• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Kontakt
  • Werben
NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

,Warum sollte Integration nicht gelingen?‘

28.09.2017

Friesland /Schortens Es ist das Thema, mit dem die AfD spaltet: „Der deutsche Staat hat einfach die Grenzen geöffnet und alle reingelassen – da waren Flüchtlinge dabei und Wirtschaftsasylanten und Kriminelle. Viele kommen nur, um abzukassieren“, sagte AfD-Kandidat Ronald Harms bei der Podiumsdiskussion im Bürgerhaus Schortens. „Grenzen zumachen“, habe ihm ein Flüchtling selbst geraten, berichtete Harms. Und: „Wir wollen hier keine Leute, die gegenüber Deutschland nicht tolerant sind.“ Ein AfDler im Publikum sprach gar von „Billionen Kosten“, die Europa zu tragen habe.

 Integration

Die deutlichste Antwort hatte der Kandidat der Linken, Stephan Möller: „Keiner flüchtet freiwillig und ohne Grund – selbst wer vor Armut flüchtet“, erwiderte er. Ihn mache die Unterscheidung in Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge sprachlos. Und: „Warum sollten wir die Integration nicht bewältigen können?“

Auch für Heike Kliegelhöfer (Grüne) steht fest: „Jeder Mensch hat die gleichen Rechte – und wer hierher flieht, kommt nicht ohne Not und hat es verdient, hier menschenwürdig aufgenommen zu werden.“ Aus ihrer Erfahrung als Krankenschwester in der Notaufnahme wisse sie, dass die Menschen oft Frieden wieder lernen müssen. „Aber ich habe keinen erlebt, der gekommen ist, um den deutschen Staat auszubeuten.“

Sicher sei vor zwei Jahren, als enorm viele Flüchtlinge ins Land kamen, nicht alles rund gelaufen, sagte Olaf Lies (SPD): „Die Verteilung der Menschen hat zu lange gedauert.“ Aber das System an sich sei gut und funktioniere. „Sicherlich braucht Integration mehr Zeit und Aufwand als gedacht. Aber wir können davon profitieren: Das Handwerk zum Beispiel schreit nach jungen Leuten“, so Lies.

Deutlich werde mittlerweile, dass Flüchtlinge in ländlichen Regionen viel bessere Chancen haben, integriert zu werden, sagte Lies. Und als Wirtschaftsminister mahnte er: „Wenn wir es nicht schaffen, die Leute zu integrieren, dann verursacht das enorme Kosten – wenn wir sie aber integrieren, gewinnen wir.“

Jens Damm (CDU) bestätigt das: „Friesland ist bereit, die Leute zu integrieren – und die Landwirtschaft und ihre vor- und nachgelagerten Branchen können sie gut brauchen.“ Allerdings: „Das geht, wenn denn endlich der Status der Flüchtlinge festgestellt ist und sie eine Arbeitserlaubnis bekommen haben.“

Auch Möller dauert die Bürokratie zu lange: „Das sollte so schnell wie möglich abgearbeitet werden, damit aktive Integration beginnen kann.“

 Sicherheit

Wie steht es um die Sicherheit im ländlichen Raum – brauchen wir mehr Polizisten? Olaf Lies beantwortete diese Frage mit einem klaren Nein: „Wir haben mehr Polizisten im Land als je zuvor – zugleich steigt jedoch das Gefühl der Unsicherheit“, sagt er: „Mehr Personal ist keine Lösung. Aber notwendig wäre, dass die Polizei mehr Präsenz vor Ort und auf der Straße zeigt.“

Für Ronald Harms – „es sind genug Polizisten da“ – ist das Problem eher, dass Straftäter zu sanft bestraft würden. „Gesetze und Strafen müssen angewandt werden“, betonte er. Und er plädiert für eine bessere Bewaffnung und Ausrüstung der Polizeibeamten.

„Wir haben so viele Polizisten wie nie zuvor? Wo sind sie? Ich hätte gern mehr Polizei vor Ort“, hielt Stephan Möller Lies entgegen. Und Jens Damm sieht ebenfalls Bedarf nach mehr Personal in den Polizeistationen auf dem Land: „Wir haben vier Polizisten im Wangerland – aber im Sommer hunderttausende Urlauber. Wie sollen die das bewältigen“, fragte er. Seiner Ansicht nach haben Polizeibeamte mittlerweile Berge an Bürokratie zu bewältigen – zu Lasten der Präsenz auf der Straße. „Die Schreibarbeit müssten nicht unbedingt ausgebildete Polizeibeamte erledigen“, ist sein Vorschlag.

 Ärzteversorgung

Einigkeit herrschte auf dem Podium beim Thema ärztliche Versorgung: „Der Arzt im Dorf ist unverzichtbar“, betonte Jens Damm. Doch Landärzte fehlen – „wir müssen Anreize schaffen, damit sich Ärzte auf dem Land niederlassen. Und Fachärzte müssen in erreichbarer Nähe zu finden sein“, sagte er.

Auch Heike Kliegelhöfer sieht die Notwendigkeit für Anreize – zum Beispiel, indem Kommunen fertig ausgestattete Praxen vorhalten. „Wir erleben im Nordwest-Krankenhaus, dass die Notaufnahme übervoll ist, weil in der Fläche Ärzte fehlen“, sagte sie.

Ronald Harms berichtete davon, wie er zum augenärztlichen Notdienst gar nach Brake fahren musste: „Auch im ländlichen Raum muss die Grundversorgung mit Fachärzten gewährleistet sein“, forderte er. Das könne etwa über Ärztehäuser gelingen.

Olaf Lies regte an, die Steuerung der Ärzte-Niederlassung durch die Kassenärztliche Vereinigung zu überdenken: „Möglicherweise sollte die Ärzte-Ansiedlung weniger aus rein wirtschaftlichem Aspekt gesteuert werden.“ Für Stephan Möller steht fest: „Die medizinische Grundversorgung darf nicht an marktwirtschaftlichen Kriterien festgemacht werden.“