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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Erinnerungen: Als 15-Jähriger mit Gewehr Wache gehen

30.04.2013

Bockhornerfeld Es ist, als wenn die Tiefflieger jeden Moment wieder über dem Horizont auftauchen. Wenn Erich Theilsiefje aus Bockhornerfeld und sein Freund aus Moorwinkelsdamm über ihre Zeit im Volkssturm erzählen, wird die Vergangenheit lebendig. Heute sind sie 83 und 84 Jahre alt, damals, im April 1945, waren sie 16- und 15-jährige Jungs. Ihre Aufgabe: Den Ansturm der alliierten Truppen in der Gegend zwischen Goehlriehenfeld, Jührdenerfeld und Moorwinkelsdamm aufhalten. Gemeinsam mit Leuten, „die so alt waren wie wir heute“. Ein dritter der Jungs, Herbert Frerichs, lebt nicht mehr, so sind die beiden die letzten aus dem Volkssturm im Bockhorner Süden.

Zu zweit Wache gehen

Erst einmal mussten sie Wache gehen in der Moorgegend, um abgeschossene feindliche Piloten zu melden, die mit dem Fallschirm gelandet waren. Immer ein junger und ein alter Volkssturmmann zusammen, damit die Jungs keinen Mist mit den Gewehren machten. Dann wurden sie vom Ortsgruppenführer angewiesen, Panzersperren anzulegen. Erich Theilsiefje weiß noch genau, wo die sechs Meter langen Eichenstämme in den Boden gerammt wurden, auf drei Straßen zwischen den Dörfern.

Die Panzer rollten aus Richtung Westen und Süden heran. Doch die Sperren wurden gar nicht gebraucht, deutsche Soldaten hatten in den Straßen Bomben gezündet, große Löcher waren entstanden: „Die Panzer drehten wieder um, es wurden Flugzeuge bestellt, die unsere Gegend bombardierten.“ Immerhin, in Eggeloge soll ein Panzer mit der Panzerfaust abgeschossen worden sein, erzählen die beiden.

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Es war eine ungemütliche Zeit rund um Moorwinkelsdamm: „Die Deutsche Marine schoss mit Schiffskanonen aus Wilhelmshaven bis in diese Gegend, die Amerikaner mit Panzern und Artillerie von Halsbek aus.“ Und dann die Tiefflieger. Ein Opfer: Der sogenannte Dönitz-Zug, benannt nach des Führers Stellvertreter, ein Wehrmachtszug, der als Stabsquartier diente. Den erwischte es direkt im Bahnhof von Moorwinkelsdamm: „Viele Tote gab es damals“, wissen die Volkssturm-Leute. Immer wieder war der Zug Ziel von Tieffliegern, auch, nachdem er längst als Wrack auf dem Abstellgleis stand. Ein Bauernhaus nach dem anderen geriet durch den Beschuss in Brand. Dafür wurde ein Panzerspähwagen in Grabstede auf der Hauptstraße per Mine in die Luft gejagt, erzählt Theilsiefje: „Da, wo heute das Vereinsheim der Musik- und Showband steht.“ Die feindlichen Piloten nahmen sich nach Aussage der Zeitzeugen sogar die Milchwagen vor, weil sie die Kannen gut erkennen konnten. Und natürlich die Kühe auf den Weiden. Die Bäume und Büsche links und rechts der Westersteder Straße standen damals noch nicht, die Tiefflieger hatten freie Sicht auf alles, was sich bewegte.

Und plötzlich – war der Krieg aus. Telefon, Radio, Fernsehen gab es nicht, die Nachricht verbreitete sich rasend schnell von Mund zu Mund. Erich Theilsiefje und sein Freund vom Volkssturm legten die Gewehre weg und gingen einfach nach Hause auf die elterlichen Bauernhöfe, sie harrten der Dinge, die da kommen mochten. Das waren die amerikanischen, englischen, polnischen Truppen: „Jedes Haus wurde umzingelt, auf der Suche nach deutschen Soldaten, nach Schnaps und nach anderen Vergnügungen.“ In Goehlriehenfeld gab es Rabatz, als die Gewehre des Schützenvereines gefunden wurden. In der Nachbarschaft in den Dörfern wohnten NSDAP-Leute: „Die haben vorher ihre Adolf-Hitler-Sachen im Osterfeuer verbrannt, die Hakenkreuze an den Giebeln der Häuser wurden überputzt.“

Bombenlöcher auffüllen

Auf Anweisung der neuen Befehlshaber mussten die Bauern aus der Gegend die Bombenlöcher in den Straßen auffüllen mit allem, was sich gerade fand: „In ein Loch wurde ein ganzer Lastwagen geschoben“. Eines dieser Löcher war jüngst bei der Sanierung der Grünenkamper Straße wiedergefunden worden. Für Erich Theilsiefje und seinen Freund bleibt neben den sehr lebhaften Erinnerungen aus April und Mai 1945 die Erkenntnis: „Krieg – da braucht sich keiner nach zu sehnen. Wer das nicht erlebt hat, kann sich nicht vorstellen, wie das war.“

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