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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Als in Kranenkamp noch das Bier floss

03.06.2017

Bockhorn Auf dem Kamp standen drei schöne, uralte Eichen, der Name der kleinen Ortschaft, die sich dort ansiedelte, war damit klar: Kronenkamp (de Kron upn Kamp), benannt nach der prachtvollen Krone, die die drei Bäume zusammen bildeten. Im Laufe der Jahre entstanden im Ort drei Bierbrauereien und eine Branntweinbrennerei. Ein Krahn, der zum Ausschenken der Getränke benutzt wurde, sorgte schließlich für die Namensänderung: Krahnenkamp, später schließlich Kranenkamp. Ein Ort benannt nach seinen alkoholischen Erzeugnissen – so will es zumindest die Legende.

Tatsächlich wurde der Ort wohl eher beim Eindeutschen in den Behördenumgang in Kranenkamp umbenannt. Bekannt wurde der Ort aber tatsächlich eher für, das, was die Dorfbewohner dort brauten und brannten.

Sicher ist, dass der Oldenburger Graf 1559 in Kranenkamp eine Mühle bauen ließ. Das ganze Kirchspiel musste dort nun sein Getreide mahlen lassen. In der Folge siedelten sich dann wohl auch die Brauereien und die Brennerei an. Denn wo Korn gemahlen wird, kann man es auch brennen – oder eben Bier damit brauen.

Was am Ende in den Fässern landete, wurde dann per Pferdewagen nach Oldenburg gebracht oder verschifft – wenn auch nur bis nach Butjadingen oder ins Jeverland.

Zu den Kranenkamper Brauereien gehörte auch die Brauerei Sagebräu. Sie wurde seit 1769 von der Familie Sagemüller bewirtschaftet und war eine der ältesten Brauereien Nordwestdeutschlands. Begründet wurde sie von Johann Anton Sagemüller, der aus Neuenburg nach Kranenkamp kam, um dort eine Müllerei und eine Brauerei zu eröffnen. Das Geschäft blühte, allerdings sorgte etwa die so genannte Franzosenzeit, als Napoleon über weite Teile Europas herrschte, auch für Rückschläge im Brauereigeschäft der Sagemüllers. Ebenso die Sturmflut von 1825.

Als Christoff Sagemüller den Betrieb übernahm, rückte die Brauerei immer mehr in den Vordergrund. Sein Nachfolger Heinrich Sagemüller ging sogar dazu über, anstelle des einfachen obergärigen Bieres auch noch Lagerbier herzustellen. Das wiederum schmeckte den Leuten so gut, dass es der Brauereifamilie jede Menge Wohlstand und Anerkennung brachte.

In den 1960er Jahren war es zumindest mit der Kranenkamper Brauereigeschichte dann aber zu Ende. Der Brauereibetrieb wurde eingestellt. Allerdings gab es an der Stelle noch eine Gaststätte, wo sich die Gäste ihr Bier schmecken ließen, auch wenn es kein Sagebräu mehr war.

Das alte Brauereigebäude vermoderte zusehends. Auf dem Gelände entstand sogar selbstständig ein Feuchtbiotop. Der Anblick der alten Gebäude stellte für immer mehr Anwohner zusehends eine Verschandelung des Ortsbildes dar.

Vor ziemlich genau 20 Jahren tat sich dann etwas. Zwei private Investoren wollten aus dem Brauereigelände ein Wohngebiet machen. Die Pläne kamen beim Rat gut an und der Weg für das Wohngebiet wurde freigemacht. Schließlich rollten in Kranenkamp keine Bierfässer mehr, sondern die Abrissbagger.

Die Brauereiausstattung wurde übrigens verkauft. Nur die alten Teile, die nicht mehr verkauft werden konnten, können heute noch im Jever besichtigt werden. In Kranenkamp erinnert heute noch die Sage-Bräu-Straße auf dem ehemaligen Brauereigelände an die lange Brauereigeschichte der Ortschaft.

Christopher Hanraets
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2504

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