieren, oder im Salon, wo moderne Strahler das imposante barocke Deckengemälde ins rechte Licht rücken.

Selbst entworfen

Und wenn es nichts Passendes zu kaufen gab, hat Frank Walther es eben selbst entworfen und gebaut wie die verschiebbaren Pendellampen über dem großen Esszimmertisch. Andere Elemente wie eine historische Schiebetür hat er im Internet gefunden und so integriert, dass ersichtlich bleibt, dass sie nachträglich eingebaut wurden und es sich um kein original Bauelement der Villa handelt.

Auch wenn das Haus mittlerweile seit einigen Monaten wieder bewohnt ist, ist immer noch viel zu tun. So muss der Wintergarten mit seiner Stahl-Glaskonstruktion noch saniert werden und auch viele alte Familienfotos sowie historische Möbel, Kronleuchter, Dokumente und historische Schätze der Familien- und Firmengeschichte sollen noch im Haus integriert werden.

Möchten auch Sie Ihr Haus im Gemeinnützigen vorstellen? Egal, ob alt oder neu, wir freuen uns, wenn Sie uns einen Einblick in Ihr besonderes Haus gewähren. Melden Sie sich doch bitte unter Telefonnummer 04451/99882500 oder per E-Mail unter red.varel@nwz.medien.de bei uns oder kommen Sie in der Redaktion an der Schlossstraße 7 vorbei.

Traute Börjes-Meinardus
Traute Börjes-Meinardus Redaktion Varel
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Podcast
Verlässt im Sommer den VfB: Marcel Appiah

NEUE FOLGE NORDWESTKURVE Warum der VfB Oldenburg seine Verjüngungskur vorantreibt

Lars Blancke Sarom Siebenhaar
Oldenburg
Haben das Demokratiefest am 11. Mai in Schortens aus Sicherheitsgründen abgesagt: die Veranstalter (von links) Detlef Kasig, Axel Homfeldt und Wolfgang Ottens.

SICHERHEITSGRÜNDE Veranstalter sagen Fest für Demokratie in Schortens ab

Jever
Da hofften sie noch auf ein buntes Familienfest (von links): die Initiatoren von „Rock durch die Mitte“ Detlef Kasig (SPD), Axel Homfeldt (CDU) und Wolfgang Ottens (Grüne).

DEMOKRATIE-FEST IN SCHORTENS ABGESAGT Initiatoren sehen Sicherheit am 11. Mai gefährdet

Jeversches Wochenblatt
Schortens
Mit der Legalisierung von Cannabis für Erwachsene wird auch Jugendlichen suggeriert, dass Kiffen in Ordnung ist.

DROGENKONSUM BEI JUGENDLICHEN Die Reifung von Hirn und Emotionen bleibt beim Kiffen auf der Strecke

Anja Biewald
Oldenburg
Die Baskets Oldenburg um Alen Pjanic (links) können in der Tabelle klettern. Vechta und Wes Iwundu fehlen noch ein Sieg im Playoff-Rennen.

BASKETBALL-BUNDESLIGA Das ist für Baskets Oldenburg und Rasta Vechta noch drin

Niklas Benter
Oldenburg