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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Auf der Spur einer Geißel des Mittelalters

11.04.2014

Jever Lepraspalten, sogenannte Hagioskope, haben als stumme Zeugen einer bewegten Vergangenheit in Kirchenmauern aus Backsteinen seit dem Mittelalter die Jahrhunderte überdauert. Für das Seelenheil der Menschen war es damals unerlässlich, an der Messe teilzunehmen. Darum wurden für Leprakranke, damals Aussätzige der Gesellschaft, Sichtfenster in die Kirchen gebaut – der Eintritt war ihnen verwehrt. Darüber berichtete jetzt die Historikerin Ingeborg Nöldeke aus Schortens in der Vortragsreihe des Jeverländischen Altertums-und Heimatvereins im Graf-Anton-Günter-Saal in Jever.

An Beispielen von 45 Backsteinkirchen auf der ostfriesischen Halbinsel hat die Hobbyhistorikerin Indizien dafür gefunden, dass es im Gebiet zwischen Emden und Wilhelmshaven im Mittelalter die Lepra-Krankheit gab, die Betroffene von der Gesellschaft ausschloss. So sind die Lepraspalten in den Kirchen heute die letzte Erinnerung an diese Seuche, die nur noch mit Ländern wie Indien und Afrika in Verbindung gebracht wird.

Für die Aussätzigen waren die Öffnungen so angelegt, dass sie von außen auf „das Heilige schauen” und den Altar und die dort vom Priester vollzogenen Handlungen als Ausgeschlossene vom Kircheninneren sehen konnten. Die Dorfgemeinschaft wollte mit der Errichtung von Seitenaltären und der Aufstellung der heiligen Gebeine und Reliquien eine Wiedergutmachung erreichen. Ingeborg Nöldeke zog daraus den Schluss, dass die Reichen im Dorf auf diese Weise ihr eigenes Seelenheil retten wollten und dies versuchten mit dem zusätzlichen Einbau größerer Seitenfenster erkauften.

Seit vier Jahren arbeitet Nöldeke daran, diese religiöse Relikte für die Nachwelt zu erforschen, weil es nur wenige Kirchengemeinden in der Region gibt, die Sachkenntnis dieser historischen Zeugnisse aus der Vergangenheit haben. Im Jeverland sind Lepraspalten in den Kirchen in Sandel und Sande und im benachbarten ostfriesischen Eggelingen noch ersichtlich.

In der Kirche in Roggenstede ist die Lepraspalte sogar recht groß. In anderen Gotteshäusern ist sie hingegen nur schmal, so dass diese Öffnungen auch Schielfenster heißen. Es gibt Spalten, die nur eine Schmalseite des Backsteins breit sind, berichtete die Hobbyhistorikerin, die ihren Vortrag mit Bildern von Backsteinkirchen mit den charakteristischen Lepraspalten und zusätzlichen Seitenfenstern ergänzte. In einigen Kirchen sind diese historischen Erinnerungen heute inzwischen wieder freigelegt und mit Informationstafeln ergänzt worden.

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