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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Was 1962 die Deichbauer gelehrt hat

10.09.2018

Elisabethgroden Als der Ausbau am Elisabethgrodendeich 1995 startete, drückte der heute verantwortliche Baudirektor des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) Kai Wienken noch die Schulbank und schrieb sein Abitur. „Deswegen bin ich umso dankbarer, dass ich nun als Teil der Küstenschutzfamilie den Abschluss der Bauarbeiten feiern kann“, sagte er beim Festakt des III. Oldenburgischen Deichbands zum Abschluss der Erhöhung und Verstärkung des Elisabethgrodendeichs am Freitag.

Wienken nannte einige Zahlen, die das Ausmaß der Baumaßnahme verdeutlichen: in acht Bauabschnitten wurden 1,8 Millionen Kubikmeter Klei verbaut. „Das sind etwa 120 000 Lkw-Ladungen. Die Laster legten gut 2,4 Millionen Kilometer zurück. Das entspricht der Strecke 60-mal um den Erdball oder dreimal zum Mond und zurück.“

Dabei stammt der meiste Klei – gut 1,3 Millionen Kubikmeter – aus der Entnahmestelle bei Hohenkirchen – heute das Wangermeer mit einer Fläche von ca. 110 Hektar. 0,4 Mio. Kubikmeter Klei wurden aus dem Deichvorland entnommen, 0,1 Mio Kubikmeter von anderswo.

Teekräumweg fehlte

Nötig war die Baumaßnahme, weil ein Teekweg entlang des Außendeichs fehlte und das Abräumen des Teeks – bis zu 60 000 Kubikmeter im Jahr – nur schwer oder gar nicht möglich war. „Im Zuge dessen hat man sich auch gleich den Deich angesehen und festgestellt, dass er sowohl außen- als auch binnendeichs zu steil ist“, erklärte Wienken. Zudem hatte er „Unterbestick“, das bedeutet, dass der Deich nicht so hoch war wie er sein sollte. „Er hatte damals so um die sieben Meter, das sind teils bis zu einem Meter Unterbestick“, sagt Wienken.

Nach der schweren Sturmflut 1962, der die Deiche auch im Wangerland nicht standhalten konnten, waren die Deichbauer alarmiert. „Und eine zu steile Deichböschung wie am Elisabethgrodendeich hat sie nervös gemacht“, sagte Wienken. Und die Deichbauer hatten aus den Ereignissen 1962 gelernt: Nämlich dass ein Deichverteidigungsweg enorm wichtig ist und dass flache Böschungen besser funktionieren.

Heute hat der Deich flachere Böschungen sowohl außen- als auch binnendeichs und ist zwischen achteinhalb und neun Metern hoch. „Das führt dazu, dass Sturmfluten heute keinen Schaden mehr verursachen, auch wenn sie teils stärker ausfallen als die von 1962“, so Wienken.

So eine Sturmflut war die „Allerheiligenflut“ 2006 – die schlimmste Sturmflut seit 1906 und damit auch schlimmer als die von 1962 – an die sich auch Frieslands Landrat Sven Ambrosy noch erinnert. „Dass diese Sturmflut kaum jemandem im Gedächtnis geblieben ist, liegt nur daran, dass wir starke und sichere Deiche haben“, betonte er. „Ohne Deiche gäbe es die ostfriesische Halbinsel nicht“, sagte er.

Er forderte ebenso wie zuvor Umweltminister Olaf Lies (SPD) mehr Mittel und einen schnelleren Zeitplan für den Küstenschutz. „Das ist nichts, was wir aufschieben können“, betonte auch Lies. Deswegen müssten die Menschen an der Küste ein deutliches Signal senden. „Wir sind noch lange nicht fertig“, betonte er. Er forderte einen Fonds mit 1 Milliarde Euro für den Küstenschutz für die nächsten zehn Jahre.

Dank an Medernser

Der Deichbau im Elisabethgroden sei ein Riesen-Erfolg und gutes Beispiel dafür, dass „man den scheinbaren Widerspruch zwischen Küstenschutz und Naturschutz aufbrechen kann“, so Lies.

Mehrfach war bereits die gute Zusammenarbeit zwischen dem III. Oldenburgischen Deichband, dem NLWKN und den Natur- und Umweltschutzverbänden sowie der Nationalparkverwaltung Wattenmeer gelobt worden.

Ein großes Dankeschön ging auch an die Medernser und die Tengshauser, die acht Jahre lang den Kleiabbau und damit unzählige Lkws auf ihren Straßen, allen voran auf der Kreisstraße 87, ausgehalten hatten. „Die Notwendigkeit des Deichbaus war uns Anwohnern bekannt“, sagte Wilke Harms-Janßen aus Mederns. Letztlich sei alles gut gelungen, das sei aber einigen wenigen sehr Engagierten zu verdanken.

Rahel Wolf
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965312

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