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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

MENSCHEN: Aus Sizilien in die Schmiede im Wald

27.12.2008

OBENSTROHE „Wenn du eine Zukunft haben willst, dann musst du woanders hingehen", hatte der Vater zu Josef Bontempo gesagt. Das war 1964 in Tusa/Sizilien gewesen. Der Pfarrer hatte auch gewusst, wo es eine Zukunft für den damals 16-Jährigen gab, der damals Giuseppe gerufen wurde. Giuseppe Bontempo fuhr nach Calambrone in der Nähe von Pisa, dort gab es ein Ausbildungszentrum für Metallberufe. Pisa war weit weg von zu Hause, Giuseppe hatte Heimweh: „Ich habe mich nicht ganz getraut“, sagt Bontempo (60), der in Obenstrohe lebt und von allen Josef oder Jupp gerufen wird. Er ist eines von fünf Geschwistern der Familie. Ein Jahr später bewarb sich Giuseppe Bontempo erneut in Calambrone und wurde genommen.

Bontempo wurde Fräser, ein Facharbeiter wie er in Deutschland gesucht wurde. Die Firma VFW Fokker trat an das Ausbildungszentrum heran, sie suchten für ihre „Schmiede im Wald“ Fräser aber auch Dreher. Auf ihren Wunsch hin wurde die Ausbildung spezifiziert. Giuseppe konnte nun Metall fräsen und drehen. Er unterschrieb einen befristeten Arbeitsvertrag über zwei Jahre für VFW in Varel. Am 26. Mai 1966 traf Bontempo in Varel ein. Zunächst wohnte er mit 64 anderen italienischen Gastarbeitern im Haus Birkenfeld, wo während des Krieges eine Krankenstation eingerichtet war und nun in Vierbettzimmern die Facharbeiter aus Italien wohnten.

Lange hielt Bontempo es nicht in der Gemeinschaftsunterkunft aus. Er zog in eine Wohnung in Varel, die er mit einem anderen VFW-Arbeiter aus Italien teilte. Bald lernte er eine junge Varelerin kennen, Gerlinde, die seine Deutschkenntnisse verbesserte.

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Die zwei Jahre vergingen, einige der italienischen Kontraktarbeiter waren nach Italien zurückgekehrt, andere blieben in Varel, wechselten den Arbeitsplatz, zum Beispiel zur Maschinenfabrik Heinen, andere machten sich mit italienischen Restaurants oder Eisdielen selbstständig. Nur Giuseppe blieb, wurde jetzt Josef gerufen oder eben Jupp. 1969 verlobte er sich mit Gerlinde, 1971 heiratete das Paar, das zwei Kinder – eine nun 25 Jahre alte Tochter und einen 20jährigen Sohn – hat. Und 1976 wurde das Haus im Engenweg bezogen, wo in der Nachbarschaft andere VFW- beziehungsweise MBB-Kollegen wohnten. Josef Bontempo hat alle Namenswechsel der Firma mitgemacht: Von VFW zu MBB, zu Airbus, zu Daimler-Benz Aerospace, zu Daimler-Chrysler Aerospace und wieder zurück zu Airbus. Und jetzt wird Josef Bontempo für die verbleibenden vier Monate seines Arbeitslebens auch den aktuellen Namenswechsel und Betriebsübergang auf Premium Aerotec mitmachen. Im April wechselt er in die Ruhephase der

Altersteilzeit.

32 Jahre seines Berufslebens hat er an der Fräse gestanden, die letzten zehn Jahre arbeitete in der Montage. Und die Aufs und Abs im Flugzeugbau bei Airbus hat Josef Bontempo auch alle erlebt. Der erste war 1976 die Krise um den VFW-Fokker-Jet 614, der erste in Deutschland hergestellte Jet nach dem Kriege überhaupt. Bontempos hatten gerade das Haus im Engenweg gekauft: „Gottseidank ist es gut gegangen.“ Die nächste Krise ist mit dem Namen Dolores verbunden – und wieder ging das Vareler Werk aus der Krise gestärkt heraus. „Das war heftig, aber es ging wieder aufwärts“, sagte Bontempo. Statt eines Arbeitsplatzabbaus nahm die Mitarbeiterzahl sogar leicht zu. Und schließlich „Power8“, dessen Pläne für Varel ab Sommer 2006 durchsickerten: Geplanter Verkauf. Wieder Arbeitskampf, lähmende Ungewissheit – und schließlich die Erleichterung für die Belegschaft. Josef Bontempo hatte wie viele befürchtet, dass es nun wirklich schwer würde, den Standort zu halten. „Ich will hoffen, dass die rosigen

Zeiten bleiben – für die Kollegen.“ Und dann fügt er verschmitzt hinzu (in Anspielung an Fußballtrainer Giovanni Trappatoni nach einem schweren Spiel des FC Bayern München): „Ich habe fertig“.

Namenswechsel und mehrere schwere Krisen hat Bontempo bei Airbus erlebt

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