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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Landwirtschaft: Feriengäste statt Pferdepflug

15.06.2013

Wüppels Es ist eine Geschichte, die nicht nur die Entwicklung der Landwirtschaft im Wangerland nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beleuchtet, sondern es ist auch die Geschichte eines Vaters und seiner Tochter.

Sie spielt auf einem Hof in Wüppels, der bereits in der 6. Generation in Familienbesitz ist. Gerd Hobbies Urgroßvater kaufte den Hof mit Ländereien im Jahr 1896. 32 Jahre lang bewirtschaftete Gerd Hobbie den landwirtschaftlichen Betrieb mit rund 60 Hektar Land.

Das Leben, das Gerd Hobbie nach Kriegsende führte, und die Probleme, mit denen die Landwirte damals zu kämpfen hatten, ist für seine Tochter Katrin Hobbie heute kaum mehr vorstellbar.

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Nach 1945 herrschten im Bereich der Entwässerung im Jeverland teilweise chaotische Zustände. Das erschwerte die landwirtschaftliche Arbeit enorm. „Während der Kriegsjahre waren die Graben- und Vorflutersysteme nur notdürftig unterhalten worden“, erinnert sich Gerd Hobbie.

In den Kriegsjahren wurde Hobbies Vater, wie viele junge Männer in Deutschland, als Soldat eingezogen. So fehlte es auf den Höfen an Männern und Arbeitskraft. „Das führte dazu, dass nur das Notwendigste gemacht werden konnte“, sagt Hobbie.

Zwar habe es in der Nähe von Wüppels ein Lager für russische Kriegsgefangene gegeben, die auf den Höfen im Umland arbeiten mussten, aber selbst mit deren Arbeitskraft sei das Pensum kaum zu schaffen gewesen.

Im letzten Kriegsjahr musste das Wasser zeitweise sogar auf Anordnung der Reichsregierung im Binnenland aufgestaut werden, um Flächen absichtlich zu fluten, damit eine mögliche feindliche Invasion an der Nordseeküste erschwert wurde, erinnert sich Hobbie.

Die Probleme mit der Wasserwirtschaft sollten die Landwirte in den kommenden Jahren weiter beschäftigen. Auch Gerd Hobbie kämpfte bei der Bewirtschaftung seiner Flächen mit den nassen Böden.

Das erschwerte das Pflügen, sorgte für verschimmelte Ernten und ließ Kühe knietief im Wasser stehen. Nasse Jahre brachten immer wieder große Überschwemmungen im Binnenland, weil das Entwässerungssystem nicht ausreichte. 1960 übernahm Gerd Hobbie den Betrieb von seinem Vater. Er betrieb je zur Hälfte Milchwirtschaft und Ackerbau.

„Die ersten Mähdrescher mussten oft mit Reifenverbreiterungen ausgerüstet werden, beim Pflügen wurden Raupenschlepper eingesetzt oder man rüstete die Schlepper mit Greiferrädern aus“, sagt Hobbie.

Die Technisierung in der Landwirtschaft sei notwendig geworden, weil die Menschen zunehmend in Unternehmen arbeiteten. „So waren immer weniger Arbeiter auf dem Hof“, sagt er.

Während Hobbie in seinen jungen Jahren durchaus gut mit technischen Neuerungen umgehen konnte – sein erster Trecker war ein Mc Cormick mit 30 PS, den er 1958 anschaffte – hatten die älteren Landwirte, die ihre Felder noch mit Pferden bewirtschaftet hatten, damit so ihre Schwierigkeiten. „Was willst du denn mit einem Trecker anfangen? – Das haben sie mich oft gefragt“, sagt Gerd Hobbie und lacht.

Später stellte er den Betrieb von Milchwirtschaft auf Schweinemast und Ackerbau um. In den 1970er Jahren begannen die ersten Betriebe im Wangerland neben der Landwirtschaft auch Zimmer mit Frühstück anzubieten. Die Landwirte entdeckten nach und nach den Tourismus als attraktiven Wirtschaftszweig.

Gerd Hobbies Tochter Katrin wuchs auf dem Hof auf. „Für mich war immer klar, ich werde den Betrieb eines Tages übernehmen“, sagt sie.

1992 war es soweit: Der Hof erlebte einen Generationswechsel und damit auch eine große Umstrukturierung. Katrin Hobbie entschied sich, voll auf den Tourismus zu setzen. Der Betrieb wurde aufgegeben, die Ländereien wurden verpachtet. „Den Erlös haben wir in den Umbau und in die Einrichtung von Ferienwohnungen gesteckt“, erzählt Katrin Hobbie.

Seitdem betreibt sie erfolgreich vier parterreliegende Ferienwohnungen. Zudem gibt es einen separaten Aufenthaltsraum und ein große Spielscheune für die Kinder. „Auch wenn der Hof nicht mehr bewirtschaftet wird, leben hier noch viele Tiere“, erzählt Katrin Hobbie.

Es gibt einen Hund, Pferde und Ponys, Hühner und Hasen sowie Kühe, Schweine und Ziegen. „Wir wollen unseren Gästen eine Bauernhof-Idylle bieten“, erklärt sie das Konzept des Ferienhofs.

Ob eines der Kinder den Hof übernehmen will, weiß sie noch nicht. „Aber es wäre möglich“, sagt sie.


  www.katrins-ferienhof.de 
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