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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Altem Hafen auf der Spur

20.01.2012

JEVER Eisiger Wind fegt über den Woltersberg in Jever. Das Bodendenkmal liegt neben der Landesstraße 812 Richtung Hohenkirchen an der nördlichen Stadtgrenze Jevers.

Der Archäologe Ingo Eichfeld trägt eine blaue Strickmütze, Handschuhe und Gummistiefel. „Es gibt kein schlechtes Wetter, man muss sich nur richtig anziehen“, brüllt er über das Heulen des Windes hinweg. Regentropfen sammeln sich auf seiner silbernen Nickelbrille. Auch das Leben eines Forschers kann manchmal ungemütlich sein, meint er und lacht. Ingo Eichfeld sucht am Woltersberg nach einem alten Hafen. Dafür nimmt er auch das ungemütliche Wetter in Kauf.

Gemeinsam mit den Grabungstechnikern Jens Lühmann und Dirk Dallaserra vom niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven untersucht er mit einem hochsensiblen Geomagnetikwagen den Boden. Er schiebt den Wagen in geraden Bahnen über die Wiese, Meter für Meter. Zur Orientierung werden Felder mit einer Fläche von 50 mal 50 Metern abgesteckt. „Pro Feld brauchen wir etwa eine Stunde“, erklärt er.

Mit dem Gerät messen die Experten Magnetfelder im Boden, die ihnen Hinweise auf alte Befestigungen, Feuerstellen oder Priele geben können. Die Messdaten werden später am Computer konfiguriert und zeigen ein bis zu zwei Meter in die Tiefe reichendes Profil des Untergrunds.

Heute liegt der Woltersberg mitten im Binnenland, früher so vermuten die Forscher, soll es hier aber einen Hafen gegeben haben. „Für den Woltersberg gibt es verschiedene Theorien“, sagt Ingo Eichfeld. Die Vermutung, dass sich in unmittelbarer Nähe des Woltersbergs ein Hafen befunden haben könnte, gründet sich auf Erkenntnisse, die die Forscher bereits jetzt über die frühere Burganlage besitzen, die einmal auf dem Woltersberg gestanden haben soll.

Bei Bohrungen südöstlich der Anlage fand man in einer Tiefe zwischen 1,5 und 2,6 Metern ein Prilsediment. „Dort befand sich vermutlich ein Priel, der wohl bis zu den weiter westlich gelegenen, südlichen Ausläufern der ehemaligen Crildumer Meeresbucht reichte“, so Eichfeld. Daher vermutet er einen alten Hafen in der Nähe des Woltersbergs. Auch Funde von rheinischer Keramik aus dem 10. bis 13. Jahrhundert deuten darauf hin, dass die mittelalterliche Burg auf dem Woltersberg ein Handelsplatz war, und stützen so Eichfelds Hafentheorie. Sicher ist, dass es an der alten Schlachte direkt in Jever einen Hafen gab. Ingo Eichfeld meint, es könnte vom Woltersberg aus eine Wasserverbindung zur Schlachte bestanden haben.

Die Messungen bei Jever sind Teil eines Projekts, in dem nach mittelalterlichen Hafenstandorten entlang der gesamten südlichen Nordseeküste gesucht wird. „Sollten wir wirklich Hafenanlagen finden, dann könnte es auch zu Ausgrabungen kommen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg“, so Eichfeld.

Bisher kamen auf dem Feld mit Hilfe des Hobby-Archäologen Heino Albers aus Schortens vor allem alte Eisenstücke – etwa Hufeisen oder Stacheldraht – zum Vorschein. Albers spürte sie mit einem Metalldetektor auf und sammelte sie ein, um das Messergebnis des Geomagnetikwagens nicht zu verfälschen.

„Derjenige, der den Wagen bedient, darf übrigens auch kein Metall am Körper tragen – auch das führt zu Messfehlern“, erklärt Ingo Eichfeld.

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