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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Erste Fahrt führt ins Ungewisse

30.11.2013

Wangerooge „In Brake hat das Seefahren Tradition: Entweder fährst du zur See, oder du machst gar nichts.“ Gerd Huber lacht und man merkt: Für ihn kommt das „Nichtstun“ auf keinen Fall in Frage. Dieser Seemann hat schon viel erlebt.

Mit 18 Jahren wurde Gerd Huber Ingenieur-Assistent in Bremen. 1958 fuhr er das erste Mal als Maschinist zur See. In seinem Seefahrtsbuch sind alle Daten gesammelt – sein Name und auf welchem Schiff er fuhr. Das Datum ist allerdings nicht eingetragen: „Auf unbestimmte Zeit“ heißt es dort. „Man könnte sagen, es war eine Fahrt ins Ungewisse“, erklärt der heute 73-Jährige. „Bevor ich anfing, wusste ich nie genau, wohin und wie lange wir überhaupt fahren.“

Der einzige Anhaltspunkt: Westküste Süd. Irgendwann fragte er den Kapitän, was das überhaupt heißen soll. „Na, Westküste Südamerika“, entgegnete der. Ungefähr drei Monate lang war Gerd Huber dann unterwegs. Durch den Panamakanal ging es zu Häfen in Chile. Regelmäßig bekam er Zettel, auf denen die nächste Station stand, und so konnte Gerd Huber seine Mutter per Brief wenigstens über das nächste Ziel informieren.

Seine Aufgabe auf dem Schiff war, die Maschinen am Laufen zu halten. Und das hat ihm auch am meisten Spaß gemacht. „Alles hing an unserer Arbeit. Wenn etwas kaputt war, dann mussten wir es selbst reparieren. Wir nahmen alles auseinander oder schweißten etwas zusammen“, erzählt er.

Taufe am Äquator

Eines ist Gerd Huber ganz besonders im Gedächtnis geblieben: die so genannte „Äquatortaufe“. Das ist ein Ritual unter den Seemännern, das eigentlich nicht besonders angenehm ist. Der Täufling wird dabei kopfüber ins Meer getaucht und muss Abbitte bei Neptun leisten. „Aber irgendwie gehört das einfach dazu“, meint Huber Gerd. Er selbst hat es 1960 hinter sich gebracht und dafür auch eine Urkunde erhalten. „Rotbarsch“ lautet sein Taufname.

Auf die Frage, ob ihm auch etwas Gefährliches zugestoßen ist, nickt der Seemann sofort: Bei einem Aufenthalt in Liberia wurde angekündigt, dass Königin Elisabeth II. kommen sollte. Aus Sicherheitsgründen mussten alle Schiffe den Hafen verlassen. Nur von dem Schiff, auf dem sich Gerd Huber befand, musste noch entladen werden und er blieb somit vor Ort.

Mit einem Freund versuchte er dann aber auch einen Blick auf den Adel zu erhaschen und sogar Fotos zu machen. Doch leider wurden die beiden dabei erwischt. „Vielleicht hielten sie uns für Spione oder so etwas“, erzählt Gerd Huber, denn sein Freund musste tatsächlich mit einem Mann mitgehen. Als sein Kapitän schon die Botschaft informieren wollte, wurde sein Freund aber glücklicherweise doch frei gelassen.

Auch wenn sein Freund nicht viel Englisch verstand, eines konnte deutlich gemacht werden: Er war kein Spion, sondern nur ein Hobby-Fotograf.

Baumwolle fängt Feuer

In einer Ecke seines Hauses hat Gerd Huber Bilder von den Schiffen hängen, auf denen er gefahren ist. Transportiert wurde damals vieles: zum Beispiel Hunderte von Schafen oder zwei große Giraffen. Das war etwas ungewöhnlich, doch viel gefährlicher wurde es bei einem Transport von Baumwolle. Die wie Heuballen zusammengebundenen Haufen fingen Feuer. Zunächst machte die Besatzung den Laderaum provisorisch dicht, um die Sauerstoffzufuhr zu unterbinden. Bis letztlich aber alles gelöscht werden konnte, dauerte es noch sehr lange.

Bis 1968 war Gerd Huber auf großer Fahrt. Danach kam er nach Wangerooge und fuhr auf dem Schiff zwischen Harlesiel und der Insel. War das nicht eine große Umstellung? Gerd Huber verneint: Er sieht alle Erlebnisse als Abschnitte in seinem Leben – jeder einzelne von ihnen war für den 73-Jährigen richtig. Sogar, als er sich später manchmal ohne Schiff aufs Wasser wagte: Nur auf einem Surfbrett umkreiste er die Nachbarinsel Spiekeroog.

Beim Abschied fällt ihm noch etwas ein: Früher segelte er oft zusammen mit seiner Familie: „Ich erinnere mich genau. Du warst noch ein Baby und lagst bei deiner Mutter im Arm.“ Doch das ist eine andere Geschichte...

Antje Brüggerhoff Agentur Hanz / Redaktion Jever
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