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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Wenn der Nachbar die Hecke nicht stutzt

21.06.2018

Bockhorn „Einmal“, sagt Günter Hochfeldt, „da hatten wir einen ganz gravierenden Fall. Da hat sich jemand Ochsenfrösche für seinen Gartenteich besorgt, und die sind erstaunlich laut.“ Ja, das sind sie wohl. Und das hat dem Nachbarn gar nicht gepasst. Wenn sich die Parteien eines Streits um Froschgequake, Hundegebell oder Rasenmähermotorengebrüll nicht unter sich einigen können, landen solche Fälle oft beim Schiedsgericht.

Geduld und Verstand

Die Schiedsleute der Gemeinde Bockhorn, Günter Hochfeldt und Klaus Wenzel, haben dann die Aufgabe, den Streit zu schlichten. Und das ist nicht immer leicht.

Wer meint, er könne mit einem Nachbarschaftsstreit direkt vor Gericht ziehen, der irrt: „Anwälte sind mittlerweile dazu verpflichtet, solche zivilrechtlichen Streitigkeiten erst vors Schiedsgericht zu bringen. So soll verhindert werden, dass die Gerichte unnötig überlastet werden“, sagt Günter Hochfeldt. Er ist seit zehn Jahren Schiedsmann der Gemeinde Bockhorn, sein Compagnon heißt Klaus Wenzel.

Die Ehrenamtlichen haben sich mit allerlei Seminaren und Fortbildungen zu Mediatoren ausbilden lassen, so dass sie in der Lage sind, jedem noch so festgefahrenen Streit mit Geduld und Objektivität zu begegnen. „Gleich zu Beginn meiner Zeit als Schiedsmann hat ein Seminarleiter zu mir gesagt: Denken Sie daran, es ist nicht Ihr Streit, sondern der der beiden Parteien.“ Wenn man das erstmal verinnerlicht habe, rege man sich in schwierigen Fällen nicht über das Verhalten der Streithähne auf, sondern versuche, mit gesundem Menschenverstand zu schlichten.

Anke Emken vom Ordnungsamt der Gemeinde Bockhorn, die für das Schiedsgericht zuständig ist, sagt: „Wir appellieren an die Menschen, aufeinander Rücksicht zu nehmen und füreinander Verständnis aufzubringen. Es ist ja schon ein Unterschied, ob jemand, der in Vollzeit berufstätig ist, einmal sonntagvormittags den Rasen mäht, oder ob ein Nachbar jeden Abend laut Musik aufdreht.“ Toleranz und Rücksichtnahme seien die Stichworte.

Doch das beherzigen viele Menschen nicht – so die Erfahrung von Günter Hochfeldt und Klaus Wenzel. „Manchmal sage ich den Leuten: Überlegen Sie, ob Sie wollen, dass sich der Streit jetzt so hochschaukelt, denn vielleicht werden Sie noch zwanzig oder dreißig Jahre Tür an Tür wohnen.“

Bei einigen Streitigkeiten gibt das Niedersächsische Nachbarrechtsgesetz klare Regeln vor: Gehölze dürfen zum Beispiel eine bestimmte Höhe nicht überschreiten, und die ist abhängig vom Abstand zur Grenze. Bei einem Abstand von nur 25 Zentimetern zur Grenze etwa darf eine Hecke 1,20 Meter hoch sein, bei drei Metern Abstand darf sie auch 15 Meter hoch sein.

Laub gehört niemandem

Wenn das Laub vom Baum des Nachbarn auf mein Grundstück fällt, gilt: Laub gehört niemandem – es muss der wegmachen, der sich auf seinem Grundstück daran stört. Bei zuviel Hundegebell aber muss der Hundehalter etwas unternehmen, das ist auch gesetzlich geregelt.

Das Nachbarrechtsgesetz ist voll mit Regeln und Vorschriften, für jede Kleinigkeit gibt es einen Paragrafen. doch klar ist auch: Wenn sich zwei Nachbarn auf Gesetze berufen müssen, um miteinander auszukommen, ist das keine gute Nachbarschaft. „Es ist wichtig, dass die Menschen erst miteinander reden, bevor sie zum Schiedsamt oder zu einem Anwalt gehen“, sagt Günter Hochfeldt. Denn wenn man miteinander redet und einander Verständnis entgegenbringt, ließen sich oft gute Lösungen finden – und das auch bequem bei einem Bierchen am Gartenzaun.

Sandra Binkenstein
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2506

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