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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Aus fremden Landen auf heimische Felder

30.03.2017

Varel /Bockhorn Der Ärger war ihr in der Stimme anzumerken. „Gibt es einen Gülle-Tourismus nach Dangast?“, fragte eine Bürgerin während der Sitzung des Umweltausschusses der Stadt Varel am Dienstagabend Bürgermeister Gerd-Christian Wagner. Der Hintergrund: „Immer wieder sehe ich Trecker mit einem Güllefass und holländischem Kennzeichen in den Ort hinein- und wieder rausfahren.“ „Diese Gerüchte habe ich auch gehört“, antwortete Wagner: „Aber beweisen kann ich es nicht. Ich bitte deshalb um weitere Hinweise.“

Generell ist es zulässig, Mineraldünger zu transportieren, sagte Jelko Djuren, Sachbearbeiter im Düngerecht bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit Sitz in Oldenburg: „Gülle ist ein frei handelbares Gut.“ Dabei sei es egal, ob der Dünger aus dem In- oder Ausland kommt. „Holländische Gülle unterliegt der Genehmigung nach einem komplizierten Regelwerk“, erläuterte Djuren.

Zahlen und Fakten

Auf Frieslands Äckern und Weiden landen pro Hektar 165 Kilogramm Stickstoff. Rund 90 000 Rinder und 36 000 Schweine liefern jährlich 1,3 Millionen Tonnen Gülle. Dazu kommen etwa 100 000 Tonnen Gärreste aus 18 Biogasanlagen. Die Entsorgung will geregelt sein. Dafür gibt es eine Güllebehörde bei der Landwirtschaftskammer. Und an diesem Freitag wird im Landtag die Gülleverordnung neu formuliert. Sie könnte in einem halben Jahr in Kraft treten. Der Sicherheitsabstand zu Gewässern wird von drei auf vier Meter vergrößert, mit platzierter Ausbringetechnik lasse sich der aber auf einen Meter verringern. Doch dieser Meter bis zum Böschungsoberrand müsse eingehalten werden, sonst droht ein Bußgeld. Bis an die Grüppen, den kleinen Entwässerungsgräben mitten im Land, lasse es sich auf zehn Zentimeter herandüngen. Gelangt aber Gülle über die Grüppen direkt in die Nordsee, „ist das ein Straftatbestand“, sagt Jelko Djuren von der Landwirtschaftskammer. Neue Dünge-Sperrfristen gibt es jetzt auch für Mist vom 15. Dezember bis 15. Januar. Die Folge: Landwirte müssen mehr Lagerraum vorhalten.

Wichtig sei nur, dass die Obergrenze für die Ausbringung von Gülle nicht überschritten wird. „Im Durchschnitt dürfen nicht mehr als 170 Kilo Stickstoff pro Hektar und Jahr ausgebracht werden“, so der Experte. Das besage die Nitratrichtlinie der Europäischen Union.

„Es wird Gülle exportiert, auch nach Friesland. Das bringt Bewegung in den Pachtmarkt, geeignete Flächen für die Ausbringung von Gülle werden noch knapper“, sagte Jelko Djuren am Dienstagabend bei einer Informationsveranstaltung in Bockhorn. „Bürger sehen Sattelzüge mit Gülle – wir wollen aufklären“, sagte Jochen Meier vom Landkreis Friesland, der den Abend organisiert hatte. Dennoch: „Die Stadt Varel zähle nicht zu den Zentren des Gülle-Tourismus’“, beruhigte Jelko Djuren.

Gülle bringt Nitrat in die Böden. „Noch sind die Daten gut, aktuell kann jeder seinen Tee locker trinken. Doch die Werte gehen in die Höhe, da muss noch viel geforscht werden“, betonte Jochen Meier. Ein Zuhörer in Bockhorn fragte nach Antibiotika aus Gülle im Grundwasser. Djuren antwortete: „Das Problem ist erkannt. Der Einsatz von Antibiotika ist insgesamt rückläufig, aber auch hier besteht Forschungsbedarf.“

Mit der Verschärfung der Düngeregeln kommt einiges auf die Bauern zu. Sollte die Verordnung so wie geplant umgesetzt werden, müssen sie für jeden Schlag (zusammenhängende Stücke von Ackerland) den Stickstoffbedarf schriftlich festhalten. Ein Landwirt brachte es auf den Punkt: „Da entsteht ein gigantisches Bürokratiemonster.“

Ein weiteres Problem bei der Gülle-Ausbringung: es stinkt. In einem Antrag an den Vareler Umweltausschuss forderte Wolfgang Half deshalb ein Verbot der Düngung von Freitag bis Sonntag. Doch dafür sei die Stadt nicht zuständig, betonte Justiziarin Gisela Wilksen. Hergen Eilers (CDU), selbst Landwirt, mahnte zur Besonnenheit. Die Stadt sollte nicht bemüht werden: „Ich wünsche mir, dass man miteinander über die Tage der Gülleausbringung redet.“

Wie belastet die Böden in Varel sind, sollen auf Vorschlag von Leo Klubescheidt (Zukunft Varel) die Messerwerte des Vareler Wasserwerkes zeigen. „Da sollten wir ran“, unterstützten ihn Rudi Böcker (BBV) und Hannelore Schneider (SPD). Ein entsprechender Antrag soll an den Fachausschuss gestellt werden. „Wir haben kein Problem mit Nitrat in Friesland“, sagte Axel Neugebauer (Zukunft Varel), Mitglied des Kreis-Umweltausschusses. Das Grundwasser sei vielmehr durch die Versalzung gefährdet.

Olaf Ulbrich Redaktionsleitung Varel / Redaktion Friesland
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