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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Plan für die Zukunft der Kavernen

06.06.2019

Etzel Was passiert langfristig mit den Kavernen für die Speicherung von Öl und Gas in Etzel? Diese Frage beantwortet der neue Rahmenbetriebsplan, den die Betreibergesellschaft Storag Etzel dem Landesbergamt vorgelegt hat. Das war Thema in der Sitzung des Kavernenbeirats am Mittwoch. In dem Plan erklärt die Storag, wie sie sich die Zukunft der Kavernen bis zur Stilllegung vorstellt. Und diese Vorstellungen sind durchaus kreativ.

Die Nachfrage nach Lagermöglichkeiten für Erdgas und Erdöl ist im Moment gering. Im Gespräch mit der NWZ sagte Bereichsleiter Joachim Schweinsberg, dass es bereits drei Ölkavernen gibt, die zur Zeit gar nicht genutzt werden, sondern mit Sole gefüllt sind. „Das liegt daran, dass der Ölpreis konstant auf einem moderat hohen Niveau bei 60 Dollar pro Barrel liegt.“

Im neuen Rahmenbetriebsplan enthalten sind neben den bestehenden 75 Kavernen auch 24 Kavernen, die bereits genehmigt sind. Die Mietverträge über die bestehenden Kavernen laufen noch 25 bis 30 Jahre. Wofür die Kavernen in Zukunft genutzt werden könnten – wenn die Mietverträge auslaufen oder Mieter der Kavernen kein Gas oder Öl mehr einlagern – ist noch völlig unklar. Doch es gibt verschiedene Möglichkeiten.

Da wäre zum einen Wasserstoff. Doch: „Alle reden davon, aber keiner tut etwas. Es gibt noch keine Abnehmer von Wasserstoff, deswegen glaube ich nicht, dass wir in näherer Zukunft hier Wasserstoff einlagern“, sagt Schweinsberg.

Flüssiggas oder Helium

Oder LNG-Flüssiggas: LNG steht für „Liquefied Natural Gas“, also flüssiges Erdgas. Sollten in Wilhelmshaven LNG-Terminals gebaut werden, würde es dort per Schiff angeliefert und noch vor Ort zurück in Gas umgewandelt werden. Dann könnte es theoretisch per Pipeline nach Etzel kommen, um dort eingelagert oder ins Netz eingespeist zu werden. „Ob der Bau in Wilhelmshaven kommt, ist eine politische Entscheidung“, sagte Joachim Schweinsberg im Gespräch mit der NWZ.

Oder Power-to-Gas: Über dem Bedarf liegende temporäre Stromüberschüsse können mit Wasserelektrolyse in Gas umgewandelt werden. Auch dieses Gas könnte in Etzel gelagert werden. Auch für Edelgase ist die Storag offen: Im Epe-Gasspeicher in Westfalen beispielsweise gibt es bereits eine mit Helium gefüllte Kaverne.

Streitpunkt Stilllegung

„Wir halten uns alle möglichen Optionen offen, um die bestehenden und auch die bereits genehmigten Kavernen zu nutzen“, sagte Joachim Schweinsberg. Doch Bestand hat auch das, was Geschäftsführer Thomas Kleefuß bereits vor einem Jahr sagte: „Wenn durch die Energiewende keine fossilen Brennstoffe mehr einzulagern sind und sich keine andere Nutzung der Kavernen anbietet, dann stellen wir den Betrieb ein.“

Ein Streitpunkt seit jeher ist die Stilllegung: Die Bürgerinitiative Lebensqualität Horsten/Etzel/Marx befürchtet, dass es auch nach der Stilllegung noch zu Bodenabsenkungen kommen kann. Wenn sie ausgedient haben, werden die Kavernen mit Sole gefüllt. Dann vergeht einige Zeit, bis sich die Temperatur der Sole an die des Gesteins angepasst hat. Es folgen dann weitere Messungen zur Stabilität des Hohlraums, anschließend wird die Bohrung verfüllt. Ab 2070 werden die Kavernen bis 2113 nach und nach stillgelegt. „Wahrscheinlich sogar früher“, sagt Joachim Schweinsberg – denn die Nachfrage ist gering.

Auch die Senkungsprognose und die Auswirkungsanalyse sind Teil des Rahmenbetriebsplans. Beide wurden bereits öffentlich vorgestellt. Die gesamte Mulde sinkt laut Storag um 2,5 Zentimeter im Jahr, macht 2,50 Meter in 100 Jahren. Die Auswirkungsanalyse hat Joachim Schweinsberg im vergangenen Jahr mit den Worten vorgestellt: „Die Ergebnisse sind unspektakulär. Die Ökologie wird nicht beeinträchtigt und bei den Gebäuden erwarten wir sowieso keine Schäden.“

Weil sich der Boden in den nächsten Jahrzehnten nach und nach weiter absenken wird, bis zu einem erwarteten Tiefpunkt von 2,55 Zentimeter im Zentrum der Mulde, müssen die Kavernenbetreiber überlegen, wie sie das Gelände trocken halten. Dafür gibt es ein umfangreiches Entwässerungskonzept, das unter anderem die Vertiefung von Gräben vorsieht. Alles in allem schätzten die Gutachter die Auswirkungen der Bodenabsenkung als „durchaus beherrschbar“ ein.

Streitpunkt Umwelt

Die Bürgerinitiative Lebensqualität Horsten/Etzel/Marx sieht das anders. Die BI ist der Meinung, dass „Fragen wie Sicherheitsabstände, Bodenabsenkungen, Endverwahrung und Sicherheitsleistungen nicht geklärt sind“. Kritik übt die Bürgerinitiative außerdem daran, dass das Landesbergamt den Rahmenbetriebsplan fakultativ genehmigen möchte, das heißt ohne eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Die Bürgerinitiative geht von großen Auswirkungen auf die Umwelt aus.

Streitpunkt Abstand

Ein weiterer Punkt der Beiratssitzung war das unabhängige Gutachten zu den Sicherheitsabständen, das der damalige Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) gefordert hatte. Der vorgeschriebene Sicherheitsabstand von Kavernen zu Wohnhäusern beträgt 90 Meter, doch die Bürgerinitiative zweifelt an, dass das ausreicht. Deswegen hatte Olaf Lies vor zwei Jahren ein unabhängiges Gutachten gefordert, dass klärt, wie viel Sicherheitsabstand nötig ist. Nur findet das Landesbergamt keinen Gutachter, der das machen kann.

Das liege daran, dass die vorliegenden Ergebnisse des Bundesverbandes BVEG bereits auf dem wissenschaftlichen Stand der Technik seien, sagte Joachim Schweinsberg. „Besser geht es nicht.“ Das Landesbergamt hat jetzt eine Arbeitsgruppe gegründet, in der sich die Behörde selbst mit der Frage der Sicherheitsabstände beschäftigen will. Noch in diesem Jahr sollen Ergebnisse vorliegen, kündigte Björn Völlmer vom Landesbergamt an.

Sandra Binkenstein Varel / Redaktion Friesland
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