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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Mahnung zu Wachsamkeit

22.12.2017
Die Deichverbände als Nachfolger mittelalterlicher Deichgenossenschaften sind für den Küstenschutz in ihrem Gebiet verantwortlich. Der III. Oldenburgische Deichband mit Sitz in Jever schützt mit seiner fast 60 Kilometer langen Deichstrecke von Harlesiel bis Dangast ein Gebiet von rund 50 000 Hektar. In seinem Einzugsgebiet leben 180 000 Menschen. Vorsteher des Deichbands ist der Landwirt Eilt-Onno Garlichs (Bassens/Jever).
Frage: Jahrestage sind stets auch Erinnerungstage. Der 25. Dezember ist ein solcher Tag. Hat die Katastrophe von 1717 in der heutigen Zeit noch Bedeutung?
Garlichs: Das unsagbare Elend vor 300 Jahren können wir uns heute nicht ausmalen. Es gab keine Sturmflutvorhersage, keine Regeln für den Katastrophenfall und keine Warnsysteme. Die Not der Menschen war apokalyptisch. Jahrestage von Sturmfluten mahnen uns deshalb ständig, an der Küste wachsam zu bleiben.
Frage: Deichbrüche gab es schon vorher und auch in späteren Jahrhunderten. Müssen wir auch in der Gegenwart damit rechnen?
Garlichs: Für den III. Oldenburgischen Deichband kann ich sagen, dass wir sehr gut dastehen. Nach Abschluss der Erhöhung des Elisabethgrodendeichs ist die Nordflanke des Jeverlandes für die nächsten 100 Jahre nach menschlichem Ermessen geschützt. Die nächste große Baumaßnahme ist die Deckwerk-Erneuerung am Voslapper Seedeich. Und dann geht es im Bereich des Heppenser Seedeiches noch um Erhöhungen. Und wir bauen heute bessere Deiche, die wirkungsvollere Profile aufweisen, als in früheren Jahrhunderten.
Frage: Um das Jahr 1600 benötigte man 32 Kubikmeter Boden für einen Meter Deich, der drei Meter hoch war. Heute sind mehr als 300 Kubikmeter Klei bzw. Sandkern erforderlich, um einen Seedeich von 8,50 Meter Höhe zu bauen. Wie geht’s weiter?
Garlichs: Kosten und Aufwand für den Deichbau sind natürlich immens gestiegen und es wird zunehmend schwerer, deichfähigen Klei zu gewinnen, Stichwort Wangermeer. Man muss sich aber vor Augen halten, dass durch unsere 60 Kilometer Hauptdeiche Sachwerte in Höhe von rund 60 Milliarden Euro geschützt werden. Da sind drei Millionen Euro für einen Kilometer Deichverstärkung vergleichsweise wenig. Zudem wird der Küstenschutz komplett vom Bund und Land finanziert. Unsere Mitgliedsbeiträge wendet der Deichband dagegen für die Deichunterhaltung (z.B. Teekbeseitigung oder Deichpflege durch Schafherden) auf. Zukünftig wird entscheidend sein, wie rasch sich der Klimawandel fortsetzt. Aktuell gehen Forscher von einem Meeresspiegelanstieg von drei bis vier Millimetern pro Jahr aus. Das macht 40 Zentimeter in 100 Jahren. Das könnten wir verkraften. Weiter mag ich nicht in die Zukunft schauen.

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