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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Falschmünzer in Marias Auftrag

13.02.2010

JEVER Jevers legendäre Herrscherin Fräulein Maria war nicht zimperlich – weder, wenn es darum ging, ihrem Hass auf die ostfriesischen Widersacher Ausdruck zu verleihen, noch in Geldangelegenheiten. Beispiele dafür lieferte am Donnerstag der Bremer Numismatiker Hanfried Bendig in seinem Vortrag „Dirk Iden Kruitkremer – Ein Falschmünzer in Jever und Emden“ im Schlossmuseum.

Dirk Iden aus dem heutigen Belgien – sein Beiname „Kruitkremer“ könnte „Krauthändler“ bedeuten, aber auch einen Hinweis auf Schießpulver geben – war seit 1560 Münzmeister in Jever und prägte einen großen Teil der Münzen Fräulein Marias. Dabei fällt nicht nur auf, dass die offiziellen Taler, die der Münzmeisters im Auftrag der Herrscherin prägte, unterwertig sind: Ihr Silberanteil ist in der Regel zehn Prozent geringer als er sein müsste. Dennoch wurden die Taler zum vollen Wert ausgegeben, berichtete Bendig.

Dirk Iden prägte zudem auch eine enorme Menge von Falschmünzen, die ebenfalls in Umlauf gebracht wurden. „Er hat zigtausende Taler geprägt – man kann sagen, er war einer der größten Falschmünzer aller Zeiten“, so Bendig.

Spurensuche auf Münzen

Auf die Spur gekommen ist der Experte für Münzen aus Frl. Marias Zeit dem „Meister der Münzen“ durch den Vergleich der für die Prägung verwendeten Punzen. In die damals zur Münzprägung verwendeten eisernen Stempel wurden am Rand einzelne Buchstaben eingefügt, die die Umschrift auf den Münzen bildeten. So fiel Bendig beim Vergleich von in Ostfriesland geprägten Münzen mit den um 1560 geprägten jeverschen Heilandstalern auf, dass das „G“ überall das gleiche ist. „Die Punze war zunächst in gutem Zustand und hat perfekte Buchstaben geprägt, später sind Fehler zu erkennen und zuletzt ist die Punze kaputt“, erläuterte Bendig anhand Beispielen. Daraus folgert er, dass die Münzen alle in derselben Werkstatt geprägt wurden – eben bei Dirk Iden.

War es sonst üblich, dass Münzmeister ihre Signatur in Form eines Buchstaben-Symbols auf die Münzen prägten, wurde bei Falschgeld anonym gearbeitet. Nach Vergleichen der Punzen ist Bendig davon überzeugt, dass Dirk Iden sogar einen falschen „Bianco“ von Papst Paul III. in Umlauf gebracht hat und auch der berühmte „Magdeburger Spotttaler“ aus der Werkstatt Idens stammt: „Die jeverschen Danielstaler von 1561 sind mit den gleichen Punzen geprägt.“

Dirk Iden arbeitete übrigens in großem Stil: Er hatte Bendig zufolge Werkstätten in Emden und Jever und eine Filiale möglicherweise in Norden. „Zwischen 1568 und 1576 hat er rund 400 000 Taler geprägt, das entspricht bei heutiger Kaufkraft einem Geldwert von rund 400 Millionen Euro“, berichtete der Experte.

Gutes Geschäft

Fräulein Maria hat an dem Geschäft mit den unterwertigen Münzen demnach kräftig mitverdient. Zudem pflegte sie ihre Taler mit Symbolen für ihren erfolgreichen Kampf gegen die Ostfriesischen Grafen zu schmücken: Die lateinische Umschrift auf dem Heilandstaler etwa heißt: „Ich habe meine Feinde überwunden“.

Viele spätere Münzen Fräulein Marias haben übrigens plattdeutsche Umschriften anstelle lateinischer. Das sei auch das verräterische am „Magdeburger Spotttaler“, so Bendig: „Dort wurde nie Platt gesprochen, die Inschrift auf der Rückseite, lautet aber ,Dat is min leven Son‘.“

Melanie Hanz Agentur Hanz / Redaktion Jever
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